"Da verlierst du den Glauben"

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Kassierte vier Gegentore: Sechziger-Keeper Matthias Luginger, dem beim vierten Treffer ein kapitaler Schnitzer unterlief.

Heimstetten - Selten zuvor hat sich der TSV 1860 in der Fußball-Bayernliga so viele hochkarätige Torchancen herausgespielt wie in Heimstetten. Es gab dennoch eine Pleite.

Denn es gibt auch schlechte Nachrichten: Selten zuvor hat die Sechziger-Abwehr so viele Möglichkeiten zugelassen für den Gegner. Und weil auf Rosenheimer Seite nur eine Chance genutzt wurde, die eigentlich gar keine war, der Gastgeber Geschenke aber deutlich dankbarer angenommen hat, lautete das Resultat 4:1 für den SV Heimstetten.

Und irgendwie, fand Sechziger-Trainer Andi Schunko, "war das dann zwar zu hoch, aber nicht einmal unverdient." Eigentlich ist Schunko ja ein durch und durch positiver Mensch, der an das Gute vor allem in seiner Mannschaft glaubt. Was die ihm aber in den beiden letzten Partien geboten hat, bringt ihn ins Grübeln. Gegen Bayreuth praktisch keine Tormöglichkeit, gegen Heimstetten nun "schon drei in den ersten zehn Minuten, aber wenn du die nicht machst, das nagt", weiß der Coach. Und begibt sich auf das schwierige Feld der Psychologie, sieht eine Szene nach nur 30 Sekunden schon fast als Knackpunkt. Bichler hatte von links geflankt, Masberg musste vor dem leeren Tor nur noch den Kopf hinhalten, verpasste aber das sicher scheinende frühe Führungstor. "Da verlierst du den Glauben", beschrieb Schunko den Seelenzustand eines verhinderten Torjägers. Und als dann auch Pointvogel und Bichler die nächsten Gelegenheiten ungenutzt ließen, schien sich das auf das Gemüt der gesamten Truppe zu schlagen.

3:0 hätte man führen können, noch ehe die zu Hause ziemlich erfolglosen Heimstettener erstmals vor dem Rosenheimer Tor aufkreuzten. Das aber taten sie vehement, Ibrahim scheiterte allein vor Torhüter Luginger. Der Aufsteiger aber schien genau aus dieser, wenn auch versiebten Chance, Mut zu schöpfen, nun erst an sich zu glauben. Nur eine Minute später zog Dominik Schmitt einen Freistoß auf den Kopf von Aydemir und der traf zur Führung.

Ein Stachel, der tief saß bei den Sechzigern, die weiter Druck machten. Haas scheitert nach Doppelpass mit Pointvogel an Heimstettens Keeper Lehner, dann Haas aus der Drehung, abgeblockt, nach Freistoß von Kokocinski vergibt Einsiedler per Kopf, als er von Masberg toll angespielt wird, steht er knapp im Abseits. Masberg selbst zieht einen Ball am langen Pfosten vorbei, verschenkt dann die nächste Hundertprozentige allein vor Lehner. Dazwischen aber lagen drei Aktionen der Gastgeber gegen eine Rosenheimer Abwehr, die sich offen wie ein Scheunentor präsentierte. Ibrahim vergab erneut ein Riesending, legte dann aber wunderbar quer auf Dominik Schmitt, der leitete auf Oretan weiter und es stand 2:0. Dann marschierte Schmitt von der Mittellinie an Freund und Feind vorbei, traf zum 3:0. Das letzte Fünkchen Hoffnung für Schunkos Truppe brachte Bichler zum Glimmen, als seine Hereingabe kurz vor der Pause ins Netz durchrutschte.

"Da hatten wir uns noch einmal was vorgenommen", doch Schunkos Zuversicht zum Wiederbeginn wich Entsetzen. Was Luginger geritten hatte, den Ball herzuschenken, Aydemir ungehindert ins leere Tor treffen zu lassen, war auch dem Coach ein Rätsel: "Ich muss erst mit ihm reden." Nur eines war klar: Nun konnte nur noch ein Wunder helfen, doch die gibt es selten. Seine Mannschaft spielte nun zwar quasi auf ein Tor, doch viel kam nicht dabei heraus, selbst in Überzahl, als Aydemir nach einer Tätlichkeit 15 Minuten vor Schluss vom Platz musste, ging nichts mehr. Schunko zuckte die Achseln, meinte: "Wir wurden heute klassisch ausgekontert. Wir hatten mehr Chancen, Heimstetten hat mehr genutzt. So ist Fußball."

Sieben, acht Tore wären möglich gewesen, dann aber muss man daran glauben, felsenfest. Die Mannschaft aber hat sich in ihr Schicksal ergeben und fordert nun den Psychologen in Schunko: "Ich bin fürchterlich enttäuscht, jetzt müssen wir die Wunden lecken, dann geht es weiter." Hoffentlich in die richtige Richtung, tabellenmäßig gesehen.

TSV 1860: Luginger, Martin, Herberth, Chr. Hofmann (76. Birner), Atilgan, Haas, Kokocinski, Pointvogel (46. Schwinghammer), Bichler, Einsiedler, Masberg.

Tore: 1:0 Aydemir (14.), 2:0 Oretan (34.), 3:0 D. Schmitt (41.), 3:1 Bichler (43.), 4:1 Aydemir (47.).

Schiedsrichter: Ehwald (Geldersheim)

Zuschauer: 250

Besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Aydemir (75. / Tätlichkeit).

hü/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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