In Rosenheim

Betriebsräte aus der Region berichten von ihren Erfahrungen

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Von links nach rechts: DGB-Regionsgeschäftsführer Günter Zellner, Bülent Tirmik, Betriebsrat bei der Firma Hamberger Flooring GmbH & CO KG und Hamberger Service GmbH, Hannes Stadlbauer, Betriebsrat beim RoMed Klinikum, Bernhard Weißenbacher, Betriebsrat bei Danone und Josef Kaffl, Betriebsrat bei der Wendelsteinbahn
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Rosenheim - Wie alle vier Jahre finden seit dem 1. März und noch bis zum 31. Mai in der Region, wie auch in ganz Deutschland, derzeit Betriebsratswahlen statt. In Rosenheim berichteten vier Betriebsräte von ihren Erfahrungen.

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Betriebsräte stehen zur Wahl - aber längst nicht überall

"Es ist eine große Wahl, die aber leider in der Öffentlichkeit nicht so recht wahrgenommen wird", erklärte DGB-Regionsgeschäftsführer Günter Zellner, "Allerdings lag die Wahlbeteiligung 2014 bei 76,9 Prozent, das ist angesichts einer Wahlbeteiligung von 76,2 Prozent bei der Bundestagswahl nicht schlecht." Er wies darauf hin, dass verschiedene Studien gezeigt hätten, dass Unternehmen mit Betriebsräten produktiver, innovativer, familien- und arbeitszeitfreundlicher seien. Gleichzeitig wies er auf die vielfältigen Verbesserungen hin, welche Betriebsräte für die Beschäftigten in einem Unternehmen erreichen könnten. Davon berichteten auch vier Arbeitnehmervertreter. 

Wichtige Schutzfunktion

Bernhard Weißenbacher ist seit zehn Jahren bei Danone Betriebsrat. "Ich bin aus vielen Gründen im Betriebsrat engagiert", so der 52-Jährige. Als ein aktuelles Beispiel für dessen Engagement nannte er eine Betriebsvereinbarung über Urlaubsgrundsätze am Standort Rosenheim, der hauptsächlich Desserts herstellt und 156 Mitarbeiter beschäftigt. "Viele Kollegen arbeiten im Dreischicht-Betrieb", so Weißenbacher, "Darunter sind beispielsweise alleinerziehende Väter, die auf Urlaub im Zeitraum der Schulferien angewiesen sind." Daher habe es Kriterien dafür gebraucht, für wen wann Urlaub am wichtigsten ist. 

Schon während seiner Zeit bei der Bundesbahn war Josef Kaffl dort im Betriebsrat und ist es nun seit 1998 auch bei der Wendelsteinbahn. In dem verhältnismäßig kleinen Betrieb, der, je nach Saison, 50 bis 56 Mitarbeiter beschäftigt, könnten Probleme und Themen meist im persönlichen Gespräch mit dem Geschäftsführer geklärt werden. Ein häufiges Thema sei die Arbeitszeit."Manche Kollegen würden gerne auf ihre Pausen verzichten, um mehrere Tage durchzuarbeiten und danach dann länger am Stück frei zu haben." In solchen Fällen müsste die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften im Auge behalten werden. "Da sieht man, dass beispielsweise in solchen Fällen eine wichtige Schutzfunktion erfüllt wird", ergänzte DGB-Regionsgeschäftsführer Günter Zellner. 

Verbesserungen durchgesetzt

Hannes Stadlbauer ist seit 1991 bei den RoMed Kliniken engagiert. Die Umstellung vom Personal- zum Betriebsrat nach der Umwandlung in eine GmbH 2009 habe erhebliche Verbesserungen mit sich gebracht. "Das bayerische Personalvertretungsrecht ist das Schlechteste in ganz Deutschland", so Stadlbauer. Er beklagte, die Umstellung von Bedarfs- zu Kostenorientiertheit habe erhebliche Probleme geschaffen. "Es ist beispielsweise geradezu alltäglich, dass ein Kollege kurzfristig für einen anderen einspringen muss", klagt der 60-Jährige."Da trifft es dann natürlich häufiger die Gutwilligen, die immer wieder dazu bereit sind", ergänzte Zellner. 

Von den Neuverhandlungen des Haustarifvertrags bei der Firma Hamberger Flooring GmbH & CO KG und Hamberger Service GmbH berichtete Bülent Tirmik. Der 42-Jährige ist bereits seit 24 Jahren als Betriebsrat bei dem 1059 Mitarbeiter beschäftigenden Unternehmen engagiert. Dabei hätten erhebliche Verbesserungen erreicht werden können. "Auch das es nun eine Regelung zur flexiblen Arbeitszeit, je nach Auftragslage, bei gleichbleibender Bezahlung gibt, ist eine enorme Verbesserung", freute er sich. Auch hätte bei der Verlagerung einer Abteilung nach Bulgarien durch einen Sozialplan erreicht werden können, dass keinem fest angestellter Mitarbeiter gekündigt wurde.

Auch für Arbeitgeber Vorteil

Gerade ein solcher Sozialplan in schwierigen Zeiten sei es, wegen dem sich Beschäftigte aus Unternehmen, in denen es noch keinen Betriebsrat gibt, dann an die Gewerkschaft wende würden, berichtete DGB-Regionsgeschäftsführer Günter Zellner. Dann werde nachträglich eine Arbeitnehmervertretung ins Leben gerufen, was bei größeren Betrieben einen hohen Zeitaufwand bedeute. "So sollte es natürlich eigentlich nicht laufen", so der Gewerkschaftler. Denn im Idealfall solle ein Betriebsrat in guten Zeiten gegründet werden, damit er den Mitarbeitern in schlechten Zeiten zur Seite stehen könne."Sonst ist dann bei der Wahl viel Druck da", berichtete Zellner. Es komme aber insgesamt selten vor, dass eine Unternehmensführung sich aktiv der Gründung eines Betriebsrats in den Weg stelle. Auch die Mitarbeiter hätten am Ende dann dadurch den Vorteil, dass beispielsweise Kündigungen so auf der Grundlage eines Kompromisses beschlossen würden.

"Eine hohe Wahlbeteiligung ist ein starker Rückhalt für den Betriebsrat", erinnerte Zellner. Viele Beispiele würden zeigen, dass die Kooperationsbereitschaft des Arbeitgebers steige, wenn er wisse, dass die Beschäftigten hinter ihrem Betriebsrat stehen. So würden mögliche Konflikte schon frühzeitig entschärft. 

Quelle: rosenheim24.de

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