"Der gefundene Konsens stellt eine gute Lösung dar"

Das sagen die Vereinsvertreter zum Wechselrechts-Vorschlag für den Sommer

Bayern - Nun ist es also fix: Im Sommer soll es ein zweimonatiges Transferfenster mit den Regelungen der Wintertransferperiode geben. Die Vereinsverantwortlichen, die in der Lösungs-Arbeitsgruppe (LAG) „Vereinswechsel“ mitgewirkt haben, ziehen ein Fazit.

Am Samstag, den 30. Mai, gab der Bayerische Fußball-Verband bekannt, wie das Sommer-Transferfenster geregelt wird. Demnach soll es vor einer Fortsetzung der aktuell unterbrochenen Saison auch in der Phase der Corona-Zwangspause ein Wechselfenster innerhalb des etablierten Zeitraums vom 30. Juni bis zum 31. August 2020 geben – allerdings zu den Modalitäten des Winterwechsel-Fensters. Das bedeutet, dass der abgebende Verein dem wechselwilligen Spieler/der wechselwilligen Spielerin grundsätzlich die Freigabe erteilen muss. Andernfalls greift eine sechsmonatige Sperre.


Die Stimmen der Vereinsverantwortlichen

In der eingesetzten Lösungs-Arbeitsgruppe (LAG) „Vereinswechsel“ waren neben den Ehrenamtlichen und Mitarbeitern aus dem Hauptamt des BFV auch Vereinsverantwortliche aus ganz Bayern am Prozess aktiv beteiligt. Sie ziehen ein Fazit ihrer Arbeit und sprechen über die Lösungsfindung:

Martin Werndl (SV Hohenlinden, Kreisliga, B-Klasse, Junioren-Kleinfeld): 

Werndl: „Ich bin mit der festen Einstellung, ,keine Wechsel im Sommer' zuzulassen, in die Arbeitsgruppe gegangen. Dazu muss man wissen, dass der SV Hohenlinden gegen den Vorstandsbeschluss zum Weiterführen der Saison 2019/20 war. Doch durch die intensive Sachdiskussion in der Gruppe kam ich immer mehr von dieser Ansicht ab, bis ich die Einführung eines Winterwechsels im Sommer als eigentlich einzige, alternativlose Möglichkeit als endgültige Meinung angenommen und auch so abgestimmt habe. Besonders positiv ist mir aufgefallen, wie unabhängig zur Klassenzugehörigkeit die Meinungen ausgetauscht worden sind. Das war für mich als Kreisligaklub-Angehörigen und dem damit fast klassentiefsten Teilnehmer, sehr angenehm aufgefallen. Zudem möchte ich auch die Rolle des Präsidenten Rainer Koch als sehr positiv hervorheben. Er gab mit seinen Ausführungen tiefe Einblicke in den BFV, brachte zudem Erleuchtung, wo es nötig war, und war ansonsten angenehm zurückhaltend. Echt präsidial!“ 


Michael Schulz (SV Coburg-Ketschendorf, Bezirksliga, Kreisklasse, B-Klasse, Frauen, alle Jugendaltersklassen m/w): 

Schulz: „Der Schutz der Vereine hat die höchste Priorität. Als Gesellschafter (Mitglied) des BFV (in meiner Funktion als persönlich haftender Vorstand des SV Coburg-Ketschendorf) habe ich gerne meine Verantwortung wahrgenommen, um den bisherigen Prozess zu begleiten. Allen Beteiligten war klar, egal welche Entscheidung getroffen wird, dass unzählige offene Fragen beantwortet werden müssen. Das Thema „Vereinswechsel“ haben wir von Anfang an als eines der größten Probleme erachtet. Der Argumentation, eine Saison sportlich zu Ende zu bringen, kann man folgen. Wir müssen aber sicherstellen, dass keine Wettbewerbsverzerrung stattfindet. Daher haben wir dafür geworben, keine Wechsel mehr in der laufenden Saison zuzulassen. Als persönlich haftender Vorstand steht für mich der Schutz des Vereins über allem. Ich sehe mich nicht als Vertreter von bezahlten Hobby-Sportlern und lehne daher die getroffene Empfehlung persönlich ab, akzeptiere aber den jetzt erarbeiteten Vorschlag. Wir hoffen, dass unsere BFV-Vertreter im Vorstand alle Kraft darauf verwenden, die Vereine vor einer möglichen Wettbewerbsverzerrung zu schützen.“ 

Dominique Hermann (FC Ingolstadt 04, 3. Liga, Bayernliga, Frauen, Jugend-Spitzenligen): 

Hermann: „Ich bin der festen Überzeugung, dass der gefundene Konsens, das Wechselfenster gemäß den Winterregularien zu öffnen, für alle Vereine in Bayern eine gute Lösung darstellt. Natürlich kann man bei einer solchen Ausnahmesituation nicht alle Beteiligten komplett zufrieden stellen, trotzdem möchte ich das tolle Klima der LAG hervorheben, in der intensiv, aber stets konstruktiv und damit der Sache förderlich diskutiert wurde.“ 

Christoph Nowak (SSV Dillingen, Kreisklasse, B-Klasse, Junioren-Kleinfeld): 

Nowak: „Unsere durchaus spannend zusammengestellte Arbeitsgruppe hat, wie ich finde, sehr gute Lösungen erarbeitet, die zum einen die Vereine schützen, zum anderen aber auch arbeitsrechtliche Notwendigkeiten berücksichtigen. Für die Akteure bleiben, natürlich der besonderen Situation angemessen, doch gewisse Möglichkeiten eines Vereinswechsels im Sommer. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein durchaus kritischer Geist bin und daher habe ich, wie die anderen LAG-Mitglieder aber auch, bei einzelnen Punkten auch meine entsprechenden Bedenken deutlich geäußert. Diese wurden von den mitwirkenden BFV-Funktionären sehr ernst genommen, das hatte ich aber auch gar nicht anders erwartet, weil das ja der Sinn des Ganzen war. Sehr positiv fand ich zum einen, dass seitens des Verbandes zum Gremium ganz bewusst der Befürworter eines Saisonabbruchs hinzugenommen worden ist, was zeigt, dass in unserem Verband sehr wohl auch andere Meinungen willkommen und diskutabel sind. Zum anderen war ich angenehm über die Bodenständigkeit der beiden Regionalligavertreter vom FC Memmingen und SV Schalding-Heining überrascht, die immer auch das Geschehen in den unteren Ligen fest mit im Blick hatten.“

Thomas Spachmüller (SV Kammerstein, Kreisliga, A-Klasse, Junioren-Kleinfeld): 

Spachmüller: „Zusammen mit rund 20 anderen Verantwortlichen aus ganz Bayern habe ich an der Arbeitsgruppe zum Vereinswechsel in Corona-Zeiten teilgenommen. In der Arbeit stellte sich heraus, dass weder ein herkömmliches Sommerwechselfenster noch gar keine Wechsel eine Option wären. Ich persönlich gehe davon aus, dass die Vereine im Kreis Neumarkt/Jura gut mit dem jetzt herausgekommenen Ergebnis leben können. Ob wir dann ab September wieder kicken können und wann die Saison letztlich beendet werden kann, wissen wir leider alle nicht. Ich war zwar ein harter Verfechter des Abbruches, aber auch im persönlichem Gespräch mit Präsident Rainer Koch konnte ich letztlich meine Meinung dahingehend verändern, dass sich mit dem Lösungsansatz des Verbandes durchaus leben lässt. Insgesamt waren es gute und harmonische Videokonferenzen.“

Franz Perneker (FC Deisenhofen, Bayernliga, Kreisliga, A-Klasse, Junioren-Kleinfeld): 

Perneker: „Nach intensiven Diskussionen ist eine, so denke ich, annehmbare Lösung gefunden worden, die der gesamten Bandbreite der bayerischen Amateurvereine gerecht wird. Mir war wichtig, dass die Vereine, die Jugendarbeit und Ausbildung betreiben, maximal geschützt werden.“

Armin Buchmann (FC Memmingen, Regionalliga, Landesliga, alle Jugendaltersklassen): 

Buchmann: „Der FC Memmingen ist mit der Lösung eines Winterwechsels im Sommer sehr zufrieden. Wir sehen diese Lösung als wichtigen Schutzschirm für die Breite der unterklassigen Amateurvereine, aber auch die hochklassigen Amateurklubs können die in den Herrenbereich übergehenden A-Jugendlichen nun bei Ihren Kaderplanungen vollumfänglich berücksichtigen. Mit dieser Entscheidung wird dabei auch den Vereinen die große Angst genommen, bei Wiederaufnahme des Spielbetriebes keine ausreichende Kaderquantität für einen geregelten Spielbetrieb verfügbar zu haben. Der Umgang aller Beteiligten war trotz kontroverser Ansichten sehr respektvoll und zielführend. Ich denke die Lösungsarbeitsgruppe „Vereinswechsel“ ist mit ihrer Empfehlung an den BFV, im Sommer den Winterwechselmodus anzuwenden, den Interessen des Großteils aller bayerischen Vereine gerecht geworden.“

Markus Clemens (SV Schalding-Heining, Regionalliga, Bezirksliga, A-Klasse, alle Jugendaltersklassen): 

Clemens: „Unsere Arbeitsgruppe war ein guter Querschnitt aller Ligen in Bayern. Wir hatten konstruktive Diskussionen, um möglichst alle Problemstellungen zur erfassen und letztlich auch zu lösen. Ich denke, wir haben hier ein gutes Ergebnis für die Amateurfußballer und Vereine in Bayern erzielen können.“

Oliver Dotterweich (FC Oberhaid, Bezirksliga, A-Klasse, Junioren-Kleinfeld): 

Dotterweich: „Ich hatte ja schon früher die Vorgehensweise mit Einbeziehung der Vereine in AGs des Verbandes gelobt. Jeder konnte - wie ich - seine Mitarbeit anbieten und konnte sich aktiv miteinbringen. Es gibt viele in öffentlichen Foren, die aktuell meckern, aber perfekte Lösungsvorschläge kommen von dort halt auch nicht. Nur dagegen zu sein, reicht eben nicht. Wenn, dann muss ich auch Lösungen vorschlagen und mich einbringen. Klar gibt es immer eine Vorzugslösung des Verbandes, die dann auch als Ziel/Wunschlösung vorgegeben wird. Ich hatte in dieser Arbeitsgruppe aber nie das Gefühl, dass alles schon festgelegt ist. Von der 3. Liga bis zur A-Klasse waren Vereine vertreten. Die Sichtweisen waren vor allem abhängig von den Spielklassen und damit sehr unterschiedlich. Jeder konnte seine Belange gleichberechtigt einbringen und es wurde schnell klar, die perfekte Lösung für alle gibt es nicht. Es gibt einen Kompromiss, den aber alle mittragen können. Ich war zuerst gegen ein Wechselfenster innerhalb der jetzigen Saison, stehe aber auch hinter der Winterwechsellösung im Sommer. Das Wichtigste für uns war der Schutz der Vereine. Die haben jetzt das Ruder weiter in der eigenen Hand. Ich persönlich glaube, dass gerade im unteren Bereich Spielerwechsel sehr selten sein werden. Die meisten Spieler bei uns sind eh davon ausgegangen, dass die Saison beim jetzigen Verein zu Ende gespielt wird.“

Pressemitteilung Bayerischer Fußball-Verband

Quelle: rosenheim24.de

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