Interview mit dem Regionalliga-Rekordspieler

Petrovic seit 10 Jahren in Buchbach: „Verein ist für mich wie eine Familie“

Nahe dran am Punktgewinn: Kapitän Ali Petrovic und der TSV Buchbach!
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Seit einem Jahrzehnt beim Kultklub: Buchbachs Kapitän Aleksandro Petrovic .

Vor zehn Jahren wechselte Aleksandro Petrovic zum TSV Buchbach und hat seitdem 297 Pflichtspiele (87 Tore) für den Kultklub absolviert. beinschuss.de blickt zusammen mit dem Regionalliga-Rekordspieler auf das vergangene Jahrzehnt zurück. Zudem verrät er, was ihn an Buchbach beeindruckt und wie er sich sein Karriereende vorstellt.

Buchbach - Es war ein Wechsel, der sich für beide Seiten mehr als gelohnt hat. Im März 2011 kam der damals vereinslose Aleksandro Petrovic zum TSV Buchbach. Seit nunmehr einem Jahrzehnt spielt der Mittelfeldspieler für den Kultklub und ist seitdem maßgeblich an der Erfolgsgeschichte des Regionalligisten beteiligt.

297 Pflichtspiel absolvierte Petrovic seit 2011 für den Kultklub und erzielte dabei 87 Tore

Petrovic spielte in der Jugend des FC Bayern München und wechselte dann zum serbischen Verein FK Zemun. In Deutschland spielte der ehemalige Jugend-Nationalspieler anschließend bei Dynamo Dresden, wo aber nach zwei Jahren Schluss war.

Mit 258 Einsätzen ist der 33-Jährige Rekordspieler in der Regionalliga Bayern. Zudem liegt der Buchbacher Kapitän mit 76 Toren auf Platz zwei der erfolgreichsten Torschützen. Für den Kultklub absolvierte der Mittelfeldspieler insgesamt 297 Pflichtspiele und erzielte dabei 87 Tore und gilt jetzt schon als Ikone beim TSV Buchbach.

beinschuss.de blickt zusammen mit Petrovic auf das vergangene Jahrzehnt zurück. Zudem verrät er, was ihn an Buchbach beeindruckt und wie er sich sein Karriereende vorstellt.

Hallo Herr Petrovic, herzlich Glückwunsch zu Ihrem Jubiläum. Hätten Sie vor zehn Jahren, als Sie nach Buchbach kamen, gedacht, dass Sie so lange bleiben?
Aleksandro Petrovic: “Um ehrlich zu sein nein (lacht). Ich habe damals mit dem Profifußball für mich abgeschlossen gehabt, aber ich hätte mir durchaus damals noch vorstellen können, woanders zu spielen. Ich dachte mir, ich schaue mir das jetzt mal eineinhalb Jahre an, daraus wurden jetzt aber zehn (lacht). Aber es ist gut so, wie es gekommen ist.”
Sie haben bereits angesprochen, dass Sie mit dem Profifußball damals abgeschlossen hatten. Bei Ihrem Wechsel nach Buchbach waren Sie nach Ihrer Zeit bei Dresden ein halbes Jahr vereinslos. Wie kam der Wechsel zustande und war Buchbach ein Kulturschock?
“Ich habe zuvor sämtliche Enttäuschungen im Profibereich erlebt und hatte die Schnauze voll. Ich hatte zwar Angebote von damaligen Drittligisten, aber Sandro Volz, der damals Torwart in Buchbach war, hat mich hierher gelotst. Mir kam es hier sehr ehrlich vor, weil alle Mitspieler nebenbei studiert oder gearbeitet und wir nach Trainingseinheiten oder Spielen zusammen ein Bier getrunken haben. Das war schon eine neue Welt für mich, aber ich wollte da dabei sein.”
Sie haben nun beim Kultklub eine Dekade mit gestaltet. Was bedeutet für Sie der TSV Buchbach?
“Für mich ist der Verein wie eine Familie. Ich weiß, was ich an dem Verein habe. Das Vertrauen, das mir von den Trainer, Mitspielern und Fans entgegengebracht wird, tut mir gut. Dadurch habe ich eine emotionale Bindung aufgebaut. Auch die Kontinuität auf den wichtigen Positionen waren entscheidend für mich. Die Heimspiele vor 800 Fans sind nach all den Jahren immer noch etwas ganz Besonderes. Zudem weiß auch der Verein, was er an mir hat. Das Rundum-Paket passt einfach.”
In zehn Jahren passiert vieles. Was waren Ihre persönlichen Highlights in dieser Zeit?
“Sportlich gesehen war natürlich das Spiel in Rosenheim mit dem Klassenerhalt in allerletzter Sekunde das größte Spiel. Sowas erlebt man nur einmal im Leben und wird für immer ein Gesprächsthema bleiben. Dazu gehören auch die Sonderfahrten mit dem Zug zu Auswärtsspielen und der 1:0-Heimsieg in der SMR-Arena gegen den TSV 1860 München. Noch viel wichtiger sind mir aber die ganzen Freundschaften, die ich hier geschlossen habe und die sich über die Jahre entwickelt haben. Ich will an dieser Stelle gar nicht alle aufzählen, weil es wirklich viele sind. Ich habe viele tolle Leute kennengelernt und das ist für mich der größte Segen.”
Sie sind bereits Rekordspieler in der Regionalliga Bayern. Um auch noch bester Torschütze aller Zeiten zu werden, fehlen Ihnen drei Tore auf Schweinfurts Adam Jabiri. Wie groß ist der Ehrgeiz, hier noch vorbeizuziehen?
“Zunächst einmal muss man sagen, dass Jabiri immer im Sturm spielt und in Schweinfurt bei einem Team, das um den Aufstieg mitspielt. Ich dagegen spiele auf dem Platz weiter hinten und wir hatten auch Saisonen, wo wir gegen den Abstieg gespielt haben. Dennoch ist mein sportlicher Ansporn groß, mit vielen Toren da noch vorbeizuziehen. Ich will meine Rekorde weiter ausbauen und die Messlatte hoch legen. Klar ist aber, dass jeder Rekord irgendwann einmal gebrochen wird.”
Wie sieht Ihre sportliche Zukunft aus? Werden Sie Ihre Spielerkarriere in Buchbach beenden?
“Auf diesem Niveau wird der TSV meine letzte Station sein. Ich habe nicht vor, für einen anderen Regionalligisten noch einmal zu spielen. Ich kann mir aber vorstellen, irgendwann für den SK Srbija München aufzulaufen, weil dort mein Onkel Trainer und mein Vater selber noch in der AH spielt. Da würde sich ein Kreis für mich schließen. Aber das hat noch Zeit und es kann viel passieren.”
Noch ruht der Trainings- und Spielbetrieb und es ist nicht abzusehen, wann wieder Fußball gespielt werden kann. Wie sehr fehlt er Ihnen derzeit?
“Unermesslich. Dabei geht es aber nicht nur um das Sportliche, sondern vor allem um den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Ich vermisse die Kabine, die Scherze, das Rumalbern und das Beisammensein. Aktuell ist leider nur individuelles Training möglich, wir alle hoffen, dass sich das bald ändert und wir die Saison auf dem Rasen beenden können.“
Herr Petrovic, vielen Dank für das Interview.

ma

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