Kommentar zur Kriminalitätsstatistik 2016

Wir brauchen mehr Polizeipräsenz in den Städten der Region!

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Bringt mehr Polizeipräsenz mehr gefühlte Sicherheit? Nach Meinung unserer Volontärin Annalina Jegg schon.
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Rosenheim - Nach Herausgabe der aktuellen Kriminalitätsstatistik des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wird in der Region das Thema "Sicherheit in der Heimat" diskutiert. Wie präsent ist die Polizei in unseren Städten und wie sehr beeinflusst dies das innere Gefühl von Sicherheit? Ein Kommentar:

Erhöhte Kriminalität in 2016

Die uns umschwirrende Terrorgefahr macht es auch den Polizeibeamten in unserer Heimat zur Pflicht, präsent zu sein und Sicherheit zu vermitteln. Denn die gefühlte Sicherheit nimmt scheinbar täglich ab. Dem wirkt die in der vergangenen Woche vorgestellte Kriminalitätsstatistik 2016 des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd (PP OBS) mit Sicherheit auch nicht entgegen: Die Kriminalitätsrate ist in der Region des PP OBS in vielen Bereichen gestiegen.

So wurden in den vergangenen zehn Jahren in diesem Gebiet nie mehr Rauschgiftdelikte als in 2016 begangen: 4.242 Delikte - das sind 469 mehr als im Jahr 2013 mit der zweithöchsten Anzahl. Der Anstieg wird hauptsächlich durch illegalen Handel und illegale Einfuhr von Rauschmitteln verursacht. 

Auch politisch motivierte Straftaten erreichten in 2016 mit 240 Zählern einen neuen Höchstwert. Wobei die meisten, laut Statistik, einem rechtsradikalen Motiv zugrunde lagen. Rechtsextremisten agierten dabei vermehrt gegen Asylbewerberunterkünfte.

Angstthema der Frauen: Sexuelle Übergriffe

Besonders die Angst vor Belästigung oder gar einem sexuellen Übergriff ist für mich als Frau - wenn ich im Dunkeln allein auf der Straße bin - omnipräsent in meinem Kopf und das nicht erst seit dem LMU-Vergewaltiger in München oder der brutalen Vergewaltigung am Rosenheimer Inndamm

Und auch hier: Die Zahl der Sexualdelikte 2016 ist im Vergleich zum Vorjahr von 479 auf 565 gestiegen - eine Steigerung von fast 18 Prozent! Dass es im Jahr 2007 nochmal deutlich mehr, nämlich 737, waren, beruhigt mich nicht wirklich. Der aktuelle Anstieg sei laut Stefan Sonntag, Pressesprecher des PP OBS, vor allem wegen exhibitionistischer Handlungen herbeigeführt worden (2015: 65 Fälle; 2016: 106 Fälle). Doch auch die Zahl der versuchten Vergewaltigungen sei um ein paar Zähler angestiegen, so Sonntag.

Polizeipräsenz: Mulmiges Gefühl oder gefühlte Sicherheit?

Wenn ich früher durch die Rosenheimer Innenstadt lief und einem Polizisten begegnete, hatte ich immer ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Warum? Eigentlich soll eine hohe Polizeipräsenz doch dafür sorgen, dass sich alle auf der Straße sicher fühlen. Andererseits dachte ich mir insgeheim: "Wo die Polizei ist, da ist was los, da ist was passiert. Oder eben, es besteht die Gefahr, dass was passieren wird."

Inzwischen hat sich meine Denke diesbezüglich geändert: Wenn mir nun Beamte auf der Straße begegnen, erhöht sich mein inneres Gefühl von Sicherheit. Denn dass die Polizei durch hohe Präsenz auch präventiv arbeitet und arbeiten muss, um Straftaten zu vermeiden, ist in der heutigen Zeit von Terror und Gefährdern unablässlich. 

Sonntag: "Wir legen großen Wert darauf, dass der Bürger uns sieht."

Auf die Thematik "Polizeipräsenz" angesprochen, stellte Stefan Sonntag vom PP OBS ganz klar fest, dass die Polizei großen Wert darauf lege, "dass der Bürger uns sieht". Besonders im Stadtgebiet von Rosenheim - der größten Stadt des PP OBS-Gebietes - seien am Wochenende so viele Streifen wie nirgendwo sonst unterwegs, so Sonntag weiter. 

Bei Großveranstaltungen wie dem Rosenheimer Herbstfest sieht man vergleichsweise aber deutlich mehr Polizisten auf den Straßen. "Hier fordern wir auch notwendigerweise Unterstützung bei der Bereitschaftspolizei an", so Sonntag. Dies sei bei größeren Veranstaltungen erforderlich, da das PP OBS solche Events personell nicht alleine stemmen könne.

Sicherheit durch Polizeipräsenz: Australien vs. Oberbayern

Während meines fünfmonatigen Australien-Aufenthalts von Oktober 2015 bis März 2016 wurde ich mit ungewohnter Polizeipräsenz konfrontiert. Nach einem Club-Besuch stand dort um 2 Uhr morgens auf dem Weg durch die halbe Innenstadt fast alle 30 Meter ein ernst dreinblickender Beamter. Im ersten Moment leicht geschockt, kam ich bald zu dem Schluss, dass diese Beamten nicht wegen eines bevorstehenden Anschlags oder Ähnlichem, sondern lediglich zum Schutz der Party-Gänger vor Ausschreitungen anwesend waren. 

Volontärin Annalina Jegg.

Insgesamt gesprochen habe ich mich in Australien durch die gefühlt immer präsente Anwesenheit von Polizeibeamten, die auch vermehrt zu Fuß unterwegs waren, in großen Städten sicherer gewähnt, als in meiner Heimat Oberbayern. Dennoch gibt es im Staat New South Wales, dessen Hauptstadt Sydney ist, vergleichend nicht gravierend mehr Polizeibeamte, als im Zuständigkeitsbereich des PP OBS. Im Zuständigskeitsgebiet der Polizei im Staat New South Wales sind etwa 16.700 Beamte für gut 7,4 Millionen Einwohner zuständig, während im PP OBS 2.800 Beamte 1,25 Millionen Einwohner betreuen. An der Einwohnerzahl gemessen kommt die Polizei in New South Wales auf einen Polizisten pro 443 Einwohner, das PP OBS auf einen Beamten pro 446 Einwohner. Allerdings verteilt sich das Zuständigkeitsgebiet des PP OBS auf viele kleine Gemeinden und Städte, während sich die Gegenwärtigkeit der Polizei in Australien in den Großstädten konzentriert, da man außerhalb der Metropolen kaum einer Menschenseele über den Weg läuft. So erklären sich wohl die omnipräsenten Beamten in Sydney.

Der Wunsch nach mehr Polizeipräsenz

Ich bin überzeugt, dass unsere Polizisten aus der Region gute Arbeit leisten und ihr Bestes tun, um uns Bürgern ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Jedoch würde ich mir für die Zukunft mehr fußläufige Polizeipräsenz wünschen - und das auch außerhalb größerer Veranstaltungen wie dem Rosenheimer Herbstfest und möglicher Terrorgefährdungen.

Dass dies nicht von heute auf morgen möglich ist, unter anderem weil die Polizei in Bayern noch immer unterbesetzt ist, ist mir völlig klar. Ich erhoffe mir aber durch weitere Aufstockung der Polizeistärke in den kommenden Jahren mehr Präsenz. Es ist also die Politik gefragt...

Verfasst von Annalina Jegg (annalina.jegg@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

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