Neureuther: "Bei mir hat's klick gemacht"

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Felix Neureuther.

Levi/München - Vor dem Start in die neue Slalom-Saison muss sich Felix Neureuther erstmals nicht mehr der Frage stellen, wann er den ersten Sieg landet. Das Interview.

Der Skirennfahrer aus Partenkirchen hat es mit den Erfolgen in Kitzbühel und in Garmisch-Partenkirchen an die ersehnte Spitze im Weltcup geschafft. “Das Gute ist, dass ich zwei Weltcup-Siege hab', weil dann heißt es nicht, der Kitzbühel-Sieg war eine Eintagsfliege“, sagte der 26-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Felix Neureuther: Die Vorfreude ist schon sehr groß, weil es jetzt endlich richtig los geht. Rennen fahren ist immer einfacher als zu trainieren und abzuwarten. Man braucht einfach diesen Kitzel und will sich mit den anderen messen und gescheit Gas geben.“

Im Vorjahr haben Sie gesagt, dass Sie in Levi ein bisschen “ängstlich“ gefahren sind. Warum war das so?

Neureuther: “Das weiß ich auch nicht genau. Als ich den ersten Durchgang gefahren bin, hab' ich mich gar nicht mehr wieder erkannt. Und den zweiten Durchgang hab' ich brutal Gas gegeben, da kommen dann Fehler dazu. So was wie damals im ersten Durchgang wird mir nicht noch einmal passieren, denn den habe ich komplett verschlafen.“

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Helfen einem bei diesem Vorhaben auch die zwei Weltcup-Siege aus Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen?

Neureuther: “Ich denke schon, denn man ist einfach lockerer. Man geht auch an das erste Rennen anders ran. Man kann einfach besser einen runterknallen mit der Gewissheit im Hinterkopf. Man ist nicht mehr so nervös vor einem Saisonstart wie letztes Jahr oder vor zwei Jahren, wo man unbedingt siegen wollte - jetzt hab' ich schon gesiegt.“

Neureuther: “Ja! Und dazu ist das Gute, dass ich zwei Weltcup-Siege hab', weil dann heißt es nicht, der Kitzbühel-Sieg war eine Eintagsfliege. Ich hab' das Ergebnis noch einmal bestätigt.“

Aber dafür kommt jetzt die Frage, was als nächstes gewonnen werden soll?

Neureuther: “Es gibt noch viele andere Slaloms, es gibt Weltmeisterschaften, Olympia oder die Slalom-Kugel. Da ist noch Einiges, was man gewinnen kann. Sicherlich will man am liebsten Alles gewinnen, aber lieber sollte man Schritt für Schritt denken.“

Merkt man als Weltcup-Sieger ein verändertes Standing?

Neureuther: “Man merkt es. Ich will nicht sagen, dass man mehr respektiert wird, aber zum Beispiel in Kitzbühel hat man erlebt, dass es nur ganz, ganz, ganz wenige Menschen gegeben hat, die mir das nicht gegönnt haben. Auch von den anderen Athleten gab es Zuspruch. Das ist was unglaublich Schönes und irgendwo eine Ehre, dass man so von der Konkurrenz geschätzt wird.“ 

Nun aber steigen auch die eigenen Ansprüche, oder?

Neureuther: “Bei mir hat es letztes Jahr schon ein bisschen klick gemacht, wie man Dinge angeht. Ich werde mir keinen hohen Erwartungsdruck mehr schaffen und sagen, ich will sofort das erste Rennen in Levi gewinnen, sondern eher ein bisschen tiefer stapeln, um selbst lockerer da reinzugehen. Natürlich hat man hohe eigene Erwartungen, aber man weiß auch Form und Trainingszustand einzuschätzen - und das werden wir in Levi sehen.“

Irgendwann wollen Sie die Slalom-Kugel für den Disziplin-Besten des Winters gewinnen. Dieses Jahr schon?

Neureuther: “Eine Kugel ist für einen Slalom-Fahrer fast das größte Ziel, weil das über die Saison hinweg den komplettesten Fahrer ausmacht. Ob das dieses Jahr der Fall ist, werden wir sehen, aber ich möchte definitiv ein Wörtchen mitreden.“

Das ist bei der Leistungsdichte und der großen Gefahr eines Ausscheidens im Slalom besonders schwer. Was macht für Sie den Reiz des Slaloms aus?

Neureuther: “Genau diese Gratwanderung, dieser Nervenkitzel zwischen Ausscheiden und Durchkommen. Man muss immer alles, wirklich alles riskieren. Der Reiz ist schon unglaublich, schwere Hänge am Limit runterzufahren und jeden Schwung auf den Millimeter genau zu treffen. Wenn man dann noch gut ins Ziel fährt und die 1 auf der Anzeige sieht, das ist einfach Wahnsinn.“

Als Zuschauer bangt man gerade beim Slalom wegen dieser Gratwanderung besonders mit. Wie geht man als Fahrer mit den Gedanken ans Ausscheiden um?

Neureuther: “Für den Zuschauer ist der Slalom extrem nervenaufreibend, auch weil es zwei Durchgänge sind. Es kann immer zack machen und man ist draußen. Man selbst ist während des Laufs in einer Art Tunnel, bekommt wenig von der Umgebung mit, vor dem Start versucht man sich in einen Art Trancezustand zu versetzen, damit man alles ausblendet.“

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Der Druck wird bei der WM zu Hause noch größer sein. Haben Sie sich auch damit schon auseinandergesetzt?

Neureuther: “Ich habe die letzten Jahre immer probiert, den Weltcup in Garmisch als eine Art Generalprobe für die WM zu sehen. Ich habe mir beim Weltcup-Finale am Start vorgestellt, dass das jetzt die Weltmeisterschaften sind, um ein Gefühl herbeizurufen, wie das bei der WM sein wird. Auch daher denke ich, dass ich bei der WM gut vorbereitet sein werde.“

Neureuther: “Bei uns ist es ziemlich schwer, so ein Formhoch aufzubauen oder das Hoch zu einem bestimmten Zeitpunkt zu haben. Das ist nicht wie bei Ausdauer-Athleten. Man versucht daher bei den Rennen zuvor, Selbstvertrauen aufzubauen und dann mit einer ganz breiten Brust bei der WM am Start zu stehen. Ich habe das letzte Rennen dort gewonnen und öfters bewiesen, dass das mein Hang ist.“

dpa

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