Nach Bahnchaos in Rosenheim

Strecke als Vorsichtsmaßnahme gesperrt - Güterzüge bevorzugt?

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Rosenheim - Pendler hatten es Mittwochvormittag nicht einfach auf der Strecke zwischen Rosenheim und München. Mehrere Züge fielen aus, was für Chaos am Bahnhof sorgte.

Update, 16.10 Uhr: Stellungnahme der Deutschen Bahn

Als Vorsichtsmaßnahme bezeichnet ein Sprecher der Deutschen Bahn den Vorfall am Rosenheimer Bahnhof am Mittwochmorgen. Dabei ist ein Güterzug mit verschobener Ladung nahe Großkarolinenfeld aufgefallen. Ein entgegenkommender Lokführer hatte diese bemerkt und gemeldet, teilt der Sprecher auf Nachfrage von rosenheim24.de mit.

Daraufhin ist der Güterzug gestoppt und überprüft worden. Und parallel dazu der übrige Zugverkehr auf der Strecke ebenfalls angehalten worden. Was der Zug geladen hatte, möchte der Sprecher nicht mitteilen.

Jedoch hat sich gezeigt, dass der Zug besser nach Rosenheim zum Bahnhof gezogen wird, nachdem er überprüft worden war. Es war deutlich, dass die Ladung nicht ohne Weiteres gerichtet werden kann. Ab zirka 10.15 Uhr ist die Strecke wieder frei gewesen.

Daraufhin durften die angestauten Züge rund um den Rosenheimer Bahnhof der Reihe nach abfahren. Dabei seien Güterzüge jedoch nicht bevorzugt worden, widerspricht der Sprecher vorherigen Informationen. Die Züge seien so abgefahren, wie sie am Bahnhof hintereinander auf dem Gleis gestanden hätten.

In der Zwischenzeit seien auch drei Fernverkehrszüge und ein Zug des Meridians über Holzkirchen umgeleitet worden, um die Situation am Rosenheimer Bahnhof ein wenig zu entlasten.

ksl

Update, 14.55 Uhr: Erfahrungen eines Zugreisenden

Der Frust ist groß. Sowohl bei der Bayerische Oberlandbahn GmbH, die täglich mit dem Meridian auf den Zugstrecken rund um Rosenheim unterwegs ist, als auch bei Pendlern. In der Vergangenheit ist die Strecke oft wegen Migranten gesperrt gewesen. Am Mittwochvormittag sind einmal mehr Züge am Rosenheimer Bahnhof ausgefallen. Wenn auch aus einem anderen Grund - wegen eines defekten Güterzuges.

"Seit Wochen tendiert morgens - ich steige in Grafing Bahnhof ein - die Pünktlichkeit der Meridian-Züge gegen Null", schreibt ein Leser an die Redaktion von rosenheim24.de. "Das hat wohl auch mit andauernden Gleisbauarbeiten im Bereich Rosenheim/Chiemsee zu tun. Aber die Unpünktlichkeit ist meines Erachtens nicht das Verschulden von Meridian, sondern allein auf die Vorfahrtsregelungen der Bahn zurückzuführen."

Der Mann schreibt von seinen Erfahrungen: Wenn man zum Beispiel in Grafing am Bahnsteig auf seinen Zug warte - und das derzeit häufig dreißig Minuten und länger - dann rauschten munter Güterzüge und Fernzüge der Österreichischen und Deutschen Bahn vorbei, obwohl per Ansage der sehnlichst erwartete Meridian bereits angekündigt wurde.

"Bei Entschuldigungen des Meridian-Schaffners in verspäteten Zügen hören wir dann, man habe unterwegs Fern- beziehungsweise Güterzüge vorbeilassen müssen", schreibt der Leser. "Das klingt deutlich klarer und plausibler, als die nebulösen "betriebsbedingten Störungen", die am Bahnsteig immer vorgeschoben werden."

Das wirft bei vielen eine Frage auf, die der Leser sich ebenfalls stellt: "Ich frage mich: Ist die Pünktlichkeit Hunderter Berufspendler, von denen jährlich jeder mehr als 1.000 Euro an die Bahn überweist, weniger wert, als die Pünktlichkeit von Fernreisenden oder gar Containern?"

Auch die Informationspolitik der Bahn steht in der Kritik. "Heute morgen hörte ich ein Dutzend Mal im Minutenabstand, dass der Meridian um 7:51 Richtung München 60 Minuten Verspätung habe. Über den Zug um 8:25, den ich normalerweise nehme, wurde kein Sterbenswort gesagt", schriebt der Leser. "Als wir dann aufgefordert wurden, besser die S-Bahn zu nehmen, war diese bereits am Nachbargleis abgefahren."

ksl

Vorbericht: Bahnchaos in Rosenheim

Zu Problemen ist es am Mittwochvormittag am Rosenheimer Bahnhof gekommen. Grund dafür soll ein Güterzug sein, dessen Ladung sich verschoben hatte. Dadurch sind mehrere Züge des Meridian ausgefallen, die unter anderem zwischen Rosenheim und München fahren sollten.

"Das Problem hat den gesamten Fahrplan durcheinander gebracht", sagt Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch von der Bayerische Oberlandbahn GmbH, zu der die Meridian-Züge gehören. "Unsere Züge sind komplett ausgefallen." Dabei sei Güterzügen der Vorrang vor Zügen des Öffentlichen Personennahverkehrs eingeräumt worden, erklärt er.

Die Deutsche Bahn als Eigentümer der Strecke wollte sich auf eine telefonische Anfrage hin nicht zu dem Thema äußern. Eine schriftliche Anfrage von rosenheim24.de ist derzeit in Bearbeitung.

Erst am Dienstagabend hat es Probleme im Netz des Meridian gegeben. Zwischen 18 und 22 Uhr sind wieder spontan Güterzüge am Bahnhof Raubling auf illegal einreisende Migranten hin kontrolliert worden. Die Folge: Drei Meridian-Züge hatten mindestens eine halbe Stunde Verspätung. 

Daher hofft Bernd Rosenbusch, dass die Kontrollen bald nach Rosenheim verlegt werden. Dies ist Ende vergangener Woche angekündigt worden. Bis es so weit ist, kann es aber noch einige Wochen dauern.

ksl

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance/Silas Stein/d

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