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Rosenheimer Unverpackt-Laden „nimm‘s lose“ appelliert an Kundschaft

„Wo seid Ihr? Wenn es uns weiter geben soll, kommt bitte wieder!“

Alexandra Stibane, Mitinhaberin des Unverpackt-Ladens „Nimm‘s lose“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim.
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Alexandra Stibane, Mitinhaberin des Unverpackt-Ladens „Nimm‘s lose“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim.

Schon seit bald fünf Jahren gibt es den Unverpackt-Laden „Nimm‘s lose“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim. Doch nun wenden sich dessen Inhaber mit einem dramatischen Appell an ihre Kundschaft: Wenn nicht bald wieder so viel von ihnen kommen, wie vor der Pandemie, sei es bald vorbei für das Geschäft.

Rosenheim - „Hier ist gähnende Leere! Wo seid Ihr? Man hört immer Klimaschutz, Nachhaltigkeit, ABER… Wenn es uns weiter geben soll und Euch diese Themen wirklich wichtig sind und unser Konzept am Herzen liegt, bitte kommt (wieder), bestellt online, erzählt Freunden, Verwandten, Arbeitskollegin usw von uns! Wirklich jeder Einzelne zählt!“, heißt es in einem Facebook-Post, mit dem sich der Rosenheimer Unverpackt-Laden „Nimm‘s lose“ an die Öffentlichkeit wendet. Dieser wurde, Stand Dienstag, 3. Mai, bereits über 80 Mal geteilt. Auch ein Instagram-Post desselben Inhalts traf auf viel Aufmerksamkeit. „Wir wohnen nicht zu weit weg! Die Wahrheit ist, wir sind zu faul gewesen“, so ein Kommentar darunter.

Der Facebook-Post des Unverpackt-Ladens „Nimm‘s lose“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim.

„Ende 2019 lief alles noch wunderbar. Damals haben wir sogar noch überlegt, zusätzlich jemanden anzustellen, damit wir die Kundennachfrage bedienen können“, berichtet Alexandra Stibane, Mitinhaberin des Unverpackt-Ladens „Nimm‘s lose“. Damals arbeitete noch ihr Mann Christian mit im Laden. Aktuell arbeitet er in einem anderen Beruf, damit die Familie mit zwei kleinen Kindern genügend Geld zusammenbekommt. „Wir haben seitdem zwei Drittel unserer Kundschaft und 40 bis 50 Prozent des Umsatzes eingebüßt. Wenn sich jetzt nicht bald etwas ändert, schaut es düster aus!“

Rosenheimer Unverpackt-Laden „nimm‘s lose“ appelliert an Kundschaft

Anfang Juni 2017 war es, als „Nimm‘s lose“ an der Gillitzerstraße eröffnete. Ein Jahr zuvor hatten die beiden gelernten Fotografen während einer Australien-Reise den Weg „zurück zur Einfachheit“ gefunden. In der Folge entstand die Idee, sich mit einem ökologisch-nachhaltigem Geschäft selbstständig zu machen. Der Laden bietet hauptsächlich Grundnahrungsmittel wie verschiedene Ölsaaten, Hülsenfrüchte, Reis, Nüsse, Müsli, aber auch Getreide zum „selber mahlen“. Auch Tee, Kaffee, verschiedene Brotaufstriche, Gewürze und nicht zuletzt Haushaltswaren, wie Reinigungsmittel, hat der Laden zu bieten. Als Kunde wiegt man seine „Transportmittel“ ab und befüllt dieses mit dem Produkt seiner Wahl. Diese kann man selbst mitbringen oder auch im Laden erwerben. An der Kasse wird dann das Gewicht der Dose, Flasche oder des Gläschens abgezogen und das Produkt nach Gewicht bezahlt.

In der Region gibt es immer wieder neue Unverpackt-Läden. Im Juli 2020 etwa eröffnete in Burghausen, im Landkreis Altötting, der „Kauf‘s ohne“ von Lea Stankowiak. Nach einem Jahr des Betriebs war Stankowiak 2021 im Gespräch mit unserer Redaktion noch guter Dinge, doch im Februar diesen Jahres musste das Geschäft dann schließen. In diesem Fall lag es daran, dass Stankowiak das Geschäft auf Grund einer „veränderten Situation“ nicht mehr weiterbetreiben konnte. Es fand sich jedoch kein Nachfolger. Wiederum in Neuötting eröffnete Ende September 2021 das „Natürlich unverpackt“ von Julia Wimmer, der aktuell weiter aktiv und geöffnet ist. „Wie gesagt, bis vor der Pandemie lief es bei uns ja gut“, so wiederum Alexandra Stibane, „Auch in den ersten Monaten merkten wir erstmal nicht viel. Doch dann wurden es allmählich immer weniger Leute, die zu uns kamen.“

Einzelhandelsverband mahnt Kunden: Mit eigenem Einkaufsverhalten unterstützen

„Es ist leider immer wieder so: Kaum einer wird in Abrede stellen, dass inhabergeführte Läden, gerade wenn sie spezielle Interessen wie so ein Unverpackt-Laden bedienen, das Salz in der Suppe des Einzelhandels einer Stadt sind. Nur wenn dann mal wieder einer davon schließen muss, kommen erst hinterher die vielfachen Bekundungen, wie tragisch man das findet und hätte man das doch nur gewusst, wäre man auch hingegangen“, berichtet Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern mit einem Seufzen. „Wir hatten ja eigentlich große Hoffnungen auf das Ende der Pandemie-Vorschriften gesetzt“, fährt Ohlmann fort, „zumal diese ja mit dem Frühling zusammenfallen. Denn eigentlich gilt: Steigen die Temperaturen, steigt die Kauflaune!“

„Doch es herrscht momentan eine erhebliche Konsumzurückhaltung. Denn aktuell haben die Leute Zukunftsangst, Schuld ist daran der Ukrainekrieg und die verbundenen Preissteigerungen. Grundsätzlich sind im Laufe der Pandemie die Kundenfrequenz um 20 bis 30 Prozent und die Umsätze um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen. Bislang ist uns insgesamt ein Pleitewelle im Einzelhandel erspart geblieben, aber viele, gerade inhabergeführte Geschäfte stehen teils vor dem Abgrund“, mahnt Ohlmann, „Wer also den Einzelhandel bei sich vor Ort in der aktuellen Vielfalt erhalten will, muss das auch durch das eigene Einkaufsverhalten unterstützen!“

„Wir haben über die letzten beiden Jahre wirklich alles mögliche ausprobiert: Wir bieten inzwischen einen Lieferdienst, für diejenigen, die selbst keine Verpackungen organisieren können, haben wir Pfandgläser. Außerdem stellen wir gerne Snackboxen für Büro oder Kaffeeküchen zusammen. Wir sind auch immer für alle Vorschläge, wie wir uns weiter verbessern können, offen“, betont Alexandra Stibane abschließend, „Wir bieten demnächst auch ein Mitglieder-Programm, bei dem man als zahlendes Mitglied vergünstigt einkaufen kann und so weiter. Aber auch das wird eine Tatsache leider nicht ändern: Wenn nicht bald wieder mehr Leute bei uns einkaufen, ist es leider vorbei!“

hs

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