Kommentar zur neu aufgeflammten Diskussion

Naidoo-Ausladung: "Am Ende droht ein finanzielles Desaster"

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SPD und Grüne wollen ihn in Rosenheim nicht singen hören: Xavier Naidoo 
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Rosenheim - Die emotionalisierte Debatte über Xavier Naidoos Auftritt beim Rosenheimer Sommerfestival 2017 geht weiter. Leider! Ein Kommentar von unserem Online-Redakteur Marcel Görmann.

Alles fing mit einer Pressemitteilung der Grünen Jugend Rosenheim an. Sie forderte darin die Ausladung von Xavier Naidoo wegen seiner Nähe zur Reichsbürgerbewegung. Nachdem rosenheim24.de darüber berichtete, griffen der Bayerische Rundfunk, Focus Online, Merkur, tz und Süddeutsche Zeitung den grünen Vorstoß auf. 

Durch ist das Thema noch nicht. Im Gegenteil: Die Debatte nimmt jetzt wieder an Fahrt auf. 

Der SPD-Fraktionschef Robert Metzger schrieb am Freitag auf seiner Facebookseite: "Die SPD-Stadtratsfraktion und ich als ihr Vorsitzender sind erschüttert und zutiefst aufgebracht über die Reaktion der Stadt Rosenheim zur öffentlichen Diskussion über den Auftritt von Xavier Naidoo." Die verwies in einer Pressemitteilung auf die rechtskräftigen Verträge mit der Band und die im Grundgesetz verbriefte Meinungsfreiheit sowie die Freiheit der Kunst. Die Erklärung der Stadt sei ein "Schlag ins Gesicht all derer, die sich extremistischen Tendenzen widersetzen", heißt es in ihrem Eilantrag, den die Sozialdemokraten in der Stadtratssitzung am 1. Februar stellen wollen, um das näher zu diskutieren. 

Das Bündnis "Kein Hass auf Rosenheims Bühnen" schrieb unserer Redaktion eine E-Mail. In dieser kündigte das Bündnis einen offenen Brief für Montag an, in dem der Stadtrat dazu aufgefordert werden soll, den Sänger auszuladen. 

Sogar die ehemalige Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Angelika Graf (SPD) schaltete sich jetzt als Vorsitzende des Vereins "Gesicht zeigen – Rosenheimer Bündnis gegen Rechts" in einem offenen Brief an die Stadträte in die Diskussion ein. Sie fordert ebenfalls eine Ausladung. 

Nach monatelanger Stille: Wieso alles erst jetzt? 

Die SPD bleibt ihrer Linie zwar treu, weil sie auch in nicht-öffentlicher Sitzung im Stadtrat gegen die Entscheidung gestimmt hat, die Söhne Mannheims einzuladen. Die Grünen haben zugestimmt, ihren Protest aber im Protokoll vermerken lassen. 

Danach war es aber monatelang still, es gab keinen öffentlichen politischen Protest dagegen. Als der Vorverkauf am 2. Dezember begann, ahnte niemand, dass die Einladung umstritten ist. Jetzt, wo die Tickets fast ausverkauft sind, alles wieder neu aufzurollen, kommt einfach zu spät. 

Die Ticketkäufer wären die Verlierer

Letztlich gibt es nur einen Verlierer: Die Ticketkäufer, die durch diese Diskussion verunsichert werden. Die 49,50 Euro pro Karte mussten viele bei anderen Ausgaben einsparen.

Xavier Naidoo ist mit Abstand das prominenteste Bandmitglied. Tausende Menschen in der Region haben eben vor allem wegen Naidoo die Tickets gekauft. 

Online-Redakteur und Social-Media-Manager Marcel Görmann

Die überwiegende Mehrheit der Käufer will einfach die Songs der Söhne Mannheims hören. Hits wie "Das hat die Welt noch nicht gesehen" oder "Ich wollt nur deine Stimme hör'n". Die mutmaßliche politische Haltung Naidoos war wohl nur für einen Bruchteil von ihnen ausschlaggebend für den Kartenkauf.

Zu Ende gedacht

Bekommen sie ihr Geld zurück, wenn Naidoo wirklich ausgeladen werden würde? Lassen sich das die Söhne Mannheims überhaupt gefallen - oder würden sie dann alle nicht mehr kommen? Und was wäre mit all jenen, die dann gleich ihren Festivalpass wieder abgeben wollen? 

Zu Ende gedacht könnte das in einem finanziellen Desaster für die Landesgartenschau GmbH und damit die Stadt münden.

Wie wäre es denn mit einer Gegenveranstaltung?

Frei steht es SPD, Grüner Jugend oder anderen Gruppen, parallel zum Konzert am 20. Juli eine Veranstaltung zu organisieren, in der sie Xavier Naidoos politische Haltung kritisch aufarbeiten oder über die Reichsbügerbewegung aufklären. 

Das wäre konstruktive Kritik und ein attraktives Angebot für all diejenigen, die Naidoo skeptisch gegenüber stehen oder mehr wissen wollen.

verfasst von Marcel Görmann (marcel.goermann@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

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