Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Aufstiegstorhüter ist Aufwand für die Bank zu hoch

Vertragsauflösung: Süßmaier verlässt Sechzig Rosenheim

Einer seiner größten Momente im Trikot der Rosenheimer Sechziger: Im entscheidenden Aufstiegsspiel bei Viktoria Aschaffenburg brachte Dominik Süßmaier die mehr als 3.000 Heimzuschauer mit seinen Paraden zur Weißglut.
+
Einer seiner größten Momente im Trikot der Rosenheimer Sechziger: Im entscheidenden Aufstiegsspiel bei Viktoria Aschaffenburg brachte Dominik Süßmaier die mehr als 3.000 Heimzuschauer mit seinen Paraden zur Weißglut.

Rosenheim - Dominik Süßmaier, letzte Saison noch Stammtorhüter des Viertligisten TSV 1860 Rosenheim und Rückhalt der Mannschaft, die den Wiederaufstieg schaffte, löst seinen Vertrag bei den Rothemden in gegenseitigem Einvernehmen zum 31. Dezember auf. Ausschlaggebender Grund sind die mangelnden Einsatzzeiten: In allen Partien der Rosenheimer außer dem Match bei den Löwen im Grünwalder Stadion, erhielt Süßmaiers junger Konkurrent Mario Stockenreiter den Vorzug. Daher will Süßmaier künftig seinem neuen Job den Vorrang vor der extrem trainings- und vor allem zeitintensiven Tätigkeit in der Regionalliga geben. Zwischen den Pfosten stehen, will er mit weniger Aufwand weiterhin – noch ist allerdings nicht klar wo.

"Es ist alles mit dem Verein besprochen. Ich kann meinen Vertrag auflösen - und darf im Winter ablösefrei gehen.", so der Torwart, der in seiner Laufbahn nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht und sich alles aus kleinen Ligen kommend quasi als Autodidakt erarbeitet hat. Seine Entscheidungsfindung erklärt Süßmaier wie folgt: „Ich habe jetzt eine neue Arbeit, wechsle den Arbeitsort, das macht es nicht leichter – und letzten Endes ist mir dann der Aufwand doch zu groß dafür, dass ich nicht spielen darf.“

Das bestätigt auch 1860 Rosenheims Sportlicher Leiter Hansjörg Kroneck: "Es stimmt. Dominik und wir lösen den Vertrag auf. Das Schriftstück ist schon an ihn geschickt - und es ist auch alles einvernehmlich abgelaufen. Dominik war einfach als Nummer Zwei absolut nicht mehr zufrieden, hatte Motivations- und immer größere Zeitprobleme. Jetzt wechselt er den Job und das bringt noch einmal zusätzliche Schwierigkeiten mit sich hinsichtlich möglicher Trainingsteilnahmen - seine Chancen wären dadurch natürlich zusätzlich noch einmal alles andere als gestiegen. Und dann waren sich letzten Endes beide Parteien einig, dass es besser ist, wenn wir auflösen. Schade - aber eine Vernunftlösung."

Zuviel Aufwand für einen dauerhaften Bankplatz

Süßmaier verweist auf das professionelle Leistungspensum, welches die Regionalliga-Kicker abreißen – während sie ohne wie Profis bezahlt zu werden, in ihre Vollzeitjobs arbeiten: „Da muss man einen irren Respekt vor jedem Einzelnen haben. Das ist eigentlich die irrste Liga. Du betreibst einen riesigen Aufwand – aber ökonomisch kannst Du ja nicht allein das machen – sondern brauchst einfach Deinen ganz normalen Job. Ein Profitorhüter trainiert vielleicht auch vier- oder fünfmal die Woche, ist zusätzlich das ganze Wochenende unterwegs – und setzt sich dann auf die Bank. Weil er weiß, dass er damit seine Brötchen verdient. Bei mir sieht das hingegen anders aus. Wäre ich jünger, hätte ich mich vielleicht anders entschieden – aber so wird mir das alles zuviel.“

Hinzu kommt, dass neben neuem Job mit Dreischichtbetrieb und Fußball auch noch an die Familie gedacht sein will: „Es ist wirklich nicht leicht, weil ich tierisch gerne bei den Sechzigern in Rosenheim gespielt habe. Mit dem besonderen Spirit in der Mannschaft, der sensationellen Aufstiegssaison, dem irren Match in Aschaffenburg und noch vielem mehr, waren da Erlebnisse dabei, die ich nie vergessen werde. Und für die ich auch dankbar bin. Aber ich habe mich für Job und Familie entschieden. Ich will nicht dort Abstriche machen – um dauerhaft nur auf der Bank zu sitzen.", so Süßmaier.

Ein Held der Aufstiegself geht - Wertschätzung ist Kroneck wichtig

Daran welch tolle Leistungen Süßmaier immer wieder im Trikot der Roten hingelegt hat, ist es Kroneck explizit wichtig zu erinnern: "Dominik hat sich bei uns immer aufrichtig und absolut korrekt verhalten. Für mich ist er maßgeblich beteiligt am Aufstieg in die Regionalliga. Und zwar nicht nur durch die Relegationsspiele, sondern auch durch die Spiele davor in der regulären Saison, durch welche wir überhaut erst in die Relegation gekommen sind. Auch daran, dass wir uns im letzten Jahr so gut verkauft und die Klasse eindrucksvoll gehalten haben, hatte er durch tolle Paraden seinen Anteil. Natürlich hat er auch den ein oder anderen Treffer kassiert, der haltbar war - aber das passiert doch allen Torhütern mal. Insgesamt ist er da oft von vielen zu kritisch beurteilt worden. Er ist ein richtig guter Keeper, der viel aus sich gemacht hat - und der viel für den TSV 1860 Rosenheim geleistet hat."

Dass statt ihm seit Anbeginn der aktuellen Saison Stockenreiter die erste Wahl im Gehäuse der Roten ist, kann Süßmaier nicht so recht nachvollziehen: "Ich hatte meinen Anteil an unserem Aufstieg, habe dann vergangene Saison meiner Ansicht nach gut gespielt. Das letzte Saisonspiel verlief dann leider nicht so positiv, viele im Umfeld haben mir damals die Schuld an der Last-Minute-Niederlage gegen Buchbach gegeben. So etwas trifft mich. Deshalb war ich dann vielleicht kurze Zeit nicht so motiviert, wie ich es hätte sein sollen. Ich habe mir stattdessen Gedanken gemacht, ob ich nicht etwas kürzer treten sollte. Aber als es darum ging, habe ich wieder voll angegriffen und mich rein gehauen.“

"Mario ist ein guter Keeper - aber ich eben auch!"

Das Trainerteam Tobias Strobl und Robert Mayer hat Süßmaier schließlich sein Löwen-Spiel gegönnt – sich aber unter dem Strich klar für den Wechsel zu Stockenreiter entschieden. „Die Trainer haben sich dann für den Jüngeren entschieden. Klar habe ich ab und an meine Fehler gemacht – aber die macht Mario auch. Ihm werden sie ob seines jugendlichen Alters vielleicht eher verziehen. Wir sind beide nicht unfehlbar – und beide keine schlechten Torhüter. Ich habe auch kein Problem mit Mario – das ist ein guter Junge und ein netter Kerl, den ich schätze. Ich glaube aber nicht, dass wir mit mir im Kasten schlechter abgeschnitten oder auch nur einen Punkt weniger geholt hätten. Deswegen kann ich den Grund für den Torwartwechsel nicht wirklich verstehen. Aber ich bin nun mal dreißig – vielleicht denken die Trainer da ausschließlich an die Zukunft.", so Süßmaier.

Der Entscheidungsprozess zog sich dann über längere Zeit hin, schildert der Torhüter: „Für mich ist es einfach blöd gelaufen. Als ich nach dem Sechziger-Duell im Grünwalder, wo ich mich eigentlich gut verkauft habe, weiterhin dauerhaft nur zweite Wahl war, wusste ich für mich innerlich: Das war's – jetzt ist es vorbei. Das kann ich mir gegenüber nicht mehr rechtfertigen – und das möchte ich auch nicht mehr. Die endgültige Entscheidung ist mir schwer gefallen – aber ich bin dreißig Jahre alt und möchte einfach noch ein bisschen Fußball spielen. Den Kampf ums Tor habe ich dann nicht angenommen, das kann man mir vorwerfen – aber verbunden mit den geschilderten Umständen und dem dafür nötigen Aufwand, fehlte mir dazu in meinem Alter die Motivation.“

Süßmaier sucht neuen Verein, 1860 einen Torhüter

Woanders wieder auf dem Rasen - und zwischen den Pfosten stehen - will Süßmaier aber in jedem Fall. Nur wo und wie es weiter geht, kann der Keeper noch nicht genau sagen: „Um ganz aufzuhören, bin ich viel zu fußballverrückt. Und auch noch zu gut – als Torhüter ja eigentlich im besten Alter. Aber ich will eben spielen. Für alles andere ist mir meine Zeit mittlerweile zu kostbar. Wohin es mich verschlägt, steht also noch in den Sternen. Ich hatte schon ein paar Gespräche, da ist allerdings bis jetzt noch nichts Konkretes herausgekommen. Vielleicht flattert ja noch die ein oder andere Anfrage herein."

Die Rosenheimer Sechziger wünschen Süßmaier dabei - ganz ohne die branchenüblichen Floskeln - alles Gute. Auf der Torwartposition nachbessern wollen sie, was ihren Kader angeht, nur bedingt: "Ein ist ganz klar: Wenn wir eine Lösung finden, die jetzt zu haben ist, charakterlich zu uns passt, das sportliche Niveau hat, um bedenkenlos Regionalliga zu spielen und gleichzeitig finanziell mit unseren begrenzten Mitteln einverstanden ist - dann werden wir zuschlagen. Da sind wir gerade dabei, den Markt zu sondieren und uns umzuschauen. Klar, wir haben schließlich mit Dominik einen guten Torhüter verloren. Und brauchen auch im Tor einen leistungsfördernden Konkurrenzkampf. Aber verrückte Dinge werden wir nicht machen. Da wir, was die Tabelle angeht, momentan außerordentlich gut da stehen, haben wir keine unmittelbare Not und auch eine zwischenzeitliche Lösung bis zum Saisonende mit Robert Mayer und unserem U19-Torwart auf der Bank wäre vorstellbar.", so Kroneck.

Kommentare