Emotionaler Star-Koch

Markus Lanz (ZDF): „Ich werd‘s nicht schaffen“ – Tim Mälzer (Vox) weint Corona-Tränen

In der letzten Markus Lanz-Ausgabe vor der Sommerpause liegt der Fokus auf TV-Koch Tim Mälzer. In der ZDF-Talkshow relativiert der Hamburger Gastronom seinen Gefühlsausbruch von Mai 2020, schildert die Situation der Restaurants und kämpft erneut mit seinen Emotionen.

  • Tim Mälzer* ringt bei Markus Lanz* erneut mit seinen Tränen.
  • Koch aus Hamburg* spricht über seinen Gefühlsausbruch.
  • Gastronomien kämpfen ums finanzielle Überleben.

Hamburg/Altona – In der letzten Markus Lanz-Ausgabe vor der Sommerpause am Donnerstag, 9. Juli 2020 sind Star-Koch Tim Mälzer, Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), CDU-Politiker Stephan Pusch, Bernhild Braun, Leiterin eines Seniorenzentrums und der Auszubildende Leonard Heß zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Der Fokus liegt klar auf dem Hamburger Gastronomen Mälzer, der über seinen tränenreichen Auftritt in der ZDF-Talkshow vom 5. Mai 2020* spricht. Wiederholt sich gar Geschichte?

Koch:Tim Mälzer
Geboren:22. Januar 1971 (Alter 49 Jahre), Elmshorn
Bücher:Heimat, Born to Cook, Greenbox, Die Küche, u.v.m.
Eltern:Christa Mälzer, Rainer Mälzer
Nominierungen:Deutscher Fernsehpreis für die beste tägliche Sendung, Deutscher Fernsehpreis - Freie Formatkategorie
Auszeichnungen:Deutscher Fernsehpreis für das beste Factual Entertainment

Markus Lanz (ZDF): „Kitchen Impossible“-Star Tim Mälzer (Vox) spricht in Hamburger Runde über seinen „Heulsusenauftritt“ und die Lage der Gastronomien

Die Ouvertüre und gleichzeitig auch das Highlight der vorerst letzten Ausgabe der populären ZDF-Talkshow von Markus Lanz liefern „Kitchen Impossible“-Star Tim Mälzer (Vox) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Dem Hamburger Gastronomen wird zunächst einmal sein Auftritt in der Lanz-Runde von Anfang Mai vorgespielt. „Ich habe null Euro Einnahmen. Ich habe 200 Mitarbeiter, die ich voll bezahlen muss“, ließ der 49-Jährige damals unter anderem verlauten. Seitdem hat sich viel getan und der gebürtige Elmshorner darf mittlerweile wieder Gäste in seinem Restaurant „Die Gute Botschaft“ bewirten - wenn auch unter strengen Auflagen.

Markus Lanz in seiner finalen Show vor der Sommerpause.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Betrieb sowohl in Gastronomien als auch in Bars in allen 16 Bundesländern wieder an Fahrt aufgenommen hat. Was sich im ersten Moment wie das Zurückversetzen in eine Zeit der heilen Welt liest, stellt sich beim näheren Hinschauen weiterhin als eine prekäre Situation dar. Denn die Auswirkungen der Coronavirus-Sars-CoV-2*-Krise sind nach wie vor spürbar. „Wir haben die Gefahrenmomente auf uns zukommen sehen und schnell gesehen, dass das für die gesamte Branche schwerwiegende Konsequenzen haben wird“, sagt Tim Mälzer.

Finale Markus Lanz Sendung (ZDF) vor der Sommerpause - Kitchen Impossible Star (Vox) Tim Mälzer wieder den Tränen nahe

Er selbst sei damals in einer „Schockstarre“ gewesen - und spielt auf die drastischen Worte von Hubertus Heil an, der bei Markus Lanz ein tristes Szenario skizziert hatte. Der Staat könne angesichts der Krise keine Arbeitsplätze garantieren und aufgrund des Virus seien 98 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie in Kurzarbeit, hieß es damals vom SPD-Politiker. Mit diesen Aussagen konfrontiert brachen beim Hamburger Star-Koch alle Dämme und der Tränenkampf nahm seinen Lauf.

Markus Lanz hat in seiner finalen Sendung vor der Sommerpause wieder Tim Mälzer zu Gast. Erneut ist er den Tränen nahe.

Doch zurück in das Hier und Jetzt. Im Gespräch mit dem ZDF-Talkmaster erzählt Mälzer, dass ihn die Pandemie letztendlich härter getroffen habe als ursprünglich noch angenommen. Damit spielt der 49-Jährige auf eine Kernsanierung seines „Bullerei“-Restaurants in Hamburg an, für die der Gastronom einen Kredit aufgenommen hatte. Er hätte mit seinem Team noch Witze darüber gemacht, wie hoch dieser Kredit denn ausfallen könnte und welches wirtschaftliche Risiko mit dieser Form der finanziellen Unterstützung eingegangen wird. Das böse Erwachen, frei von jeglichen Witzen, sollte schnell folgen.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Gastronom Tim Mälzer mit Dankesrede an Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD)

Ein Umsatz von null Euro sei das Wort-Case-Szenario gewesen, merkt der TV-Koch nicht zuletzt hinsichtlich des Kredits an. Es sei für alle eine unvorstellbare, absurde Situation. Hinzu kam der plötzliche Lockdown, über den Tim Mälzer im Kontext gastronomischer Betriebe spricht. „Wir reden nicht von schlechtem Geschäft. Wir reden von gar keinem Geschäft“, wird der Hamburger ziemlich deutlich. Er spricht von einer Utopie, die sich niemand aus seinem Team hätte vorstellen können. Doch wurden Mälzer und seine Mitarbeiter flugs mit der harten Realität konfrontiert, die da lautete: „Null Euro Umsatz“.

Natürlich kommt Markus Lanz auch nicht drum herum, den Star-Koch auf seinen „Heulsusenauftritt“ Anfang Mai anzusprechen. Wie von 24hamburg.de-Stars berichtet, hat Tim Mälzer sich zu diesem unlängst in einem Gastronomie-Podcast geäußert*. Doch erhält der 49-Jährige nun die Chance, seinen Gefühlsausbruch am „Tatort“ Hamburg-Altona zu relativieren bzw. zu erläutern. Mit seinen Ausführungen richtet sich der Gastronom auch an den lediglich zugeschalteten Hubertus Heil, dem Auslöser für seine damaligen Tränen.

Talkrunde von Markus Lanz (ZDF) vor der Sommerpause: Arbeitsminister Hubertus Heil neben Tim Mälzer

Wer nun ein Nachtreten oder dergleichen von Mälzer erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Denn das Gegenteil ist der Fall und der Hamburger Koch hält eine Dankesrede, die auch dem SPD-Politiker Karl Lauterbach gilt, der ebenfalls teil der Runde von Markus Lanz am 5. Mai war. „Am Ende des Tages war es das erste Mal, dass ich begriffen habe, wie ernst uns das im Griff hat. Dort wurde nicht herumlamentiert, dort wurde sehr deutlich gesagt: Im Worst Case hat uns das noch sehr, sehr lange im Griff“, gibt der 49-Jährige unumwunden zu.

Doch damit nicht genug. „In dem Moment wurde mein Geplapper von sechs Wochen vorher Realität [...] Dass meine Worte irgendwann mal so etwas wie Substanz haben, war für mich mit einer fürchterlichen Konsequenz gesegnet. Ich habe gedacht: Sch***e, ich werd's nicht schaffen“, lässt Tim Mälzer in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz verlauten. Der Restaurantbetreiber hätte in diesem Moment schlichtweg nur noch eine gewisse Perspektivlosigkeit empfunden, da die Gastronomie sein Leben sei. „Ich kann nichts anderes“, sagt der Hamburger.

Markus Lanz (ZDF): Tim Mälzer (Vox) kämpft erneut mit den Tränen - TV-Koch zwischen Aufbruchsstimmung und Orientierungslosigkeit

„In dem Moment war meine komplette Existenz – ich meine nicht finanzielle Existenz, es ging nicht darum, dass ich nichts mehr zu essen kaufen kann. In dem Moment war mein Leben weg. Ich fragte mich: Was mache ich denn jetzt?“, schildert der Koch seine damalige Orientierungslosigkeit. Nun darf sich auch endlich Arbeitsminister Heil zu Wort melden, der tapfer und stillschweigend im Hintergrund verharrt hat. Er berichtet, nach der besagten Mai-Sendung von Markus Lanz mit Tim Mälzer, aber auch mit vielen anderen Unternehmern und Selbstständigen gesprochen zu haben.

Bei den Gesprächen am Telefon seien viele dieser Menschen „den Tränen nahe“ gewesen. Ähnlich also wie der TV-Koch, der auch bei seinem erneuten Auftritt in der ZDF-Talkshow emotional sichtlich aufgewühlt ist und mit seinen Tränen zu kämpfen hat. Heil sagt, dass es ihm unbehaglich gewesen sei, mit seinen Aussagen eine solch emotionale Reaktion bei Tim Mälzer ausgelöst zu haben. Für den Gastronomen seien die Ausführungen des Arbeitsministers hingegen ein „Gamechanger“ gewesen. „Das Ganze wird auch von der politischen Seite aus menschlich. Wir Gastronomen werden gesehen“, wirkt Mälzer auf einmal sehr dankbar.

Markus Lanz (ZDF): Hamburgs TV-Koch Tim Mälzer von Kitchen Impossible (Vox) den Tränen nahe

Wie denn die aktuelle Situation in der Gastronomie sei, möchte Lanz daraufhin vom 49-Jährigen wissen. Der schweigt erstmal mehrere sekundenlang, ringt nach Worten und schnauft ordentlich durch. Bereits seine Körpersprache verrät, dass es auch nach Lockerungsmaßnahmen weiterhin nicht allzu rosig aussieht. Schließlich fängt sich Mälzer und erklärt: „Ein Freund von mir hat mal gesagt: Deutschland braucht nur zweimal gutes Wetter. Einmal 2006 im Sommermärchen, einmal jetzt nach Corona“. Damit spielt er auf die Sommerterrassen der Restaurants an, die das Geschäft wieder ankurbeln sollen.

Tim Mälzer musste bei Markus Lanz wieder gegen die Tränen kämpfen.

Schlussendlich findet der TV-Koch doch noch positive Worte. „Wir sind wirklich mit einer blutigen Nase davon gekommen. Natürlich haben wir Wohlstand verloren, aber Wohlstand gegen Leben ist glaube ich noch etwas ganz anderes. Man hat uns viel Gehör, Gehör und Möglichkeiten gegeben. Jetzt liegt es an uns, uns genau so als Teil der Gesellschaft zu begreifen und proaktiv einen Schritt zurückzugehen“, sagt Tim Mälzer.

Bereits nach der Sommerpause von Markus Lanz, die am 11. August endet*, könnte erneut über die Lage der gastronomischen Betriebe gesprochen werden. Vielleicht auch erneut mit dem Hamburger Koch. Eine chronologische Auflistung* der von 24hamburg.de besprochen Sendungen der ZDF-Talkshow sowie die Highlights der vergangenen Monate* bieten bis dahin ausreichend Lesestoff. * 24hamburg.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF Mediathek/Markus Lanz

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