Warum wir bei der Fachkräftesicherung auf Frauen setzen sollten

Brigitte Dworak über Frauen in Führungspositionen

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Kommentar - Viele Manager der Top-Ebene sind genervt vom Gender-Thema. Mit Recht: Denn es gibt Zahlen und Fakten aus vielen Studien, die belegen, dass Frauen nicht nur gleichwertige, sondern oftmals bessere Ergebnisse liefern als ihre männlichen Kollegen, dass sie in Schule und Studium erfolgreicher sind, dass sie höhere Sozial- und Führungskompetenz mitbringen, Risiken klüger einschätzen und Unternehmen sicherer in die Zukunft steuern. 

Nur mit dem Selbstvertrauen sieht es oft nicht allzu gut aus. Das können gesetzliche Quoten kaum aufbauen, denn sie kurieren nur die Symptome und bekämpfen nicht die Ursachen. Weibliche Vorbilder und Mentoren setzen genau da an.

Deutschland belegt Spitzenplätze im Bauen, Brauen und im Fußball. Die Auftragsbücher der deutschen Unternehmen sind voll. Die Wirtschaftslage ist so gut wie selten zuvor. Doch bei der Anzahl der Frauen in Führungspositionen rangieren wir immer noch abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Fast nirgendwo in Europa gibt es so wenige Frauen in Führungspositionen wie bei uns. Je höher es in der Hierarchie nach oben geht, desto geringer wird der Frauenanteil. Warum ist das so?

Gesetze und Zwang allein nützen nichts

Gesetzlich wäre eigentlich alles geregelt. Die Gleichberechtigung ist seit 1948 im Grundgesetz verankert. Seit weit mehr als zwei Jahren gilt das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst. Börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen sind nun verpflichtet, für Aufsichtsratspositionen, die neu zu besetzen sind, eine Quote von mindestens 30 Prozent einzuhalten. Das ist gut. Aber Unternehmerin wird man nicht aufgrund einer Quote.

Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel

Eines der Haupthindernisse liegt in der Gesellschaft. Frauen, die wie ich in den 1990er-Jahren in ihrer Karriere gestartet sind und nun längst in der Liga der potenziellen Chefinnen angekommen sein müssten, wurden vielfach enttäuscht. Damals versprach der Zeitgeist eine schnelle Emanzipation. Doch daraus wurde nichts. Damit Gleichberechtigung auch im Beruf gelingen kann, braucht es ein Umfeld, in dem sich weibliche Führungskräfte gut entwickeln können. Ein wichtiger Baustein für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dabei die Betreuung. Sie ist auch heute noch oft schwierig zu organisieren und mit erheblichen Kosten verbunden. Aber nicht nur das. Wer als Frau erfolgreich ist und sich zeitgleich um eine Familie kümmert, muss sich vielfach rechtfertigen. In den neuen Bundesländern ist man da aus der Historie heraus schon weiter. Wichtig ist daher eine gesellschaftliche Akzeptanz, die Frauen die Wahl lässt, sich für Kinder, Karriere oder beides entscheiden zu können – je nach persönlichem Lebensentwurf. Wir Frauen müssen aber auch die Konsequenzen unserer Wahl kennen. So arbeiten beispielsweise viele Frauen in Teilzeit. Das kann später schnell in eine finanzielle Abhängigkeit vom Partner münden, wenn nicht richtig vorgesorgt wurde.

Auch die Arbeitswelt muss sich weiterentwickeln

Viele Unternehmen nahmen die Förderung von Frauen lange Zeit nicht ernst genug, das zeigt sich nun in Zeiten des Fachkräftemangels deutlich. Zukünftig muss flexible Arbeit bis in die Chefetage hinein möglich sein. Einige erfolgreiche Beispiele für geteilte Chefpositionen und zeitlich-/ ortsunabhängigeres Arbeiten gibt es ja schon. Dort gehören 14-Stunden-Arbeitstage mit Meetings bis spät in die Nacht der Vergangenheit an. Wir müssen auch akzeptieren lernen, dass es der Mann sein kann, der die Kin- der morgens zur Schule bringt und sich mal um sie kümmert, wenn sie krank sind. Viele Männer wollen sich ja auch familiär mehr engagieren, stoßen dabei aber oft an berufliche Grenzen. Das darf in einer modernen Arbeitswelt nicht mehr sein, denn bei der jungen Generation hat eine ausgewogene Work-Life Balance hohe Priorität. Unternehmen werden sich also bewegen müssen.

Frauen brauchen mehr Selbstvertrauen

Laut E&Y Studie haben 35 Prozent der Unter- nehmen im Mittelstand angegeben, dass sie Schwierigkeiten haben, Frauen für ihr Unter- nehmen zu gewinnen – vor einem Jahr waren es 28 Prozent der Mittelständler. Auch das ist Realität. Das liegt zum einen darin begründet, dass wir Frauen uns oft weniger trauen oft unrealistisch hohe Forderungen an uns selbst stellen und sogar Aufgaben ablehnen, weil wir irrtümlicherweise glauben, sie nicht erfüllen zu können. Männer gehen damit viel entspannter um. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir Frauen sehr strukturiert agieren, komplex denken und Kommunikationsfähigkeiten haben, die vielen männlichen Führungskräften fehlen. Es ist auch für uns Frauen durchaus interessant, unter Druck Entscheidungen zu treffen, für Transparenz zu sorgen und den richtigen Weg aufzuzeigen. Wichtig ist nur, dass wir uns nicht verdrießen lassen, wenn mal etwas schiefgeht. Das müssen wir noch lernen - ebenso wie Konflikte offen anzusprechen und uns zu messen, selbst wenn wir auf das ganze Machtgehabe keine Lust haben.

Leistung, Führung und Vorbild sein macht Spaß

Vieles beginnt sich zum Besseren zu wandeln, aber am Ziel sind wir noch nicht. Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, Teilzeitprogramme, die nicht nur Frauen ansprechen, Netzwerke und Mentorenprogramme – auch solche, die unabhängig vom Geschlecht funktionieren. Dem deutschen Mittelstand fehlen Menschen, die Verantwortung übernehmen. Weibliche Führungskräfte können hier ansetzen und verkrustete Strukturen aufbrechen. Es lohnt sich daher in Frauenförderung zu investieren, auch, wenn viele das Thema nicht mehr hören können. Fakt ist: Frauen in Führungspositionen ziehen andere Frauen an, denn nichts ist wirkungsvoller als Vorbilder. Nach knapp 30 Jahren im Berufsleben kann ich sagen, dass es viel Freude macht, ein Unternehmen zu führen, Menschen zu fördern, Talente zu entdecken und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Allein dafür lohnt es sich Führungsverantwortung zu übernehmen – für Männer und Frauen. Denn im gemischten Doppel sind wir am besten.

Eine Pionierin mit Mut

Als Brigitte Dworak sich dazu entschloss, in die Firma ihres Vaters einzusteigen und Dachdeckerin zu werden, war das in Regensburg eine kleine Sensation. Vor 30 Jahren war es durchaus unüblich, dass Frauen in eine Männerdomäne gehen, dann auch noch als Beste abschließen und den Meister und den Betriebswirt draufsatteln. "Sie schaffen das nie“, hörte sie mehr als einmal. Doch sie irrten. Heute ist Brigitte Dworak Vorstandsvorsitzende der B&O Gruppe und verantwortlich für mehr als 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Frauen ins Handwerk und in Führungspositionen zu bringen, ist ihr ein Anliegen.

Studie: https://goo.gl/TaJVyh

Brigitte Dworak, Vorstands- vorsitzende der B&O Gruppe

Quelle: rosenheim24.de

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