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Das große OVB-Interview zu allen brennenden Eishockey-Themen in Rosenheim

„Was heuer passiert, ist Wahnsinn“: Starbulls-Vorstand Thaller schlägt Alarm

Starbulls-Vorstand Marcus Thaller stellte sich im Rofa-Stadion den Fragen der OVB-Sportredaktion.
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Starbulls-Vorstand Marcus Thaller stellte sich im Rofa-Stadion den Fragen der OVB-Sportredaktion.

Die Verantwortlichen der Starbulls stehen vor einem enormen Zwiespalt: Wie kann das Ziel Aufstieg erreicht und gleichzeitig der eigene Nachwuchs integriert werden? Eine mögliche Lösung dafür und welches Problem das deutsche Eishockey hat, verrät Starbulls-Vorstand Marcus Thaller im großen Interview.

von Marinus Obermaier

Rosenheim – „Natürlich wollen wir aufsteigen, gar keine Frage“, gibt Marcus Thaller, erster Vorstand der Starbulls Rosenheim, offen zu. Dass der Aufstieg aus der Eishockey-Oberliga Süd in die zweite Deutsche Eishockey-Liga (DEL 2) aber gar nicht so einfach ist, das haben die Rosenheimer in den letzten fünf Jahren seit dem Abstieg im Jahr 2017 bereits gemerkt. Trotz des ausbleibenden sportlichen Erfolgs und der Corona-Pandemie steht der Verein nach Angaben Thallers finanziell gut da. Welche Rolle das Rosenheimer Rofa-Stadion dabei spielt, wieso bei den Starbulls trotzdem keine Riesengehälter für Spieler gezahlt werden und mehr verriet Markus Thaller im großen Interview mit der OVB-Sportredaktion.

Im Stadion ist in den letzten Jahren viel passiert. Was ist noch geplant?

Marcus Thaller: Wir sind in einer ständigen Weiterentwicklung des Stadions und der Infrastruktur, weil wir merken, dass diese den Verein enorm voranbringt. Wir gewinnen neue Sponsoren, darunter größere Unternehmen. Wir haben in den letzten Jahren durch die Maßnahmen einen enormen Zuwachs an Einnahmen und Umsätzen generieren können. Der Business-Bereich ist ausgebaut worden und die LED-Tafel wurde errichtet. Jetzt kommt im nächsten Zug noch ein 170-Meter-LED-Ring, der jetzt schon nahezu ausgebucht ist. Auch dadurch entstehen wieder Gelder, die sowohl in die erste Mannschaft als auch in den Nachwuchsbereich gesteckt werden. Auch allgemein wird das Stadion aufgehübscht, die Stufen werden gereinigt und neu gestrichen.

Finanzieller Erfolg dank Hartnäckigkeit

Trotz der Pandemie steht der Verein finanziell gut da. Woran liegt das?

Thaller: An Hartnäckigkeit. Als wir 2016 unser Basispapier geschrieben haben, wurden wir von vielen Seiten ausgelacht. Wir wurden ausgelacht, als wir gesagt haben, dass wir den Business-Bereich in der ehemaligen Gaststätte und Zugriff auf die Gastronomie im Stadion haben wollen. Wir konnten dann über die Zeit hinweg allen beweisen, dass man sich auf uns verlassen kann und wir auch zu unserem Wort stehen. Wenn man sieht, was der Verein mittlerweile an finanziellen Mitteln in ein „fremdes“ Gebäude gesteckt hat, dann kann sich das mehr als sehen lassen. Da sprechen wir von einem siebenstelligen Betrag, der da mittlerweile gezahlt wurde. Und ich denke dieses Zusammenspiel zwischen vertrauensvollem Verhältnis, Hartnäckigkeit und Nachhaltigkeit hat dazu geführt, dass wir das alles entwickeln konnten.

Mit dem Stadion und dem neuen Trainer kann das Ziel eigentlich nur Aufstieg heißen, oder?

Thaller: Natürlich wollen wir aufsteigen, gar keine Frage. Das auch lieber gestern wie heute. Wir wollen wieder in eine gesamtdeutsche Liga, man muss aber auch genau schauen, was heuer in der Liga passiert. Das ist ein Wahnsinn! Es gibt Spielerverhandlungen, da steigen DEL-2-Mannschaften und zum Teil auch DEL-Mannschaften aus. Wir in Rosenheim haben mittlerweile alles: Wir haben mit den Hannover Indians gemeinsam die größte Zuschauerzahl in der Liga, wir haben die Infrastruktur, damit wir diese Einnahmen generieren können, und einen Etat, den man mindestens in der Mitte der zweiten Liga ansiedeln kann. Wir sind finanziell mehr als potent in dieser Liga, aber wir sehen es nicht ein, manche Gehälter für einzelne Spieler zu zahlen, die einfach ein komplettes Mannschaftsgefüge auseinanderreißen. Hier werden Gehälter aufgerufen, die sind jenseits von Gut und Böse. Den Weg gehen wir nicht mit.

Nachwuchsarbeit „ein enormer Zwiespalt“

Von den Fans wird der Umgang mit dem eigenen Nachwuchs kritisch gesehen. Macht Rosenheim die Ausbildung für andere Vereine?

Thaller: Wir sehen das auch kritisch. Es ist für uns als Verantwortliche ein enormer Zwiespalt. Einerseits wollen wir aufsteigen, zum anderen den Nachwuchs ausbilden und integrieren. Und das ist ein enorm schwieriger und schmaler Grat. Wenn es nach uns ginge, kann es nicht genug Nachwuchsspieler in der Oberliga geben. Das wird auch Aufgabe für den Verband sein, hier Regelungen zu schaffen, um Nachwuchsspieler verpflichtend integrieren zu müssen. Ansonsten wird das nicht funktionieren. Was wäre die Folge? Nachwuchsspieler werden nicht eingesetzt, können sich nicht weiter entwickeln, hören das Eishockeyspielen auf und in fünf Jahren sind die Preise noch weiter oben.

Wie könnte der Weg aussehen? Junge Spieler ausleihen und sie dann wieder zurückzuholen?

Thaller: Ja, absolut. Wir machen Nachwuchsarbeit nicht für uns selbst, sondern in erster Linie für die Nachwuchsspieler. Wir können nicht jeden Nachwuchsspieler bei uns integrieren. Für uns ist es eine riesige Ehre, wenn Nachwuchsspieler aus Rosenheim auch woanders Fuß fassen. Man sieht es an genügend Beispielen, wie jetzt an Lukas Laub, dass die Spieler auch wieder nach Rosenheim zurückkommen. Die Nachwuchsarbeit zahlt sich dann auch aus, denn wenn man mit einem Spieler mit Rosenheim-Bezug verhandelt, ist er vielleicht auch dazu bereit, auf den ein oder anderen Euro zu verzichten, um in der Heimat zu spielen. Natürlich werden wir die Nachwuchsarbeit forcieren, das haben wir mit Jari Pasanen auch besprochen. Es gibt aus meiner Sicht für einen Nachwuchsspieler nichts Besseres, als Senioreneishockey, weil es einfach ein anderes Hockey ist. Und da muss man schauen, wie der Spieler Eiszeit bekommen kann. Das kann eine Kooperation mit einem Bayernligisten sein, es kann aber auch sein, dass man ihn an einen Konkurrenten vermittelt.

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