Der CSU "politische Eiszeit" prophezeit

OVB
+
Mit einem Protestmarsch forderten Bürger von Pfaffenhofen einmal mehr den Bau einer Ortsumgehung.

Rosenheim/Schechen - Für einen sofortigen Baubeginn der Ortsumgehung haben am Freitag viele Pfaffenhofener demonstriert. Auf der B15 kam es zu starken Behinderungen.

Gut 100 Einwohner von Pfaffenhofen haben gestern Nachmittag bei einem Protestmarsch ihre Forderungen nach einem sofortigen Baubeginn der Ortsumgehung sowie der Verbannung des Schwerverkehrs aus der Ortsmitte bekräftigt. Auf der B15 kam es während des Demonstrationszuges zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.


Lothar Thaler, der Sprecher der Bürgerinitiative, die sich für eine Verlegung der B15 stark macht, ließ seinem Unmut freien Lauf, dass sich auf politischer Ebene bisher keine Bewegung im Sinne der Bürgerbewegung abzeichnet. "Zieht euch warm an", lautete diesmal das Motto der mittlerweile neunten Demonstration der Umgehungsstraßen-Befürworter, und wer vor allem damit gemeint war, machte Thaler deutlich. "Für die CSU droht eine politische Eiszeit."

Eine Botschaft, die der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner nicht mitbekommen hat, weil er sich mit etwas Verspätung in die Schar der Demonstranten einreihte, in der unter anderem auch Bürgermeister Hans Holzmeier und Pfarrer Herbert Holzner zu finden waren. Die Sprüche auf den mitgebrachten Protesttafeln machten aber nicht nur Stöttner klar, wie verärgert die Pfaffenhofener darüber sind, dass seitens der politisch Verantwortlichen noch immer kein grünes Licht für den Baubeginn der Ortsumgehung oder zumindest für eine teilweise Entlastung der lärmgeplagten Anrainer gegeben wurde. "Unser Dorf ist in höchster Not. Her mit dem Lkw-Fahrverbot!" oder "Deutschland rettet die ganze Welt, aber für die Westtangente gibt's kein Geld", war da zu lesen.


Viel Hoffnung, dass sich an der Situation rasch etwas ändert, hat Ludwig Kellnberger nicht, der 1935 in Pfaffenhofen geboren wurde und den Protest der Bürger unterstützt. Günter Neumann, seit 1945 in Pfaffenhofen ansässig, bezeichnet sich selbst als "Ureinwohner" und ging ebenfalls auf die Straße. "Weil mir das ein wichtiges Anliegen ist", wie er sagt. Deutlich jünger wie die beiden ist die Familie Schmitz, im Kampf um die Sache herrscht in Pfaffenhofen allerdings offensichtlich absolute Einigkeit zwischen Jung und Alt. Die Eltern haben Sohn Raphael (4) und Tochter Marlena (3) zur Demo mitgenommen. Teilweise im Kinderwagen verfolgten die beiden das Geschehen. Freilich gab's zur Vorsicht eine Breze von Mama und Papa, falls der Hunger zu groß würde. Auch der sieben Jahre alte Collie der Familie machte sich mit auf den Weg. Mehr als die Protesttafeln und die politischen Botschaften interessierte ihn allerdings ein anderer Vierbeiner, der das Treiben auf der B15 ebenfalls neugierig verfolgte.

Bürgermeister Hans Holzmeier versteht die Verärgerung der Bürger, diese ausschließlich an der CSU festzumachen, hält er allerdings für den falschen Weg. Vor allem dem Einsatz der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig zollte er großes Lob. "Die hängt sich fast Tag und Nacht an den Herrn Ramsauer dran und bearbeitet ihn", weiß der Bürgermeister, der dem Bundesverkehrsminister durchaus abnimmt, dass er die Sorgen der Pfaffenhofener ernst nimmt. Er hofft, dass sich bei den Beratungen des Koalitionsausschusses in Berlin doch noch finanzielle Spielräume ergeben, die die Realisierung der Ortsumgehung in naher Zukunft möglich machen. Und er setzt auf den Beschluss des Gemeinderates, für die Ortsdurchfahrt ein Fahrverbot für Lkw zu beantragen. Diesen Antrag prüfe derzeit das Landratsamt, auch die Regierung von Oberbayern habe sich bereits eingeschaltet.

Die Aussichten auf Erfolg bezeichnete das Gemeindeoberhaupt zwar als "äußerst gering", Sinn hat dieser Antrag aus seiner Sicht dennoch. "So bekommen wir einen rechtsmittelfähigen Bescheid, gegen den wir vor Gericht ziehen können."

Vermutlich bereits am kommenden Donnerstag befasst sich der zuständige Ausschuss des Bayerischen Landtags mit einer Petition, die die Kernforderungen der Gemeinde und der Bürgerinitiative - rascher Baubeginn und Lkw-Fahrverbot - zum Inhalt hat. Klaus Stöttner hat versprochen, sich für die Interessen der Pfaffenhofener stark zu machen.

Er sieht in diesem Fall "keinen grundsätzlichen Dissens zwischen Politik und Bürgerwillen". Im Kampf um die Mittel für einen baldigen Baubeginn der Westtangente glaubt er noch einen weiteren Trumpf zu erkennen, mit dem die betroffenen Bürger - auch die Stadt Rosenheim würde entlastet - punkten können.

"Es gibt in Pfaffenhofen keine Gegner einer solchen Straße." Worte, die ankamen. Da war der Herbstwind, der den Demonstranten um die Ohren wehte, zum Schluss der Veranstaltung zumindest für einen Moment dann doch ein wenig rauer als der Gegenwind, der der CSU angedroht wurde.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Kommentare