"Gefahr, dass der ein oder andere abspringt"

Interview: So geht die Schiedsrichter-Gruppe Chiem mit der Corona-Pandemie um

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Die Corona-Pandemie hat den Amateurfußball weiter fest im Griff. Aber nicht nur die Spieler und Trainer können derzeit ihrem geliebten Hobby nicht nachgehen, auch die Schiedsrichter sind davon betroffen. Beinschuss.de hat mit Sepp Kurzmeier, GSO Gruppe Chiem, über die aktuelle Lage gesprochen.

Der Amateurfußball ruht aufgrund der Corona-Pandemie in Bayern bis mindesten 31. August. Nicht nur die Spieler und Trainer vermissen die Spiele am Wochenende, auch die Schiedsrichter sind seit mehreren Monaten ohne Einsatz. Beinschuss.de hat mit Sepp Kurzmeier, Schiedsrichterobmann der Gruppe Chiem (GSO), über die aktuelle Lage gesprochen. Dabei geht es auch um die Gefahr, dass derzeit keine Neulinge gefunden und bestehende Schiedsrichter abspringen könnten.


"Einfacher wie jetzt geht es nicht Schiedsrichter zu werden"

Dass immer weniger Menschen Schiedsrichter werden wollen, ist kein unbekanntes Problem. Vor allem die bundesweiten Vorfälle im vergangenen Herbst, als mehrere Unparteiische von Spielern tätlich angegriffen wurden und mediale Aufmerksamkeit deutschlandweit erzeugten, schrecken einige Interessierte davon ab. "Auch wir haben das bei den Neulingskursen gemerkt", gesteht Sepp Kurzmeier. "Vor allem die Eltern sagen, dass sie nicht wollen, dass ihre Kinder sowas ähnliches erleben müssen. Aber dann muss man sie überzeugen, dass es auch viele positive Sachen gibt." Nun sorgt die Corona-Pandemie dafür, dass die Ausbildung der neuen Schiedsrichter umstrukturiert werden musste. "Wir hatten im Februar und März zwölf Teilnehmer, die aufgrund der Pandemie ihre Prüfungen nicht mehr schreiben konnten. Diese können aber jetzt online absolviert werden", so Kurzmeier weiter. Während die Pandemie anhält, soll das Online-Angebot bestehen bleiben. Kurzmeier: "Einfacher wie jetzt geht es nicht Schiedsrichter zu werden. Man muss nicht mehr vier bis fünfmal irgendwo hinfahren. Ich denke es ist eine Chance und ich hoffe, der ein oder andere sagt, ich mach da jetzt einfach mal mit."

"Da besteht schon die Gefahr, dass der ein oder andere anspringt"

Zudem besteht aufgrund der aktuellen Aussetzung des Spielbetriebs die Sorge, dass einige bereits bestehende Schiedsrichter aufhören könnten. "Viele haben seit Ende November kein Spiel mehr gepfiffen", sagt Kurzmeier, "da besteht schon die Gefahr, dass der ein oder andere anspringt. Auch ich merke, dass ich momentan viel Zeit habe und so wird es bei dem ein oder anderen auch sein." Deshalb hält der GSO viel Kontakt zu seinen Referees, telefoniert und schreibt viel. Dennoch betont Kurzmeier auch, dass den Unparteiischen die Spiele am Wochenende emotional fehlen. "Der Zusammenhalt in der Gruppe Chiem ist groß. Aber leider fehlt derzeit das gesellschaftliche. Das kann man mit Online-Lehrabende und Schulungen nicht ausgleichen." Der geplante Ausflug nach Meran musste bereits abgesagt werden und und ob die Abschlussfeier im November stattfinden kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.


Auf- und Abstiegsregelungen im Sommer außer Kraft gesetzt

Auch bei einigen Schiedsrichtern geht es im Sommer um Auf- oder Abstieg. Da aber die Spielzeit 2019/20 über den Sommer hinausgeht, wurde auch hier eine neue Regelung geschaffen. "Im Sommer gibt es keinen Auf- und Abstieg, sondern erst wenn die Saison zu Ende gespielt ist. Denn die Schiedsrichter haben unterschiedliche Beobachtungszahlen und das wäre am Ende unfair, wenn einer aufsteigen darf und der andere nicht." Laut Kurzmeier komme diese Regelung bei Unparteiischen gut an.

Kurzmeier glaubt, dass die Saison erst im Frühjahr 2021 fortgesetzt werden kann

Kurzmeier selber hält einen Fortführung der Saison ab dem 1. September für eher unwahrscheinlich. "Meine persönliche Meinung ist, dass solange kein Impfstoff vorhanden ist, die Saison erst im Frühjahr 2021 weitergespielt werden kann", so der GSO. "Ich finde aber die Entscheidung des BFV richtig. Denn dadurch verhindert man, dass möglicherweise zwei Spielzeiten nicht beenden werden können." Der GSO hat noch einen Wunsch für die Zeit nach Corona: "Ich würde mir wünschen, dass ein Umdenken stattfinden würde und man merkt, dass es Wichtigeres gibt als Fußball und dadurch die Schiedsrichter in Zukunft nicht mehr so häufig auf dem Platz angegangen werden."

ma

Quelle: rosenheim24.de

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