Contador holt Staranwalt

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Alberto Contador will eine Sperre abwinden

Madrid - Ein Staranwalt soll Alberto Contador freiboxen. Der dreifache Tour- Sieger dürfte es trotzdem schwer haben, im Dopingverfahren eine Sperre abzuwenden. Ein schnelles Urteil ist nicht zu erwarten.

Alberto Contador holt sich für das schwerste Rennen seiner Karriere prominente Unterstützung. Der Spanier engagierte nach Angaben der Zeitung “El País“ vor dem anstehenden Dopingverfahren den renommierten Anwalt Rocco Taminelli. Der Prozess droht indes eine zähe Angelegenheit zu werden. Der spanische Radsport-Präsident Juan Carlos Castaño erwartet kein Urteil binnen der kommenden zwei Monate. Das Verfahren könne sogar länger als ein Vierteljahr dauern, warnte der Rechtsberater des spanischen Verbands RFEC, Luis Sanz.


“Die Zeit, die der Athlet braucht, um seine Beweise zu präsentieren und zu bestätigen, kann nicht eingeschränkt werden“, sagte Sanz nach Angaben des Internetportals “cyclingnews.com“. Laut den Anti-Doping-Regularien des Weltradverbandes UCI kann dieser den Fall aber vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS bringen, sollte das Verfahren nach drei Monaten nicht zu einem Abschluss kommen. Castaño hatte gesagt, dass die Akte, die der RFEC von der UCI erhalten habe, sechsmal so groß wie in ähnlichen Fällen üblich sei. Deshalb müsse der Zeitrahmen voraussichtlich verlängert werden.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey  © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede...  © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

 

So oder so hofft Contador auf die Kompetenz und Überzeugungskraft von Taminelli. Der Schweizer hatte vor dem gestrengen Nationalen Olympischen Komitee Italiens (CONI) überraschend einen Freispruch für den unter Dopingverdacht stehenden Radprofi Franco Pellizotti erreicht.

Contador muss in dem Dopingverfahren vor dem RFEC glaubhaft machen, dass er keine verbotene Mittel eingenommen hat. Die Zeichen stehen für den Rad-Profi aber denkbar schlecht. Er war bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt positiv auf Clenbuterol getestet worden. Und fast alle Sportler, bei denen dieses Kälbermastmittel nachgewiesen wurde, bekamen die vorgesehene Sperre von zwei Jahren aufgebrummt.

“Eine Dopingstrafe scheint unvermeidbar zu sein“, befürchtet die Madrider Sportzeitung “Marca“. Dies zeigt der Fall der Leichtathletin Josephine Onyia. Die Hürdenläuferin war ebenfalls positiv auf Clenbuterol getestet, dann aber vom spanischen Verband freigesprochen worden. Der Freispruch war jedoch so schlecht begründet, dass der CAS die Entscheidung aufhob und eine zweijährige Sperre verhängte.

Contador beruft sich darauf, mit Clenbuterol verseuchtes Fleisch gegessen zu haben. Auf diese Argumentation hatten vorher auch schon andere Sportler zurückgegriffen, die positiv auf das Mittel getestet worden waren. Der Tischtennis-Profi Dimitrij Ovtcharov wurde vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) freigesprochen. Der italienische Radprofi Alessandro Colo erreichte, dass seine Sperre

Zwischen diesen beiden Fällen und dem Contadors gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied: Ovtcharov und Colo hatten das Fleisch in China und Mexiko gegessen und nachweisen können, dass in diesen Ländern die Steaks häufiger Clenbuterol enthalten. Contador behauptet dagegen, das Fleisch stamme aus Spanien, und dort sind solche Verunreinigungen extrem selten.

dpa

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