Stadt Rosenheim wird um Hilfe gebeten

Nachtgastronomen schreiben Brandbrief: "Wir liegen am Boden und bluten aus"

Eine leere Bar
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Auch in Bayern werden aktuell noch keine Clubs, Diskotheken und dergleichen geöffnet. Darunter leiden besonders die Inhaber.

Rosenheim - Während sich die Lockerungen nach Corona immer weiter ausbreiten und für viele Branchen zumindest ein Stück weit Normalität einkehrt, bleibt die Aussicht für Club- und Kneipenbesitzer ungewiss. Die Rosenheimer Lokalbetreiber haben sich nun mit einem "Brandbrief" an die Stadt gewandt:

Der Friseurbesuch kann nicht nur in Bayern schon seit einiger Zeit wieder stattfinden, das Mittagessen im heimischen Biergarten ist absolut machbar und auch im Lieblingsrestaurant lässt sich der romantische Abend zu zweit verbringen. Für viele bedeutet das, eine schrittweise Rückkehr zum Zustand vor Corona. Wer sich aus nachvollziehbaren Gründen ausgeschlossen fühlt, sind die Inhaber von Clubs, Kneipen und Diskotheken. Auch die sonst feiernden Scharen fühlen sich nicht beachtet in der Welle der neuen Lockerungen, denn: Einen Plan, wann und wie wieder gefeiert werden könnte, den gibt es noch nicht.


"Unsere Lage scheint nicht diskussionswürdig zu sein“

Zahlreiche Betreiber des Rosenheimer Nachtlebens schließen sich nun aus diesem Grund zusammen und wenden sich in einem Brandbrief an die Stadt. Der Betreff titelt mit dem Thema „Rosenheimer Nachtgastro zu Zeiten des Lockdowns“. rosenheim24.de liegt der Brief im Wortlaut vor. Im Grundton fällt schnell auf, dass hier eine Branche ums Überleben kämpft. Es wird davon gesprochen, dass man als Erste schließen musste, keine Aussichten auf Besserung bestehen und geltende Vorschriften schlicht nicht umsetzbar sind.

Die unternehmerische Seite ist gleich zu Beginn des Briefes klar und direkt formuliert: "Leider entsteht oft der Eindruck, dass es unserer Branche sehr gut ginge. Das ist grundlegend falsch! Fakt ist, dass wir am Boden liegen und ausbluten."


Bei denen, welche kein zusätzliches finanzielles Standbein haben, winkt der finanzielle Ruin, da trotz des Entgegenkommens vieler Verpächter bei Ausbleiben von jeglichem Einkommen erhebliche laufende Kosten zu bewältigen bleiben. Ein einfaches Abwenden von der Tätigkeit sei auch nicht möglich, da Pachtverträge zum Teil auf mehrere Jahre angesetzt sind. Eine Zwickmühle zwischen Finanzen, Gesundheit und der dringenden Notwendigkeit von Planungsoptionen lässt sich erkennen.

Aktuell kein positiver Ausblick

Das Bild, das die Nachtgastronomen malen, ist kein schönes. Sollte es wie bisher geplant bis zum Herbst 2021 dauern, bis wieder „gefeiert“ werden darf, wird es — so prophezeit der Brief — in Rosenheim keine Nachtgastronomie mehr geben.

Doch nicht nur Anschuldigungen und Tatsachenberichte sind Inhalt der Stellungnahme zur aktuellen Situation. Konstruktiv wird gebeten, dass man seitens der Stadt die jeweiligen Unternehmen beispielsweise in groß angelegte Veranstaltungen wie etwa den Christkindlmarkt mit einbeziehen könne. Gemeinsame Lösungen scheinen ein tiefer Wunsch des Zusammenschlusses zu sein. Ein Ausblick, der geringfügig besser als die momentane Situation ist, aber dennoch eben das sein könnte: ein Ausblick.

Kurz angebundene Thematisierung von Seiten der Regierung

Wie eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums der dpa zu dieser Problematik mitteilte, habe man die Nachtgastronomie nicht vergessen. Jedoch müsse man vorsichtig vorgehen. Nach der aktuellen Lage sei eine Öffnung schlicht nicht möglich.

„Sowohl die Bundesregierung als auch die Bayerische Staatsregierung denken hier derzeit intensiv über mögliche Programme nach“, betont die Sprecherin. Das von Söder angekündigte Kulturhilfsprogramm solle auch beachtet werden.

FDP-Landeschef Daniel Föst äußerte sich am Sonntag gegenüber der dpa mit dem Appell, die Öffnung der Schankbetriebe dürfe wegen der Corona-Krise nicht "auf den Sankt-Nimmerleins-Tag" aufgeschoben werden. "Mit klaren Schutz- und Hygieneregelungen können wir auch Lokale, Kneipen und Bars kontrolliert öffnen und damit vor der drohenden Pleite retten", mahnte Föst.

mda

Quelle: rosenheim24.de

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