Experte: Miserable Quote bei Dopingtests

Berlin - Die Doping-Bekämpfung im Sport ist nach Ansicht des Mainzer Sportwissenschaftlers Perikles Simon äußerst uneffektiv. Nur ein verschwindend geringer Teil der Tests führt demnach zu Sperren. 

Weltweit werden pro Jahr fast 300 Millionen US-Dollar (218 Millionen Euro) für Kontrollen ausgegeben - nur 0,3 Prozent der Tests führen letztlich zu einer Sperre. “Im Hinblick auf die momentan miserable Erfolgsquote der Analytik wäre es sehr sinnvoll zu sehen, wie man die Ausgaben im Bereich der konventionellen Analytik deutlich senkt“, zitiert die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwoch) aus einem Brief Simons an die Abgeordneten des Bundestags-Sportausschusses.

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Das Gremium behandelt am (heutigen) Mittwoch in Berlin unter anderem den Dopingbericht für 2009. Simon, Mediziner und Sportwissenschaftler an der Mainzer Gutenberg-Universität, will im Sportausschuss einen Vortrag halten. “Ein des Dopings überführter“, stellt der Professor fest, “kostet zur Zeit 300 000 US-Dollar. Nach vorsichtigen Schätzungen müssen wir einen, der wirklich dopt, im Schnitt etwa 150 mal testen, bis wir ihn überführen können“, berichtet Simon. Dies decke sich mit Aussagen von Athleten, “die langjähriges Doping im Spitzenbereich zugegeben haben und dennoch in hunderten Tests zunächst negativ waren.“

Dabei geben nach Erkenntnissen von Simon selbst im dopingkontrollierten Nachwuchsbereich in Deutschland “8 Prozent der Athleten Doping“ zu. Sein Saarbrücker Kollege Eike Emrich komme gar “auf rund 30 Prozent Athleten, die wahrscheinlich dopen“. Dagegen ist sich der Mainzer Experte mit Kollegen in den USA und Kanada “einig, dass eine vernünftige Expertenschätzung für Doping unter Eliteathleten im Erwachsenenbereich über alle Sportdisziplinen hinweg bei rund 40 bis 60 Prozent liegen sollte“, stellt Simon in dem Schreiben an den Sportausschuss fest.

Simons Hauptforderung an Sportpolitik und Wissenschaft besteht darin, mehr für die Weiterentwicklung der Analytik zu investieren. Es sei “nicht sinnvoll“, dass dafür gegenwärtig “weniger als 2 Prozent der im Dopingkampf eingesetzten Gelder“ ausgegeben werden. In der Forschung müssten unbedingt Synergie-Effekte genutzt werden. Oft sei den Forschern gar nicht klar, dass man ihre wertvollen Arbeitsergebnisse “auch im Anti-Doping-Kampf nutzen könnte“.

“Weltweit werden nur 6 Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Analytik gesteckt. Da verdient mancher Fußball-Profi mehr“, kritisiert Simon in der Ulmer “Südwest Presse“ (Mittwoch) und fordert: “Die Prioritäten müssen sich verschieben.“ 30 bis 40 Prozent weniger Geld in die konventionelle Analytik, deutlich mehr in die Forschung. Doping sei im Spitzensport ein Massenphänomen. “Wenn man das nicht hinnehmen will, muss man etwas dagegen tun. Das kostet Geld.“ Sollten die Betroffenen dafür nicht zu gewinnen sein, empfiehlt der Wissenschaftler, die Steuergelder in den Nachwuchs- und Breitensport umzulenken.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Sport-Mix

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT