Neujahrsempfang im Kuko

"Heimat ist kein Begriff, der Menschen zurückstößt oder ausgrenzt"

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Der Begriff Heimat stand im Mittelpunkt von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauers Neujahrsrede im KuKo

Rosenheim - Alle Jahre wieder ein schönes Event: Am Dienstagabend fand der traditionelle Neujahrsempfang der Stadt Rosenheim im KuKo statt. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer hielt eine ergreifende Rede.

Über eineinhalb Stunden durften Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und ihre Bürgermeisterkollegen Anton Heindl und Dr. Beate Burkl unzählige Hände schütteln und Neujahrswünsche aussprechen. Durch ein Spalier von Schornsteinfegern kamen die geladenen Gäste in den Saal.


Dann erklangen galaktische Klänge im Kultur- und Kongresszentrum. Das Stadtorchester spielte zur Begrüßung "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss, das auch als Titelmusik des Filmes "A Space Odyssey diente. Danach wurde ein filmischer Jahresrückblick gezeigt, in dem man die städtischen Highlights des Jahres noch einmal Revue passieren ließ. 

"Ich bin stolz in welch hohem Maß Bürgerengagement, Bürgersinn und Zusammenhalt unsere Stadt prägen", begann Bauer ihre Neujahrsrede. Noch nie habe sie so viele Spenden in der Vorweihnachtszeit erhalten, die man dann ärmeren und älteren Menschen zur Verfügung stellen konnte. 


"Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss."

Die Gäste kamen durch einen Spalier von Kaminkehrern in den Saal und wurden von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und ihren Bürgermeisterkollegen per Handschlag begrüßt

Der Begriff Heimat stand im Mittelpunkt ihrer Rede. "Wir leben in Zeiten, in denen Gewissheiten ungewiss werden", sagte Bauer. Ihr Blick ging auf die Demokratie und nach Amerika: "Wer hätte je gedacht, dass ein erratischer Präsident die Vormacht einer freien Welt unberechenbar erscheinen lässt? Wer hätte nach den düsteren Erfahrungen der Weimarer Republik je gedacht, dass sich die demokratischen Parteien in Deutschland so schwer tun eine gemeinsame Regierung zu bilden und wer hätte je gedacht, dass ein zivilisatorischer Quantensprung wie das Verschwinden der Grenzen innerhalb Europas das auf friedlichen Austausch begründete Zusammenwachsen der Welt so tiefgreifende Ängste auslösen könnte?" Und doch werde der Ruf nach einem Rückzug in ein nationales Schneckenhaus immer salonfähiger. Die Forderung nach Rückbesinnung auf die Heimat werde in diesem Zusammenhang wieder laut. Bauer machen solche Rufe nachdenklich. "Ich selbst stehe dem Begriff der Heimat sehr positiv gegenüber. Ich bekenne mich bewusst zu dem politischen Auftrag, Rosenheim als lebens- und liebenswerte Heimat zu erhalten und zu gestalten."

Digitalisierung der Welt

Bauer ging auch auf die Digitalisierung der Gesellschaft ein. Als Beispiel nannte sie Estland, das Land, das die digitale Staatsbürgerschaft einführte. So sei es damit möglich, von überall auf der Welt zu arbeiten und zu wirken. "Wenn ich 20 oder 25 Jahre alt wäre empfände ich es wahrscheinlich als eine faszinierede Vorstellung so etwas auszuprobieren." Sie stellte aber in Frage, ob das doch eine wirkliche Perspektive sei, sich stetig wie ein Blatt im Wind von Ort zu Ort treiben zu lassen und doch nirgendwo wirklich anzukommen. Sei es dem Menschen nicht inne, sich an einem Ort niederzulassen?

"Heißt Heimat also nicht doch heimkommen? Wenn man dieser Frage nachspüren möchte, muss man sich mit dem Schicksal derjenigen beschäftigen, die aufgrund äußeren Zwangs nicht mehr dort hingehen können woher sie kommen." Sie denke in dem Zusammenhang auch an die Ost- und Westpreussen, und auch die Sudetendeutschen, die nach dem zweiten Weltkrieg aus ihren Häusern verjagt wurden. Im Gespräch mit diesen Menschen habe sich herausgestellt, dass sich das wahre Gefühl von Heimat im Zusammensein mit Menschen einstelle. Mit Menschen, die die gleichen Erfahrungen und Werte teilen. Kurz: "Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss. Und dabei wird es mit der Zeit immer weniger wichtig, ob diese Menschen das Gleiche Schicksal erlitten haben, also auch vertrieben worden sind. Allein wichtig ist das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Angenommenseins in einem stabilen und intakten sozialen Umfeld." Woher man auch ursprünglich stammen möge, wir haben hier in Rosenheim unsere Wurzeln und jeder hier sorgt mit seiner Arbeit und seinem Engagement dafür, dass Rosenheim auch für andere zur Heimat werden kann. "Sie schaffen Heimat! Heimat ist kein Begriff auf den eine Ideologie oder eine Weltanschauung ein Exklusivrecht haben kann oder darf. Heimat ist schon gar kein Begriff der Menschen zurück stößt oder ausgrenzt oder einen Zaun um eine definierte Gruppe zieht. Heimat ist auch das Gefühl der Identität oder Geborgenheit. Herman Hesse formulierte es so: 'Wo befreundete Wege zusammen laufen, da sieht die Welt für eine Stunde wie Heimat aus." Bauer beendete Ihre Rede mit einer Einladung und einer keinen Aufforderung Wege zu ebnen und sich auch 2018 für unsere Heimat Rosenheim zu engagieren und weiter an der Zukunft von Stadt und Landkreis mitzubauen.

Quelle: rosenheim24.de

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