Warum klauten sie fast nur Brillen?

Rosenheim - Warum es die beiden Angeklagten, ein 49-jähriger Vater und sein 29-jähriger Sohn, speziell auf Brillen abgesehen hatten, konnte auch vor Gericht noch nicht geklärt werden.

Der Grund für den Diebstahl blieb auch während der Gerichtsverhandlung vor dem Rosenheimer Amtsgericht deren privates Geheimnis. Fakt ist, dass die beiden rumänischen Staatsbürger der Stadt Augsburg einen oder mehrere Besuche abstatteten, aber nicht um deren touristische Schönheiten zu bewundern, sondern sie entwendeten dort Brillen im Werte von einigen Tausend Euro.


Aus einem Modehaus ließen sie Kleidungsstücke mitgehen. Auch der Landeshauptstadt München stattete das Duo einen Besuch ab. Dort „kauften“ sie Kugelschreiber und Füllhalter en gros ein, „vergaßen“ aber zu bezahlen.

Erwischt wurden Vater und Sohn auf der Autobahn bei der Heimfahrt nach Rumänien, wo sie, laut Anklage, ihren zusammengestohlenen "Gemischtwarenladen" gewinnbringend verhökern wollten. Schleierfahnder, die im Rahmen einer verdachtsunabhängigen Kontrolle das rumänische Fahrzeug in Augenschein nahmen, wurden dabei fündig.


Nach dem Verlesen der Anklage regte Richter Heinrich Loeber eine Verständigung - dem Sohn wurde Diebstahl und Hehlerei, dem Vater nur Hehlerei vorgeworfen - zwischen den Parteien an und stellte im Falle eines Geständnisses und erkennbarer Reue ob der begangenen Straftaten eine etwa einjährige Freiheitsstrafe in Aussicht. Da beide Angeklagten bisher weder in Rumänien noch in Deutschland straffällig geworden sind, hätte die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden können. Doch das "Angebot" wurde nur teilweise angenommen.

Der Vater behauptete, er sei in den "Erwerb" der Brillen, Kleidungsstücke und Kugelschreiber nicht involviert gewesen, sondern habe lediglich das Fahrzeug gesteuert, da sein Sohn keinen Führerschein besessen habe. Für die Herkunft des im Auto vorgefundenen "Gemischtwarenlagers" habe er sich nicht interessiert. Der Sohn hingegen, der sich laut Anklage wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu verantworten hatte, bestritt das und gab an, alles auf Flohmärkten erworben zu haben.

Nachdem keine vernünftige Verständigung erzielt werden konnte, wurde das Verfahren gegen den Sohn abgetrennt und wird im Januar erneut zur Verhandlung anstehen. Der Vater räumte scheibchenweise den Vorwurf der Hehlerei auf Anraten seines Verteidigers, des Münchner Rechtsanwaltes Wolf Thilo von Trotha, ein, wobei er stets darauf bedacht war, seinen Sohn je nach Fragestellung nicht zu belasten beziehungsweise zu entlasten.

Dieses vorsichtige Geständnis, von der Anklagevertreterin als "Herumeiern" bezeichnet, sowie der nur schwerlich zu führende Beweis, dass der Vater am Diebstahl beteiligt gewesen sein könne, besonders aber, dass beide bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten waren, sprachen zugunsten des Vaters. Die Art der Waren, so Richter Loeber, spräche zwar für ein gewerbsmäßiges Handeln, sei aber nicht konkret nachweisbar.

Das Urteil fiel infolgedessen mit einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt, für den 49-jährigen Rumänen recht milde aus. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, sodass der Mann die "zwangsweise unterbrochene Heimfahrt" zwar ohne seinen Sohn, aber dafür mit seiner im Gerichtssaal anwesenden Restfamilie antreten konnte.

je/Oberbayerisches Volksblatt

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