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Zur Behandlung in Bad Aibling

WNBA-Profi-Basketballerin Marie Gülich: „Dafür lohnt es sich, hierher zu kommen“

Verpassten die Qualifikation zur EM: Marie Gülich und die deutsche Damen-Nationalmannschaft.
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Verpassten die Qualifikation zur EM: Marie Gülich und die deutsche Damen-Nationalmannschaft.

Marie Gülich kommt ursprünglich aus Köln, spielt für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft und ist in den letzten Jahren in den USA, Polen, Italien und Spanien aktiv gewesen. Und trotzdem kommt sie zur Physio-Behandlung nach Bad Aibling. Warum erklärt sie im Interview mit der OVB-Sportredaktion.

Bad AiblingMarie Gülich ist zurzeit eine der besten deutschen Basketballspielerinnen – wenn nicht sogar die beste. Warum die 27-Jährige zur „Recovery“ genau nach Bad Aibling kommt, wie sie mit der gescheiterten EM-Qualifikation des Nationalteams umgeht und ob sie weiterhin im Ausland spielen will, erklärt die 1,96 Meter große Top-Spielerin im Interview.

Die Saison in der Women’s National Basketball Association (WNBA) läuft aktuell. Warum sind Sie nicht dabei?

Marie Gülich: Es ist so: Die WNBA-Saison ist eine Sommersaison und läuft von Mai bis September und in Europa gibt es dann Wintersaisons. Also bin ich in den letzten drei Jahren immer im Sommer in den Staaten und im Winter in Europa gewesen. Ich hatte also so gut wie nie Pause. Letztes Jahr bin ich auch umgeknickt und habe mir die Nase gebrochen. Diese Verletzungen habe ich nicht genug auskuriert, weitergespielt und das alles so mit mir rumgeschleppt. Daher habe ich für diese Saison abgesagt, weil ich im Sommer einfach ein wenig zurückfahren wollte.

Dann sind Sie froh, dass sich Deutschland nicht für die EM qualifiziert hat?

Gülich: Nein, ich bin schon sehr enttäuscht. Bei den Qualifikationsspielen haben wir den Kader verletzungsbedingt leider nicht ausreichend zusammenbekommen. Am Ende des Tages ist die Hoffnung auf jeden Fall da, dass wir uns – wenn alle fit sind – in den nächsten Jahren für WMs und EMs qualifizieren können. Ich hätte diesen Sommer schon sehr gerne mit Deutschland mitgespielt, aber so kann ich den Sommer jetzt nutzen, um abzuschalten und mich gut zu erholen.

Und in der Wintersaison geht es dann wieder weiter?

Gülich: Ja. Ab August bin ich dann wieder in Valencia (Spanien), wo ich auch letzte Saison gespielt habe.

Sie sind in den letzten Jahren also ganz schön rumgekommen...

Gülich: In den USA habe ich zuerst vier Jahre im College gespielt. In der WNBA dann in Phoenix, Atlanta und Los Angeles gespielt. In den Wintersaisons war ich dann in Venedig (Italien), dann in Gdynia (Polen) und eben Valencia.

Es heißt, die WNBA ist die beste Liga im Damen-Basketball. Wie schwierig ist es, dort Fuß zu fassen?

Gülich: Ich glaube, es war auch ein Anpassungsprozess. Wenn man vom College, wo alles sehr familiär ist und man vier Jahre im gleichen System spielt, in die professionelle Ebene aufsteigt und dann gegen die besten und erfahrensten Spielerinnen der Welt spielt. Zudem ist die Konkurrenz riesig, da es in der gesamten Liga nur 144 Plätze für Spielerinnen gibt.

War es dann ein einziger Kampf um die Plätze in der Mannschaft?

Gülich: Nein, das war es nicht, die Meisten von uns waren gut befreundet. Ich würde einfach nur sagen, dass es ungewohnt war. Schließlich war das dann auf einmal das, womit ich mein Geld verdiene. Und vor allem die nicht gegebene Sicherheit hat mich ein wenig beunruhigt.

Ist das in den europäischen Ligen genauso?

Gülich: In Europa ist das ein bisschen anders. Dort unterschreibt man einen Vertrag und wird dann die Saison dort spielen.

War es dann im Winter vom Niveau immer ein Rückschritt nach Europa zu gehen?

Gülich: Ich würde nicht unbedingt sagen Rückschritt. Natürlich ist das Niveau nicht so extrem hoch wie in den Staaten, aber im Winter gehen viele WNBA-Spielerinnen nach Europa. Vor allem die spanische Liga ist eine der besten in Europa. In der letzten Saison haben wir mit Valencia auch den Euro-Cup gewonnen.

Wie war diese lange Zeit im Ausland für sie?

Gülich: Natürlich hat das aber immer seine positiven und negativen Seiten. Positiv ist, dass man viel reist, man lernt viele Leute und schöne Orte kennen und man erlebt einfach mehr. Aber man ist auch einfach viel alleine, weil man die Familie und Freunde nie bei sich hat. Dabei habe ich aber ein großes Glück, dass mich meine Familie so unterstützt, auch wenn ich bei den ganzen Geburtstagen und Familienfesten nicht dabei sein kann.

Wie ging es Ihnen in Italien, Polen und Spanien mit den Sprachen?

Gülich: Basketball-Lingo ist überall relativ das Gleiche, da hat es also keine Probleme gegeben. Abgesehen davon kommt man heutzutage auch überall mit Englisch zurecht.

Gülich ist im Ausland nicht unbedingt der leichteste Nachname. Haben Sie deswegen irgendwelche Spitznamen?

Ja (lacht). Die Amerikaner sprachen meinen Namen immer ‚Gulitsch‘ aus. Daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Meine Mitspielerinnen im Profi-Bereich nannten mich dann immer ‚Riri‘.

Wie schnell fanden Sie sich im Ausland zurecht?

Gülich: Als ich im ersten Jahr in Italien war, musste ich mich erstmal daran gewöhnen, in einem anderen Land zu leben, wo ich niemanden kenne und die Sprache nicht spreche. Da war es ein bisschen schwieriger für mich, da ich nur Basketball gespielt habe und sonst nichts. Deswegen habe ich jetzt auch meinen Hund Otis, der mich dann zwingt rauszugehen und andere Leute zu sehen und man hat auch einfach eine gewisse Verantwortung und Aufgaben während dem Tag. Er ist mein kleiner Companion, der immer für mich da ist.

Marie Gülich und Marc Volkert von FENICS mit ihrem Trikot von Valencia BC.

Welche Stadt, in der Sie spielten, ist die schönste?

Gülich: Ich habe eigentlich nur in schönen Städten gelebt (lacht): Valencia liegt direkt an der Küste Spaniens und es ist fast immer warm, Venedig ist eine ganz außergewöhnliche und tolle Stadt und in Gdynia ist zwar nicht immer so schönes Wetter, aber es ist eine schöne Stadt am Meer und die Leute sind sehr familiär. Es ist schwierig, da eine hervorzuheben.

Soll es in den nächsten Jahren wieder mit Sommer- und Wintersaisons weitergehen?

Gülich: Momentan würde ich sagen ja, wenn es für mich physisch und mental weiterhin möglich ist. Wenn ich in Zukunft einen anderen Plan im Leben habe und eventuell irgendwo arbeite, dann ist das so. Ich bin da ziemlich offen und versuche einfach Schritt für Schritt zu gehen.

Und weiterhin im Ausland?

Gülich: Ja. In Deutschland ist es von der Basketball-Qualität leider einfach zu niedrig im Vergleich zu den anderen Ländern.

Sie haben in Ihrer Karriere schon einige Physiotherapeuten kennengelernt. Warum genau kommen Sie nach Bad Aibling?

Gülich: Der Marc (Marc Volkert, Gründer und Inhaber von Fenics Therapie & Training) ist unser Physio bei der Nationalmannschaft, so habe ich ihn kennengelernt. Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass ich jemanden habe, dem ich vertraue und gerne mit ihm zusammenarbeite. Ich weiß auch, dass es ihm nicht nur darum geht seinen Job zu machen, sondern 100 prozentig darum, mir zu helfen und mir die bestmögliche Behandlung zu bieten. Es lohnt sich immer, zu ihm nach Bad Aibling zu kommen, weil ich weiß, dass er das Beste aus mir rausholen will.

Kämpfen Sie zurzeit mit einer Verletzung?

Gülich: Nein, es geht einfach nur darum, wieder herunterzukommen, an kleinen Sachen zu arbeiten, eher Verletzungen vorzubeugen und mich gut auf die neue Saison vorzubereiten.

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