Vorzeigeobjekte des Städtebaus

Architekt Dr. Josef Bauer (Bildmitte) und seine Kollegin Britta Friedl (mit rotem Schal) erläuterten die Konzeption des Ludwigsplatzes, der Teil der verkehrsberuhigten Zone in der Altstadt Ost ist.
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Architekt Dr. Josef Bauer (Bildmitte) und seine Kollegin Britta Friedl (mit rotem Schal) erläuterten die Konzeption des Ludwigsplatzes, der Teil der verkehrsberuhigten Zone in der Altstadt Ost ist.

Rosenheim – Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Architektur im Gespräch“ wurde zu einem „Häusergang“ eingeladen, bei dem die Architekten und Künstler „ihre“ Objekte den Zuhörern am Ort erklärten.

Die Veranstaltungsreihe wird vom Verein „Rosenheim-Kreis“ initiiert, einem Arbeitskreis von Architekten, Künstlern und Architekturinteressierten aus Stadt und Landkreis,


Rund 30 Personen nahmen am geführten Rundgang teil.

Es waren keinesfalls nur Architekten, Künstler und "Baukundige", die sich am Städtischen Museum einfanden, wo kürzlich die Rosenheim-Kreis-Ausstellung sehenswerter und beispielhafter Bauten der letzten 45 Jahre aus der Region eröffnet wurde.


Erstes Ziel des von Architektin Britta Friedl geführten "Häuserganges" war die Pfarrkirche St. Nikolaus. Architekt Sven Grossmann erläuterte sowohl die Historie als auch die architektonischen Besonderheiten und Schönheiten des Bauwerkes. Grossmann, dessen Büro seinerzeit den Auftrag zur Sanierung und Neugestaltung erhalten hatte, ließ kurz die Gründe für die Sanierung Revue passieren.

Der 1888 abgeschlossene Anbau von Chor und Sakristei am Ludwigsplatz über dem Bett des Stadtbaches führten zur Absenkung des dortigen Untergrundes. Es kam zu Gebäudeschäden, was 2004 eine Stabilisierung mittels Betoninjektionen notwendig machte.

Die Neugestaltung des Innenraumes folgte dem biblischen Wort: "Gott schuf Licht und setzte es der Finsternis entgegen". Die farbenkräftigen Glasfenster und das barocke Hochaltarbild sind die dominanten Komponenten im Kirchenschiff, das durch seinen hellen Innenraum majestätisch wirkt und Ruhe ausstrahlt. Fußboden und Wände erhielten eine moderne Heizungsanlage.

Die künstlerische Ausstattung samt Altarinsel mit dem zweifarbigen Marmoraltar sowie Ambo, Vortragekreuz und der Rahmen des Hochaltarbildes stammen vom Rosenheimer Künstler Josef Hamberger, der sichtlich Freude hatte, die vielen Fragen der "Häusergänger" zu beantworten sowie ihnen seine künstlerische Konzeption nahezubringen.

Nächste Station war Rosenheims "gute Stube", der Max-Josefs-Platz. Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, dass bis in die 1970-er Jahre hier noch der Verkehr durchlief. Den Wettbewerb zur Platzneugestaltung gewann seinerzeit das Architekturbüro Dr. Josef Bauer, dessen Chef die Teilnehmer des "Häuserganges" auf die Gestaltung des Pflasterbelages aufmerksam machte. Die kleineren Pflasterzwischenformate sollen den Platz lebhafter erscheinen lassen, ebenso die leichte Überwölbung. An den Längsseiten ist der Platz mit einer angedeuteten Rinne zu den Arkaden hin abgegrenzt. Als Kontrast zur Platzpflasterung sind die Arkadengänge mit Granitplatten ausgelegt.

Über den neugestalteten Ludwigsplatz führte der Rundgang in die verkehrsberuhigte Zone der Altstadt Ost durch die Färber-, Adlzreiter- und Weinstraße, wo sich das Problem "Wie leben wir stadtverträglich mit der Verkehrsführung?" immer wieder neu stelle. Weiter ging es in Richtung Ballhaus im Hofbräukomplex.

Für den verhinderten Architekten Stefan Ohm, dem es zu verdanken ist, dass das Ballhaus mit seinem Stucksaal, einst und jetzt wieder Treffpunkt der Rosenheimer Gesellschaft, und der Kellersaal nicht der Abrissbirne zum Opfer fielen, schilderte Grossmann Historie und Werdegang des Komplexes, und auch, wie es der Bauherr mit Hilfe des Denkmalschutzes wieder zu einem "echten Hingucker" gemacht habe.

Als letztes Objekt wurde der Salzstadel einschließlich der Bibliothekspassage in Augenschein genommen. Architekt Bernhard Schellmoser deutete auf das von ihm konzipierte Gebäude mit dem für Rosenheim typischen "Grabendach" hin, das die Passage mit dem leicht abfallenden Oval des Salzstadels verbindet. Als gelungen erweist sich ebenfalls der neue, tiefergelegte Eingang zur Stadtbibliothek einschließlich deren innere Gestaltung im Erdgeschoss. Kritische Stimmen kamen auf, als die Pläne für einen "Kulturkubus" am Salzstadel angesprochen wurden.

Oberbayerisches Volksblatt

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