Praxis der Sozialen Arbeit erfahren

Sommerakademie in Bewegung: Begeistert waren die Teilnehmer von dem Projekt "Familien in Bewegung" und wollten direkt mitmachen.
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Sommerakademie in Bewegung: Begeistert waren die Teilnehmer von dem Projekt "Familien in Bewegung" und wollten direkt mitmachen.

Rosenheim - Um Studenten der Sozialen Arbeit einen Einblick in die Praxis zu geben, wurde eine dreitägige Sommerakademie organisiert.

Soziale Arbeit in Theorie und Praxis sind nicht dasselbe. Um Studenten der Sozialen Arbeit einen Einblick in die Praxis zu geben, organisierte die Jugendhilfeorganisation „Startklar Schätzel“ eine dreitägige Sommerakademie zu „Bildungsgerechtigkeit – ein Thema für die Jugendhilfe“.


„Besser als jede Vorlesung. Diese Sommerakademie hat aufgezeigt, wie Soziale Arbeit weiterentwickelt werden kann“, urteilte die Regensburger Studentin Irina Kränzler. Die Teilnehmer wollten Praxis erfahren und gute Beispiele für Soziale Arbeit im Bereich der Jugendhilfe kennenlernen, weil sie, abgesehen von ihren Praktika während des Studiums, wenig Einblick in die Praxis erhalten.

Heinz Schätzel, Geschäftsführer von "Startklar", beschloss vor vier Jahren, einmal jährlich eine Sommerakademie für Studenten durchzuführen: "Schließlich sind wir daran interessiert, gute Nachwuchsfachkräfte zu finden und mit den Hochschulen zu kooperieren."


Solche Kurse werden von Universitäten, Stiftungen und Unternehmen angeboten, um Studenten während der langen Pause einen Einblick in ein Themengebiet zu geben. Im Bereich der Sozialen Arbeit ist das neu. "Ich kannte Sommerakademien bislang nur von den Betriebswirten und habe bedauert, dass so etwas in der Sozialen Arbeit nicht angeboten wird", sagt Andreas Wegner von der Dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen.

Im Zentrum der Sommerakademie stand die Frage, ob Bildungsgerechtigkeit ein Thema für die Jugendhilfe ist. Bildung und Jugendhilfe werden auch heute noch oft institutionell getrennt - einerseits bei der Schule und zum anderen beim Jugendamt und den Trägern der Jugendhilfe.

In Rosenheim lässt sich diese Trennung jedoch nicht mehr feststellen, denn hier gibt es eine Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schulen. Im Zuge der Sozialen Stadt werden viele Projekte realisiert, welche die Förderung von Bildungsgerechtigkeit zum Ziel haben.

Wie hier die Zusammenarbeit zwischen den Schulen und der Jugendhilfe geregelt ist, erörterten Helga Wichmann vom Schulamt und Manfred Jahn vom Stadtjugendamt. Konkretisiert wurde diese Kooperation von Franz Langstein, Bereichsleiter des Sozialraums West, durch einen Vortrag.

Die Projektleiterin der Sozialen Stadt, Britta Schätzel, stellte mit ihren Mitarbeitern Emine Candir und Christian Hlatky vor, wie Bildung in der Stadtteilentwicklung gefördert werden kann. Auch das Deutsche Jugendinstitut München leistete einen Beitrag: Bettina Arnoldt stellte die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen vor.

Am meisten begeisterte die Studenten jedoch die Umsetzung in der Praxis. Sie waren voll des Lobes für das Fachkonzept der Sozialraumorientierung und die Soziale Stadt. "Ich bin neidisch auf Rosenheim. Solche Bedingungen wie hier würde ich mir für die Soziale Arbeit in meiner Heimatstadt wünschen", urteilte einer der Teilnehmer. Besucht wurden die offene Ganztagsschule an der Hauptschule Aising, die Stütz- und Förderklasse, die Freiwilligenagentur West und das Projekt "Familien in Bewegung".

"Der Einblick in die Rosenheimer Praxis erfolgte genau zum richtigen Zeitpunkt, durch die Sommerakademie haben sich viele Fragen zu meinem Berufsleben geklärt", erklärte Semra Yazan-Bachmayr. Genau das wollten die Organisatoren Heinz Schätzel und Susanne Coenen erreichen: Studenten gelungene Beispiele aufzeigen und mit ihnen in einen kritischen Dialog über die Praxis der Sozialen Arbeit treten.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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