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Ein Sechziger wird 80

Übers Schafkopfen zum Fußball-Boss: Hans Klinger war 22 Jahre Abteilungsleiter bei 1860

Damals noch mit Pfeife: Hans Klinger als meistens stiller Beobachter am Spielfeldrand.
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Anfang der 2000er noch mit Pfeife: Hans Klinger, der seinen 80. Geburtstag feiert, als meistens stiller Beobachter am Spielfeldrand.

22 Jahre lang war Hans Klinger Abteilungsleiter beim Fußball-Regionalligsiten TSV 1860 Rosenheim. Am Mittwoch, den 15. September, feiert er seinen 80. Geburtstag und hat viel zu erzählen.

Rosenheim – Hans Klinger war über 22 Jahre (von 1992 bis 2014) Abteilungsleiter des TSV 1860 Rosenheim und bestritt damit die wohl längste und erfolgreichste Amtszeit als Fußball-Chef des heutigen Regionalligisten. Am Mittwoch feiert er seinen 80. Geburtstag.

Regelmäßig bei den Sechziger-Spielen

Sich in den Mittelpunkt zu stellen, war Hans Klinger stets zuwider und so musste man ihn kurz vor seinem runden Geburtstag fast schon drängen, um sich auf eine Tasse Kaffee zu treffen und dabei auch über alte Zeiten zu sprechen. Hans Klinger ging es immer um die Sache, vor allem um seine Herzensangelegenheit: Den Fußball bei 1860. Und den verfolgt er noch heute noch regelmäßig – auf seinem Stammplatz im Jahnstadion unter dem Tribünendach. Er ist fast bei jedem Spiel des Fußball-Regionalligisten zu Gast.

Lesen Sie auch: Bei der 4:5-Niederlage in Unterhaching: Sechziger-Fußballer verteidigen wie ein U12-Team

Dem Jubilar geht es gesundheitlich gut, die Schulter zwickt zwar, sodass an Tennis momentan nicht zu denken ist. „Hauptsache die Schafkopfkarten kann ich noch halten,“ sagt er und lächelt. Regelmäßig spielt er mit seine Fußball-Weggefährten Armin Bernard, Richard Neumeier, Peter Holzapfel und als „Einwechselspieler“ Franz Pritzl im Gasthaus Höhensteiger in Westerndorf. „Das kann schon auch mal länger gehen. Unser Rekord liegt bei über acht Stunden mit einer halbstündigen Mittagspause“, verrät Klinger, den viele Rosenheimer auch aus seiner beruflichen Zeit als Geschäftsführer von Elektro Fröschl am Ludwigsplatz und später in der Isarstraße kennen.

Feiert seinen 80. Geburtstag: Hans Klinger, der 22 Jahre Fußball-Chef bei 1860 Rosenheim war.

In seiner langen Zeit bei 1860 Rosenheim führte Hans Klinger einen ständigen Kampf um Unterstützung und Finanzierbarkeit des gehobenen Amateurfußballs. Größte Erfolge in seiner Amtszeit waren drei Aufstiege in die Bayernliga und die Bayernliga-Meisterschaft 2011/12 mit der darauffolgenden Regionalligasaison 2012/13, Totopokalsieg und DFB-Pokal-Teilnahme.

1999 im DFB-Pokal gegen St. Pauli

Besonders gern erinnert sich Hans Klinger an das Erreichen der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal 1999, als im ausverkauften Jahnstadion der FC St. Pauli mit seinen besonderen Fans empfangen wurde und Rosenheim bei der 1:2-Niederlage nur knapp die Sensation verpasste.

2008 sorgte Hans Klinger für Diskussionsstoff in „Fußball Rosenheim“, als er seine „Vision 3. Liga“ verkündet hatte. Damals sagte er: „Tatsache ist, dass ein Drittligist für eine wirtschaftlich so starke Region wie Rosenheim keine Utopie ist, wenn wir Kräfte bündeln und gemeinsam versuchen, Fußball in Rosenheim wieder attraktiver zu machen. Die Vision 3. Liga mögen manche lächerlich finden, wir aber wollten damit aufrütteln, deutlich machen, dass man mit Unterstützung der Stadt, der Region, der heimischen Wirtschaft durchaus auch in Rosenheim schaffen könnte, was in Ingolstadt, Wehen oder Aalen möglich ist.“ Immerhin schafften die Rosenheimer unter seiner Regie vier Jahre später den Sprung in die Regionalliga – die Topadresse zumindest im bayerischen Fußball.

Da haben Sie mit den Sechzigern einige tolle Erfolge gefeiert, aber es gab auch Enttäuschungen. Was bleibt besonders in Erinnerung?

Hans Klinger: Eins der tollsten Erlebnisse war das Entscheidungsspiel in Unterhaching, als wir 1995 aufgestiegen sind. Das schlimmste Erlebnis war der Abstieg aus der Regionalliga, als Bayern München II das Relegationsspiel um den Aufstieg in die dritte Liga nach einem unglaublichen Torwartfehler verloren hatte. Da fehlten nur Sekunden zum Klassenerhalt. Wäre Bayern aufgestiegen, hätten wir uns die Entscheidungsspiele gegen Schweinfurt gespart.

Zu früh gefreut: Hans Klinger und der damalige Trainer Bernd Weiß nach dem vom Stadionsprecher in Ampfing fälschlicherweise verkündeten Aufstieg.

Sie erwähnen das Entscheidungsspiel in Unterhaching gegen Eching. Da gab es eine Vorgeschichte.

Klinger: Da wurden wir vom Stadionsprecher nach dem Schlusspfiff in Ampfing schon zum Meister gekürt, allerdings hatte er das falsche Ergebnis von unserem Konkurrenten Eching bekommen. Wir feierten bereits auf dem Platz, bevor es hieß: Kommando zurück, es gibt ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz gegen Eching. Das haben wir Gott sei Dank gewonnen und damit den Aufstieg in die Bayernliga perfekt gemacht.

1860 Rosenheim wurde auch der letzte Meister in der Bayernliga.

Klinger: Mit sieben Punkten Vorsprung, und darauf bin ich auch sehr stolz. Danach haben wir unsere erste Saison in der Regionalliga gespielt und uns hervorragend gegen die vielen zweiten Mannschaften der Profiteams geschlagen. Zu den Highlights gehören auch die vier Freundschaftsspiele gegen den FC Bayern München. Da war immer was los.

In so einer langen Amtszeit läuft sicher nicht immer alles nach Plan.

Klinger: Das stimmt. Ich habe sicher auch Fehler gemacht, aber für mich war immer wichtig, dass wir niemandem etwas schuldig geblieben sind und unseren Verpflichtungen immer nachgekommen sind. Das war für mich entscheidend.

22 Jahre an der Spitze der Fußball-Abteilung von 1860. Würden Sie das noch einmal machen?

Klinger: Zusammenfassend würde ich sagen, man sollte sich überlegen, ob man das über einen so langen Zeitraum macht. Ich glaube, ich habe das sogar meinen Nachfolgern geraten, dass zwei Perioden, sprich zehn Jahre, genug sind. Vielleicht habe ich die letzte Amtszeit nur deshalb gemacht, weil ich damals in den beruflichen Ruhestand gegangen bin. An dieser Stelle möchte ich mich auch einmal bei meiner Frau bedanken, dass sie das alles mitgemacht und mich immer unterstützt hat. Alleine die Spiele, bei denen ich fast immer auswärts und natürlich auch zu Hause dabei war – da kommt in 22 Jahren einiges zusammen. Das geht wahrscheinlich in den vierstelligen Bereich.

Zwei Löwen-Fans unter sich: Der damalige Sechziger-Spieler Stefan Mayr und Abteilungsleiter Hans Klinger im Fan-Shop der Löwen im Jahnstadion.

Wie sind Sie eigentlich zu dem Posten als Leiter der Fußball-Abteilung gekommen?

Klinger: Ein Grund war auch das Schafkopfen. Wir haben im Sechziger-Vereinslokal eine Runde gespielt und bei der Gelegenheit hat mich Bepp Vodermayer, mein späterer langjähriger Mitstreiter, angesprochen. Ich hatte eigentlich nie das Bestreben oder die Ambition so einen Posten zu übernehmen.

Hatten Sie vorher schon eine Verbindung zu 1860 Rosenheim? Waren Sie selbst Fußballer?

Klinger: Ich habe zwar bei 1860 Rosenheim als Torwart in der Jugend gespielt, war aber nicht so gut, dass ich im Senioren-Bereich der damaligen Nummer eins Schorsch Plank gefährlich werden konnte. So verlief meine Fußballer-Karriere über die Freie Turnerschaft Privatmannschaft bis zum damals legendären FC Papagei.

Da haben einige Spieler von 1860 Rosenheim ganz andere Karrieren hingelegt.

Klinger: Definitiv, und davon haben wir, vor allem aber auch noch meine Nachfolger profitiert, denn für Bastian Schweinsteiger, Julian Weigl und Andreas Voglsammer sind bei Vereinswechseln immer wieder schöne Summen auch an die Sechziger geflossen.

Große Namen aus dem eigenen Nachwuchs, der in dieser Saison verstärkt im aktuellen Sechziger-Team eingesetzt werden soll. Wie sehen die die aktuelle Lage?

Klinger: Zunächst finde ich es toll, dass es in den letzten Jahren in der Nachwuchsarbeit wieder aufwärts ging. Die aktuelle Situation kenne ich aus meiner Zeit als Abteilungsleiter, wobei das jetzt natürlich schon dramatisch ist. Der Weg mit den jungen Leuten wird sehr steinig. Es fehlen im Vergleich zu den Vorjahren einige Eckpfeiler, aber ich wünsche es vor allem Trainer Florian Heller, dass 1860 den Klassenerhalt schafft – und wenn es über die Relegation gehen sollte.

Zurück zu Ihnen. Sie haben ja schon einige runde Geburtstage gefeiert. Was ist am 80. geboten?

Klinger: Die jüngeren runden Geburtstage waren schon etwas Besonderes. Da wurde auch richtig gefeiert wie zum Beispiel an meinem 50. Zum 60. wurde es schon etwas ruhiger. Ich bin auch nicht das Feierbiest. Ich genieße den Tag zusammen mit Leuten, die ich gerne sehe. Das werden zwischen 20 und 25 Personen sein.

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