Abschied vom legendären Magierduo „Siegfried und Roy“

Siegfried Fischbacher ist tot: Ein märchenhaftes Leben ist zu Ende

Der „Siegfried & Roy“-Magier Siegfried Fischbacher ist tot. Der gebürtige Rosenheimer starb am 13. Januar im Alter von 81 Jahren
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Der „Siegfried & Roy“-Magier Siegfried Fischbacher ist tot. Der gebürtige Rosenheimer starb am 13. Januar im Alter von 81 Jahren

Für Siegfried Fischbacher ist der letzte Vorhang gefallen: Der weltbekannte Magier aus Rosenheim ist in seinem Luxusanwesen „Little Bavaria“ in Las Vegas einem Krebsleiden erlegen. Wir zeichnen sein bewegtes Leben nach und haben mit Rosenheimern über die schillernde Persönlichkeit gesprochen.

Las Vegas/Rosenheim – Gegen Mittag am 14. Januar erreichte die Familie in Rosenheim die Nachricht, dass Siegfried Fischbacher am 13. Januar (Ortszeit) auf seinem Anwesen in Las Vegas friedlich eingeschlafen ist. Er wurde 81 Jahre alt. Sein schillernder Lebensweg hat ihn – aufgewachsen in einfachsten Verhältnissen in Rosenheim – bis in die glitzernde Spielermetropole in der Wüste Nevadas (USA) geführt. Zusammen mit seinem Partner Roy Horn war Fischbacher „Siegfried & Roy“, das wohl berühmteste Zaubererduo der Welt.


Aus der Kastenau bis nach Las Vegas

Geboren 1939, wuchs Siegfried Fischbacher im Rosenheimer Stadtteil Kastenau auf. Es war eine Kindheit, die von der Not der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt sind. In seiner 1992 erschienenen Autobiografie schilderte Fischbacher anschaulich, wie beengt das Leben damals war – materiell ebenso wie seelisch. Der Vater war wegen seiner Kriegserlebnisse zum Alkoholiker geworden, die Mutter so mit dem Existenzkampf beschäftigt, dass kein Raum für emotionale Wärme und Nähe blieb.


„Erstes wirklich magisches Erlebnis“

Als Achtjährigen fiel ihm auf dem Weg von der Schule nach Hause zufällig in einem Schaufenster ein Buch auf, das Zaubertricks beschrieb. Doch die fünf Mark, die das Buch kostete, waren für den Buben unerschwinglich, und die Mutter wollte ihm das Buch nicht kaufen. Was dann geschah, nannte Fischbacher in seiner Autobiografie sein „vielleicht erstes wirklich magisches Erlebnis“: Er fand im Rinnstein vor der Buchhandlung ein Fünf-Mark-Stück – und kaufte sich mit schlechtem Gewissen tatsächlich das Buch.

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Siegfried verschlang die Anleitung, trainierte, übte die Kunststücke, zeigte seine Tricks – und bekam im Freundes- und Bekanntenkrei Anerkennung und Bewunderung. Er trat im Kolpingsaal bei Theaterstücken mit der Kastenauer Pfarrjugend und als Komiker auf. Mit dem Fahrrad seines Vaters fuhr er nach München, weil er gehört hatte, dass es dort einen Zauberladen gab.

Die berühmten weißen Tiger waren die Attraktion der Vorführungen von Siegfried und Roy.

Mit 14 begann er eine Lehre als Weber in der Rosenheimer Teppichweberei Weinberger. Doch der Beruf füllte den jungen Mann nicht aus, er ließ die engen Verhältnissen hinter sich, arbeitete am Gardasee als Kellner und Barkeeper in einem Hotel, später in der Schweiz. Schließlich heuerte er als Steward auf dem Luxusliner MS Bremen an. Dort begeisterte er die Passagiere mit seinen Vorführungen, woraufhin ihn der Kapitän für die die nächste Fahrt als Zauberkünstler engangierte – ein Kindheitstraum hatte sich erfüllt.

Wendepunkt seines Lebens

Sein Engagement war aber noch aus einem anderen Grund ein Wendepunkt seines Lebens: Er traf an Bord einen anderen Steward, den Tierliebhaber Roy Horn – und der brachte ihn auf die Idee, nicht Kaninchen und Tauben verschwinden zu lassen, sondern einen ausgewachsenen Geparden. Zufälligerweise hatte Horn, der aus Nordenham bei Bremen kam, ein solches Tier. Dadurch wurden die Zaubervorführungen einzigartig und unverwechselbar – es war die Geburtsstunde des Duos Siegfried und Roy.

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Nach einer Galavorstellung vor dem Fürstenpaar Rainier und Gracia Patricia 1966 in Monaco wurde das Duo international berühmt. Der Erfolg wurde immer größer. Sie bauten Tiger, Panther und Löwen in ihre Vorführungen ein und hatten damit in den USA riesigen Erfolg. Als erste Zauberkünstler bestritten sie in Las Vegas eine abendfüllende Show, zunächst im Stardust-Casino, später im Mirage-Hotel. 1988 handelten sie den bis dahin größten Millionen-Deal in der Geschichte der Kasinostadt aus. Allabendlich traten sie im Mirage auf – ihre berühmten weißen Tiger wurden zu ihrem Markenzeichen.

Unter Hollywoodstars

Siegfried und Roy wurden zu internationalen Berühmtheiten. Siegfried Fischbacher kannte all die Stars der US-Showbusiness und Hollywood-Größen. Er hatte eine wahrhaft märchenhafte Karriere gemacht.

Hatten bis zuletzt ein enges Verhältnis: Siegfried Fischbacher und seine Schwester Margot, die als Klosterschwester den Namen Dolore trug.

Im Oktober 2003 nahm dieser Traum ein jähes Ende, als Horn während einer Show von dem weißen Tiger Mantecore angefallen und lebensgefährlich verletzt wurde. Horn überlebte schwer verletzt, war seither halbseitig gelähmt. Fischbacher kümmerte sich aufopferungsvoll um seinen Partner. Die beiden lebten zurückgezogen auf ihrem Luxusanwesen „Little Bavaria“ in Las Vegas. Immer wieder reisten sie nach Bayern und immer wieder war Siegfried Fischbacher in Rosenheim.

Er besuchte Familie und Freunde, für die er immer der „Siegfried“ geblieben war – ohne großes Aufsehen oder in der Öffentlichkeit aufzutreten. Früher war dies anders gewesen: Er war fast alljährlich Gast auf dem Rosenheimer Herbstfest gewesen. Und unvergessen ist in Rosenheim der Triumphzug, als Siegfried und Roy 1991 mit einem weißen Tiger in einer Stretchlimousine durch eine vieltausendköpfige Menschenmenge fuhren, um in der damaligen Buchhandlung Förg in der Bahnhofstraße ihre Biografie zu präsentieren.

Tausende Rosenheimer säumten die Straße, als das Duo 1991 in Siegfrieds Heimatstadt seine Biografie präsentierte.

Krebs hatte schon gestreut

Im April 2020 wurde bekannt, dass sich Roy Horn mit Corona infiziert hatte. Er starb am 8. Mai 2020 in einem Krankenhaus in Las Vegas. Der Tod seines Partners hat Fischbacher dem Vernehmen nach tief getroffen. Er hat seinen Partner nur um acht Monate überlebt. Bei Siegfried Fischbacher war Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden.

Auch eine Operation konnte ihn nicht retten: Der Krebs hatte bereits gestreut. Die letzten Tage seines Lebens verbrachte er in „Little Bavaria“, wo die Pools nach zwei Rosenheimer Seen – dem „Floriansee“ und dem „Happinger See“ benannt sind und ein von einem Zwiebeldach gekröntes Türmchen an die katholischen Kirchen im Rosenheimer Land erinnern.

Sein Leben sollverfilmt werden

Erfolgsproduzent Nico Hofmann arbeitet seit Jahren an einer Verfilmung des Lebens von Siegfried Fischbacher und Roy Horn. Ursprünglich war ein Sechsteiler in der ARD geplant. Doch dieses Projekt scheitert an Finanzierungsfragen. Der ARD waren die Kosten zu hoch. Hofmann, Chef der Produktionsfirma UFA, trieb das Projekt anschließend allein voran. Laut Medienberichten wurden entsprechende Verträge noch zu Lebzeiten von Horn unterzeichnet. Mit im Boot als Drehbuchautor und Regisseur ist Michael „Bully“ Herwig.

Eine Stiftung für die weißen Tiger

Schon vor einiger Zeit machten sich die berühmten Magier Gedanken über ihr Vermächtnis, das laut der Bild etwa 185 Millionen Euro beträgt. Das Geld soll in eine Stiftung überführt worden sein. „Unser Vermächtnis ist es, die weißen Tiger vor dem Aussterben zu bewahren. Auch, wenn wir nicht mehr da sind, soll ihr Fortbestand gesichert sein“, sagte Siegfried bereits vor zwei Jahren.

Stimmen zum Tod von Siegfried Fischbacher

Marinus Fischbacher, der Neffe des verstorbenen Magiers: „Ich bin vor wenigen Stunden darüber informiert worden, dass er friedlich eingeschlafen ist und bin noch völlig mitgenommen. Er war wie ein Bruder für mich. Das Verhältnis zu ihm wie auch zu seinem Partner Roy war sehr intensiv. Ich war jedes Jahr in Las Vegas, manchmal für bis zu zwei Monate. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis.“

Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März: Tief betroffen hat Oberbürgermeister Andreas März vom Tod des Magiers Siegfried Fischbacher erfahren. Er hatte selbst Gelegenheit, den weltbekannten Zauberer und Illusionisten des magischen Duos „Siegfried & Roy“ in Amerika persönlich zu treffen und erinnert sich: „Auch in der Glitzerwelt des internationalen Show-Business, wo Siegfried ja wirklich ein ganz Großer war, hat er seine Rosenheimer Wurzeln nie verleugnet, sondern - ganz im Gegenteil -  stets gepflegt. Ich war während meiner beruflichen Zeit in Amerika regelmäßig in Las Vegas auf Messen. Diese Gelegenheit nutzte ich gerne, um mich mit Siegfried Fischbacher, den meine Familie gut kannte, zu treffen. Er war ein unheimlich sympathischer Mensch, der nie die Bodenhaftung verloren hat. Er freute sich immer, wenn Leute aus seiner Heimatstadt seine Show besuchten. Diese lud er dann nach der Vorführung in den Backstage-Bereich ein, wo er nicht nur kurz für ein Foto posierte, sondern sich auch gerne Zeit nahm für gemütliche Gespräche. Sein Tod macht nicht nur Rosenheim, sondern die ganze Welt ärmer. Seine Heimatstadt wird ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.“

Gabriele Bauer, ehemalige Rosenheimer Oberbürgermeisterin: „Siegfried Fischbacher war einer der sympathischsten Botschafter Rosenheims in der Welt. Jeder Rosenheimer, der damals ihre Show in Las Vegas besuchte, wurde von Siegfried persönlich begrüßt. Er war ein den Menschen sehr zugewandter Typ und ein großartiger Mensch. Er war stolz darauf, ein Rosenheimer zu sein – auch wenn er sich wohl eher als Kastenauer als als Rosenheimer gefühlt hat. Er hatte zu seiner Heimatstadt eine unglaubliche Verbundenheit, trotz seiner Karriere, die ihn in eine ganze andere Welt geführt hat. Er ist im Herzen immer ein Rosenheimer geblieben. Das zeigte sich auch an seinen vielen Besuchen in Stadt und auf dem Herbstfest. Was mich auch immer beeindruckt hat, war die Verbundenheit in der Familie, die spürbar war.“

Marisa Steegmüller, Geschäftsführende Gesellschafterin der Flötzinger-Brauerei: in Rosenheim, erinnert sich gerne an die Wiesn-Besuche von Siegfried zurück, auch wenn seine letzte Visite im Flötzinger-Zelt schon einige Jahre her ist. „Er war ein netter, freundlicher und höflicher Mann. Wenn er zu uns gekommen ist, hat er uns immer weiße Plüschtiger mitgebracht“, so Steegmüller. Besonders freut sie natürlich, dass der Magier auf dem Herbstfest gerne das Flötzinger-Bier genossen hat. Seniorchef Franz Steegmüller und seine Frau haben Siegfried und Roy vor Jahren in Las Vegas besucht und sich die weltweit bekannte Tiger-Show der beiden angeschaut. „Sie waren ganz begeistert“, weiß Marisa Steegmüller aus den Erzählungen ihrer Eltern.

Klaus G. Förg, Verleger: „1991 habe ich Siegfried und Roy zur Deutschland-Präsentation ihres Buches nach Rosenheim geholt. Das war wohl die größte Veranstaltung eines deutschen Buchhändlers überhaupt. 10 000 Menschen wollten damals in meine Buchhandlung in der Bahnhofstraße. Siegfried und Roy landeten mit dem Hubschrauber auf dem damaligen Bundesgrenzschutz-Gelände und fuhren dann in der Stretch-Limo zusammen mit einem weißten Tiger durch eine riesige Menschenmenge in die Bahnhofstraße. Den Andrang war so groß, dass die Scheiben der Schaufenster geklirrt haben, weil die Menschen so sehr dagegen gedrückt haben. Am Ende ist das Ganze gut gegangen. Ich habe Siegfried Fischbacher als ausgesprochen netten und freundlichen Menschen erlebt, überhaupt nicht von oben herab. Er hat nie vergessen, wo er herkommt. Und er hat seine Heimatstadt geliebt: Er war ein 110-prozentiger Rosenheimer.“

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