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Krones-Vorsitzende im Interview

„Das hat kein Mensch kommen sehen“: So dramatisch sind der Krieg und das Lieferketten-Chaos für die Wirtschaft

„Der Markt kommt in Schwung“: Auch im Rosenheimer Werk des Abfüll- und Verpackungsproduzenten Krones können wieder zahlreiche Aufträge bearbeitet werden.
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„Der Markt kommt in Schwung“: Auch im Rosenheimer Werk des Abfüll- und Verpackungsproduzenten Krones können wieder zahlreiche Aufträge bearbeitet werden.

Rosenheim – Der Abfüll- und Verpackungsproduzent Krones ist einer der größten Arbeitgeber der Region mit Werken in Rosenheim und Raubling. Er kommt angeschlagen aus der Corona-Pandemie. Dennoch verzeichnen der Vorstandsvorsitzende Christoph Klenk und Finanzvorstand Norbert Broger im ersten Quartal 2022 Rekordumsätze. Im Interview erklären sie, wie schlimm die weltweiten Lieferkettenprobleme tatsächlich sind, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg hat und was das für die Werke bedeutet.

Sie verzeichnen derzeit einen Konzerngewinn von rund 40 Millionen Euro. Wie ist das gerade jetzt möglich?

Christoph Klenk: Das liegt in erster Linie daran, dass der Markt wieder in Schwung kommt und wir mit 150 Kunden weltweit breit aufgestellt sind. Wenn man allerdings zurückblickt, dann hat uns die Corona-Pandemie schon schwer getroffen. Denn Hotels, Bars und Restaurants waren weltweit geschlossen, was auf die Geschäftsentwicklung des Großteils unserer Kunden einen enormen Einfluss hatte. Erst jetzt gab es eine Erholung, die wir in dieser Stärke nicht erwartet hatten. Wir konnten unsere Anlagen schnell in Betrieb nehmen, das hat uns eine gute Auftragslage beschert.

Christoph Klenk, Vorstandsvorsitzender der KronesAG.

Die Verpackungsbranche ist also kein Corona-Gewinner?

Klenk: Nein, wir hatten einen Auftragseinbruch von rund 25 Prozent. Das hat uns sehr hart getroffen, sodass wir sogar Personal abbauen mussten. In der kritischen Phase waren es 700 Millionen Euro weniger Umsatz. Es gab keinen positiven Effekt für uns.

Inwieweit sind sie von der politischen Lage betroffen?

Klenk: Der Ukraine-Krieg betrifft bei uns rund 70 Millionen Euro des Jahresumsatzes. In Anbetracht von 3,6 Milliarden Euro Umsatz im Jahr ist das noch verträglich. Wenn die Lage allerdings weiter eskaliert und sich über die im Moment betroffenen Länder ausweitet, dann kann kein Mensch auf dieser Welt einschätzen, was das für Auswirkungen hat.

Welche Reaktion bekommen Sie aus Russland?

Klenk: Wir nehmen aktuell keine neuen Aufträge mehr an, die aus Russland oder Belarus kommen. Unsere russischen Kunden, die wir teilweise seit vielen Jahren kennen, sind natürlich enttäuscht. Sie können es allerdings nachvollziehen. Sie hoffen genauso wie wir, dass wieder Frieden einkehrt.

Norbert Broger, Finanzvorstand der KronesAG.

Herr Broger, als Finanzvorstand haben Sie seit Jahren ein Auge auf die Lieferketten. Wie dramatisch ist die Lage auf dem Weltmarkt wirklich?

Norbert Broger: Dieses Thema begann im Frühjahr 2021. Da haben die ersten Automobilhersteller Kurzarbeit angemeldet, weil ihnen Chips fehlten. Uns hat es im Spätsommer getroffen. Seit August haben wir eine extrem angespannte Situation. Denn wir verbauen in unseren Maschinen viele Elektrokomponenten.

Doch wir haben mittlerweile gelernt, damit umzugehen. Der Lockdown in China ist ein aktuelles Problem. In dem Moment, wo in Shanghai der Hafen schließt, hat das kurzfristig Auswirkungen auf die gesamte Logistik, da viele Containerschiffe festsitzen und nicht beladen werden können. Wir haben aber einige Alternativquellen in Europa. Allerdings bauen wir auf viele Elektrohersteller aus Deutschland, wie zum Beispiel Siemens, die direkt davon betroffen sind. Deshalb wird es für uns eine wichtige Frage sein, wann sich der Lockdown dort auflöst. Ein paar Wochen können wir kompensieren. Bei mehreren Monaten hätten nicht nur wir, sondern die ganze Welt ein Problem, weil die ohnehin angespannten Lieferketten noch mehr unter Druck geraten.

Welchen Einfluss haben steigende Energiepreise?

Broger: Das ist für unser Geschäft kein großes Thema. Für den gesamten Konzern liegen die Kosten für die Energieversorgung bei rund 25 Millionen Euro. Das ist verhältnismäßig minimal. All das sind jedoch Themen, die keiner in den vergangenen 40 Jahren gesehen hat. Daher haben wir bereits 2021 angefangen, zu reagieren. Ein Angebot für unsere Kunden, das vorher für zwei Monate gültig war, gilt jetzt nur noch für zwei bis drei Wochen. Es gibt außerdem neue Klauseln für Material- und Transportkosten. Das war früher nicht üblich, aber das waren auch andere Zeiten.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus all diesen Entwicklungen?

Broger: Wir haben die Preise für unsere Produktion 2021 um sechs Prozent angehoben, um die höheren Materialpreise zu finanzieren. Denn diese steigen inzwischen gefühlt schon fast stündlich. Zudem sind wir effizienter geworden. Unsere Entwicklerteams haben die geringere Auftragslage in den vergangen beiden Jahren genutzt, um neue Konzepte zu entwerfen und die Produkte zu verbessern. Mit unseren über 16 000 Mitarbeiter können wir zudem viele Probleme mit internen Mehraufwand im Moment noch auffangen.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Lage auf die Zahl der Mitarbeiter und welche Rolle spielt Rosenheim dabei?

Klenk: Wir stellen im Moment deutschlandweit rund 200 Mitarbeiter ein. Rosenheim hat eine sehr große Bedeutung für Krones. Mit zwei Werken und 1042 Beschäftigten ist es der zweitgrößte Produktionsstandort, den wir haben. Wir verzeichnen dort wieder ein Wachstum und brauchen neue Mitarbeiter. Das geht von IT-Mitarbeitern über Fachkräfte für die elektrische und mechanische Inbetriebnahme bis hin zur Entwicklung. Zudem werden wir auch weiter alle Auszubildenden übernehmen.

Wie sieht der Trend für Krones aus? Lässt sich trotz der vielen Risiken

eine Prognose treffen?

Klenk: Wenn die Lieferkettenprobleme nicht schlimmer werden und der Krieg in der Ukraine nicht in weiteren weltweiten Konflikten eskaliert, sehen wir ein erfolgreiches Jahr 2022. Das Wachstum unsere Märkte ist mittelfristig in Ordnung, weshalb wir davon ausgehen, dass wir weiter zwischen drei und fünf Prozent pro Jahr zulegen werden.

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