Spanier leiten Verfahren gegen Contador ein

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Alberto Contador steht unter Doping-Verdacht

Madrid - Die Luft wird immer dünner für Alberto Contador. Nach seinem positiven Dopingbefund bei der Tour de France und einer monatelangen Hängepartie wird gegen den Radprofi nun ein offizielles Verfahren eingeleitet.

kündigte der Präsident des spanischen Verbandes RFEC, Juan Carlos Castaño, an. Er folgt einer Aufforderung des Weltverbandes UCI. Eine Sperre - und zugleich wohl auch die Aberkennung des Tour-Sieges 2010 - für den 27-jährigen Contador wird immer wahrscheinlicher. “Es wird für Contador keine bevorzugte Behandlung geben“, sagte Castaño der Sportzeitung “Marca“ (Dienstag).


Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey  © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede...  © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

“Die Regeln gelten für alle in gleicher Weise. Wenn Alberto dagegen verstoßen hat, muss er dafür geradestehen.“ Die Entscheidung der UCI sei die normale Vorgehensweise, ergänzte der Sportfunktionär. “Nicht normal ist dagegen, dass die UCI drei Monate gebraucht hat, bis sie den Fall uns übertrug.“ Die Dopingprobe war am 21. Juli genommen worden, am 24. August informierte die UCI den Fahrer. Erst Ende September gingen Contador und die UCI an die Öffentlichkeit.


Castaño teilte mit, diese Verzögerungen hätten für “viele Zweifel in alle Richtungen“ gesorgt. Nun soll auf das Tempo gedrückt werden. Schon am Mittwoch werde sich eine Disziplinarkommission, bestehend aus vier Offiziellen, mit dem Thema befassen, kündigte Castaño an. Die Kommission hat drei Monate Zeit, ein Urteil zu fällen. Geschieht dies nicht, geht der Fall an die nationale Anti-Doping-Agentur über. Sowohl die UCI als auch die Verteidiger von Contador haben eine riesige Menge an Beweismaterial eingereicht, so Castaño.

Der dreifache Tour-Sieger führt den Befund auf verunreinigtes Fleisch zurück. Er war am zweiten Ruhetag der vorigen Frankreich- Rundfahrt positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden. Contador bestreitet jedes Doping.

In Spanien schlug dem Kletterspezialisten seit Bekanntwerden der Affäre eine Welle der Sympathie entgegen, selbst Castaño sagte: “Ich persönlich, als Präsident des Verbandes, hoffe, dass der Fall zugunsten von Contador gelöst wird.“

Die Chancen für einen Freispruch stehen laut “Marca“ aber sehr schlecht. Bisher seien praktisch alle Sportler, die ähnlich wie Contador positiv auf Clenbuterol getestet worden waren, gesperrt worden. “Contador steht mit dem Rücken zur Wand“, schrieb das Blatt. Spanischen Medien zufolge würde der Radprofi seinen Tour-Sieg bei einer Sperre auf jeden Fall verlieren - egal wie lang diese ausfällt.

Nach Angaben der Zeitung “El País“ stützt der dreimalige Tour- Sieger seine Hoffnung vor allem auf den Fall des Tischtennis-Profis Dimitrij Ovtcharov. Der deutsche Nationalspieler war ebenfalls positiv auf Clenbuterol getestet, später aber vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) freigesprochen worden. Allerdings hatte Ovtcharov mit einer Haarprobe glaubhaft machen können, das Clenbuterol durch verseuchtes Fleisch in China zu sich genommen zu haben. Eine Haarprobe von Contador gibt es bislang nicht.

Es ist davon auszugehen, dass die Causa Contador in jedem Fall bis vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gebracht wird. Je nach Ausgang des Verfahrens dürften entweder die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), die schon das zögernde Vorgehen der UCI kritisiert hatte, oder Contador die Richter in Lausanne anrufen.

dpa

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