Schullaufbahnen regelrecht vererbt

Rosenheim/Landkreis - Nur wenige Migrantenkinder schaffen es bis zum Abitur. Im Landkreis erreichten im Vorjahr die meisten der ausländischen Schulabgänger immerhin die mittlere Reife.

Bayernweit beendete laut dem Landesamt für Statistik fast jeder zweite Migrant seine Schulzeit mit dem Hauptschulabschluss.


In kaum einem anderen Land in Europa besitzt der Bildungsabschluss eine so große Bedeutung für die Erwerbstätigkeit wie in Deutschland. Dabei spielen die Eltern eine Schlüsselrolle beim schulischen Erfolg ihrer Kinder. Eine Allensbach-Studie im Auftrag der Vodafone-Stiftung ergab, dass in Deutschland Schullaufbahnen regelrecht vererbt werden. "Unterschichtenkinder haben geringere Chancen und dem Schulsystem gelingt es nicht, das auszugleichen", fasst Institutschefin Professor Dr. Renate Köcher die Kernthesen zusammen.

Bildungsverlierer Nummer eins seien die Kinder von Migranten. 2010 endete für insgesamt 2240 Schüler an den Haupt-, Realschulen und Gymnasien im Landkreis Rosenheim die reguläre Schulzeit, darunter für 121 ausländische Schüler. Das entspricht einem Anteil von rund fünf Prozent.


In Bayern geht seit Jahren der Trend hin zum höheren Bildungsabschluss. Mittlerweile hat mehr als jeder vierte Schulabgänger das Abitur in der Tasche, rund 41 Prozent erwerben die mittlere Reife. Die meisten deutschen Eltern wollen, dass ihr Kind nach der vierten Klasse auf das Gymnasium oder die Realschule wechselt. Mit der Folge, dass an Hauptschulen die Schülerzahlen immer weiter zurückgehen, während Gymnasien und Realschulen aus allen Nähten platzen.

Bezogen auf die Gruppe der Migrantenkinder weicht die Verteilung der Schulabschlüsse in der Region nicht wesentlich von den Gesamtzahlen ab. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Mehrzahl der 121 ausländischen Schulabgänger im Landkreis Rosenheim im Vorjahr die mittlere Reife erwarb: 47 Schüler und damit fast 40 Prozent. An zweiter Stelle folgte der Hauptschulabschluss, den mit 43 Schülern rund 36 Prozent erwarben.

Lediglich 16 Abgänger mit Migrationshintergrund erwarben das Abitur, wie aus den Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik hervor geht. Weitere 15 ausländische Schüler, also zwölf Prozent, verließen die Schule ohne Abschluss.

Ein großer Stolperstein für viele Jugendliche ist schlicht die deutsche Sprache. In Kindergärten und Grundschulen gibt es bayernweit mittlerweile Sprachfördergruppen, die hier Defizite abbauen sollen, doch wenn zuhause kaum oder nur schlecht deutsch gesprochen wird, ist das für viele Kinder nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Hilfe bei den Hausaufgaben? - oftmals Fehlanzeige.

Ausländische Eltern wissen zwar um die Bedeutung der Sprache, sehen ihre Kinder aber laut der Allensbach-Studie von Lehrerseite teilweise auch ungerecht behandelt. Die Lehrer hätten Vorurteile gegenüber ihren Kindern, die bei gleicher Leistung schlechter bewertet werden würden als deutsche Kinder.

Migrantenkinder spielen bei den höheren Schulabschlüssen bayernweit tatsächlich kaum eine Rolle. Das ist auch im Landkreis Rosenheim nicht anders, wo unter allen 456 Abgängern mit erreichter Hochschul- oder Fachhochschulreife lediglich 16 ausländische Schülerinnen und Schüler waren, also ein Anteil von etwa 3,5 Prozent.

Mit der mittleren Reife beendeten hier in der Region insgesamt 1133 junge Männer und Frauen ihre Schulzeit, darunter waren 47 ausländische Schüler, was etwa 4,1 Prozent entspricht. Und unter den 524 Schulabgängern, die im Landkreis Rosenheim den Hauptschulabschluss bestanden haben, waren 43 ausländische Schüler mit 8,2 Prozent überproportional vertreten.

Oberbayerisches Volksblatt

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