Tischtennis Bundesliga

SV DJK Kolbermoor unterliegt der SV Böblingen

Frankfurt/Kolbermoor - Kampflos abgegebene Spiele haben in der 1. Bundesliga der Damen stark zugenommen. Der SV DJK Kolbermoor machte bei der SV Böblingen von dieser Möglichkeit Gebrauch, um ein Aufrücken zu verhindern.

Die Nummer zwei Sabine Winter spielte wegen einer Verletzung nicht. Doch die Taktik ging nicht auf, die Gastgeberinnen wahrten ihre weiße Weste in der zweiten Saisonhälfte. Und katapultierten sich auf den fantastischen vierten Tabellenrang. Die Niederlage der Bayerinnen spielte Spitzenreiter ttc berlin eastside perfekt in die Karten, der sich nun bei vier Punkten Vorsprung und einem einwandfreien Spielverhältnis nur noch selber das Leben schwer machen kann.

 Beim TuS Bad Driburg lief alles glatt. Die Sportvereinigung katapultierte sich auf den vierten Tabellenrang. Die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim verteidigte mit einem Erfolg gegen den TTV Hövelhof den dritten Tabellenplatz. SV Böblingen – SV DJK Kolbermoor: 6:1 Doppel leiten die Talfahrt des SV DJK ein.

Auch bei der dritten Begegnung an diesem ersten komplexen Rückrundenspieltag profitierten die Gastgeberinnen, diesmal die SV Böblingen, von kampflosen Siegen. Waren der TuS Bad Driburg und der TUSEM Essen mit keinem guten Beispiel vorangegangen, zog der Tabellenzweite SV DJK Kolbermoor durch Sabine Winter nach. Und auch in diesem Fall entwickelte sich daraus eine 2:0-Führung für den Gegner. 

Qianhong Gotsch/Rosalia Stähr überzeugten gegen das nicht eingespielte Duo Kristin Silbereisen/Bernadett Balint mit einem 8:11, 11:6, 11:6, 11:7. „Wir trafen die Doppel perfekt, das war ein wichtiger Punkt von Hongi und Rosi. Das Handicap unserer Gäste half uns, aber wir bekamen den Sieg nicht umsonst. Wir gewannen nicht 6:3 oder 6:4, sondern 6:1“, lobte SVB-Coach Andrzej Kaim die tadellose Teamleistung.

Silbereisen gab erwartungsgemäß Theresa Kraft keine Chance

Aber im hinteren Paarkreuz spitzte sich die Spannung dramatisch zu. „Trotz der Niederlage verkaufte sich Theresa ganz hervorragend“, sagte Kaim. Nach der 3:1-Führung hatte die Sportvereinigung den vierten Punkt schon in der Hinterhand. Julia Kaim bekam schließlich nach Hoch- und Tiefphasen auf beiden Seiten mit einem 12:14, 11:2, 13:11, 5:11, 11:6 gegen Balint Oberwasser. Im dritten Abschnitt lag die Böblingerin schon fast aussichtslos 3:7 zurück. Ein guter Start zum 3:0 und 7:3 im Entscheidungssatz beruhigte die strapazierten Nerven. Parallel steckte Abwehrspielerin Stähr gegen Sibel Remzi auch nach deutlichen Rückständen wie beim 2:6 im dritten Satz nicht auf.

Letztendlich belohnte sich die Nummer drei mit einem 11:9, 11:13, 11:9, 11:8 und machte den Sieg vor dem Spitzeneinzel zwischen Gotsch und Silbereisen perfekt. „Julia präsentierte sich im fünften Satz gleich in der Eröffnungsphase der Ballwechsel aktiv, spielte mit viel Rotation. Auch Rosi gab eine starke Vorstellung, probierte diverse Sachen. Verteidigte ausgezeichnet, aber nutzte auch jede Gelegenheit zur Offensive. Die Partien bewegten sich auf sehr gutem Niveau“, kommentierte Kaim. 

Die routinierte Defensivakteurin Gotsch ließ nichts anbrennen und siegte wie in der Vorrunde mit 11:4, 11:3, 11:13, 11:5 souverän. Der kampflose Punkt von Winter wurde nicht mehr benötigt. „Hongi ist einfach so agil, phänomenal. Wie eine 24-Jährige.Nur im Kalender ist sie schon 48 Jahre alt. Die Koordination und Beweglichkeit, einfach klasse“, schwärmte Kaim. Die faustdicke Überraschung war damit besiegelt, und die SVB meldet Anspruch an einen Mittelfeldplatz an.

TuS Bad Driburg – ttc berlin eastside: 1:6 

Der TuS Bad Driburg legte vor heimischem Publikum Wert darauf, dass vier spielfähige Akteurinnen gegen den amtierenden Meister ttc berlin eastside antraten. Deshalb wurde Spitzenkraft Nina Mittelham in Leipzig geschont, und für Shi Qi sprang die Nummer zwei der Bezirksliga-Reserve Birgit Osburg ein. Im Doppel leisteten Mittelham/Sarah DeNutte gegen Petrissa Solja/Shan Xiaona heftig Gegenwehr, aber zum 0:7 verloren sie frühzeitig im fünften Durchgang den Anschluss. Mit einem 11:2 verbuchte das ttc-Duo das 2:0, denn Georgina Pota/Lilia Palina besaßen beim 3:0 gegen Katharina Michajlova/Osburg keine Mühe.

Lilia Palina ist 15 Jahre alt und die Tochter von ttc-Trainerin Irina Palina. Die Freude über das gelungene Debüt war bei der Norddeutschen Mädchen-Vizemeisterin 2017 entsprechend groß. „Lilia spielt nicht wie ich Abwehr, sondern offensiv mit einem Noppenbelag auf der Vorhand. Und natürlich habe auch ich mich für sie gefreut“, berichtete Mutter Irina. Shan machte dann gegen Mittelham beim 11:3, 11:4, 11:7 kein langes Federlesen. Dass Mittelham längst noch nicht wieder fit war, trat schon zu diesem Zeitpunkt deutlich zu Tage. Sehenswerte Ballwechsel boten dafür DeNutte und Solja an. Die Luxemburgerin legte nach einem 4:11 zunehmend den Respekt ab, stellte sich zum 14:12 immer besser auf die Linkshänderin ein.

Verletzung zwingt Mittelham zur Aufgabe

Bis zum 9:9 war der dritte Satz ausgeglichen, ehe sich Solja mit einem 11:9 die Führung erkämpfte und ein sicheres 11:5 nachlegte. „Das war das einzige, richtig gute Spiel“, bedauerte TuS-Manager Franz-Josef Lingens. Nach der Pause durfte Lilia Palina im Einzel gegen die Bronzegewinnerin bei der Deutschen Meisterschaft in Bamberg Michajlova an den Tisch. Auf der anderen Seite war die Herausforderung für Osburg gegen die Nummer 31 der Weltrangliste Pota noch höher. Die beiden Liganeulinge machten ihre Sache gut, vor allem Palina setzte erfreulich positive Akzente. Dennoch quittierten die Zwei eine Niederlage zum 5:1-Zwischenstand zu Gunsten der Berlinerinnen.

Schließlich warf Mittelham gegen Solja doch noch das Handtuch und gab kampflos auf, sodass die Begegnung ein schnelles Ende nahm. „Die Schmerzen traten bei Nina schon im Doppel wieder verstärkt auf. Da lässt sich therapeutisch leider gar nichts machen. Die Verletzung heilt nur durch Ruhe“, erläuterte Lingens. „Bei uns lief alles nach Plan, wir sind zufrieden“, so Palina.

Ding Yaping im Duell der Weltmeisterinnen überragend

Auch die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim und der TTV Hövelhof konnten nicht in der Stammformationen auflaufen. Bei der TTG stand für die verletzte Französin Marie Migot zu ihrer Ligapremiere Yuliya Simeonova-Schaar parat. Die Gäste boten im vorderen Paarkreuz unerwartet die ehemalige Nummer vier der Weltrangliste Spielertrainerin Jing Tian-Zörner auf. Nicht mit von der Partie war die Nummer eins Svetlana Ganina. Doch bange machen galt für Ding Yaping nicht, die mit einem 11:7, 11:7, 11:2 in einem Abwehrduell Tian-Zörner ihre Grenzen aufzeigte. Die Weltmeisterin der Seniorinnen 40 behauptete sich klar gegen die Weltmeisterin der Seniorinnen 50. Schon im Doppel zeichnete sich Ding zusammen mit Wan Yuan aus. Die tschechische Meisterin Hana Matelova überzeugte mit zwingenden Aktionen gegen Wang Aimei. Beim 3:0 war der zweite Abschnitt entscheidend, den die Bingerin nach einem 7:3 noch mit 12:10 über die Runden rettete.

Im hinteren Paarkreuz kam Yvonne Kaiser nach einem 0:2-Satzrückstand gegen Simeonova-Schaar mit einem blauen Auge davon. Der 25-Jährigen ging noch rechtzeitig ein Licht auf, und im fünften Durchgang war der Bann zum 11:2 gebrochen. Noch spannender verlief das Spiel zwischen Wan und Yuko Imamura. Imamura kam im Hinspiel nicht zum Einsatz, und schloss bislang erst zwei Einzel in der gesamten Saison positiv ab.Mit einem 9:7 im fünften Abschnitt drängte sie ihre Gegnerin mit dem Rücken an die Wand, und durfte nach dem überraschenden 11:8 jubeln. Dem TTV war der perfekte Konter zum 3:4-Anschluss gelungen. Doch gegen das souveräne Binger Spitzenduo war kein Kraut gewachsen. Ding gab auch gegen Wang keinen Satz verloren, und der Arm war bei Matelova nach dem vermeintlich lockeren Sieg gegen Wang noch nicht müde.

TTV-Manager: " Da war richtig Aktion, das macht Spaß!"

Mit einem 11:3, 10:12, 11:6, 12:10 markierte die Nummer zwei gegen Tian-Zörner das 5:3. Die ersten beiden Matchbälle wehrte die 54-Jährige noch ab, aber dann setzte sich das druckvolle Spiel der Tschechin durch. Die Entscheidung war allerdings noch längst nicht gefallen. Die Binger Zuschauer mussten kräftig Gas geben, um Wan nach einem 14:16, 4:8 gegen Kaiser zum 15:13, 11:9 auf den richtigen Weg zu puschen. Parallel unterlag Simeonova-Schaar trotz hervorragender Leistung mit 11:13, 6:11, 7:11 gegen Imamura. Dieses Spiel kam letztendlich nicht mehr in die Wertung, weil Wan ihrer Linie zum 7:2 und dann 11:2-Siegpunkt treu blieb. „Wir wollten eigentlich ein 5:5 mitnehmen. Bei uns fehlte immerhin die Spitzenspielerin, die mit einem grippalen Infekt und 40 Grad Fieber im Bett lag.

Dafür boten wir eine geschlossene Mannschaftsleistung, aus der ich Yuko hervorheben möchte. Gegen Wan präsentierte sie sich absolut nervenstark. Das wäre für uns ein Bigpoint gewesen, wir hätten um den dritten Tabellenplatz mitspielen können. Yvonne hätte zum Abschluss gewinnen müssen, doch ein paar unglückliche Bälle mit Netz und Kante sprachen dagegen. Die Spannung hielt trotzdem,kein Binger Fan verließ vorzeitig die Halle. Da war richtig Aktion, das machte Spaß“, kommentierte TTV-Manager Klaus-Dieter Borgmeier. „Yaping und Hana waren vorne wieder sehr stark unterwegs. Im Vergleich der beiden Weltmeisterinnen fand Yaping ihr Heil auch häufig in der Offensive. Yuliya absolvierte ein gutes Ligadebüt.

Sie spielt weiche Spinbälle, und es dauerte lange ehe die Konterspielerin Kaiser das richtige Rezept fand. Yuan war vor dem ersten Einzel gegen Imamura plötzlich ganz bleich, hatte Kreislaufprobleme.Dank Bananen und Coca Cola ging es ihr zum zweiten Auftritt besser. Sie kämpfte sich in das Match. Und waren froh, dass eine Begegnung mal nicht von kampflosen Spielen beeinflusst wurde“, zog TTG-Vorsitzender Joachim Lautebach ein positives Fazit.

Die nächsten Spiele:

Samstag, 25. März, 18.30 Uhr: (1) 55 LTTV Leutzscher Füchse 1990 gegen TTG Bingen/Münster-Sarmsh.

Sonntag, 26. März, 13 Uhr: (1) 56 ttc berlin eastside gegen TTG Bingen/Münster-Sarmsh. 

14 Uhr: (1) 41 TuS Bad Driburg gegen SV Böblingen 

14 Uhr: (1) 57 TTV Hövelhof gegen TV Busenbach 

15 Uhr: (3) 58 TUSEM Essen gegen SV DJK Kolbermoor

Pressemeldung 1. Tischtennis-Bundesliga der Damen

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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