Gabriele Bauer mit nachdenklicher Rede beim Neujahrsempfang im KUKO

"Mit Mut und Schneid den Intoleranten und Angstmachern entgegentreten"

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Der Begriff Mut stand im Mittelpunkt von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauers Neujahrsrede im Rosenheimer KuKo
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Rosenheim - Am Dienstagabend fand der traditionelle Neujahrsempfang der Stadt im KUKO statt. 

Über eineinhalb Stunden durften Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und ihre Stellvertreter unzählige Hände schütteln und Neujahrswünsche aussprechen. Durch ein Spalier von Schornsteinfegern kamen die geladenen Gäste in den Saal. 

Dann erklangen klassische Klänge im Kultur- und Kongresszentrum. Das J ugendorchester Die Arche spielte unter Leitung von Rainer Heilmann zur Begrüßung. Danach wurde ein filmischer Jahresrückblick gezeigt, in dem man die städtischen Highlights des Jahres noch einmal Revue passieren ließ.

Die Neujahrsrede von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer

Das Jugendocrhechter mit Dirigent Rainer Heilmann

"Heute sollen die im Vordergrund stehen, die das Leben in Rosenheim gestalten und bereichern. Die anpacken und etwas schaffen, die anderen helfen und sie unterstützen, die unsere Stadt lebenswert und offen machen. In diesem Sinne sind alle Anwesenden Ehrengäste", beginnt Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ihre nachdenkliche und mahnende Rede. Ihr besonderer Dank galt den Hilfsorganisationen, die in den Nachbargemeinden anpackten.

"Missvergnügt ist die deutsche Nation, es ist alles so kompliziert geworden. Was wirklich gefällt scheint der Ausblick auf einen allgemeinen Untergang zu sein. Täglich läuft der Katastrophenfilm 'Die letzten Tage von Deutschland'", mit diesem Zitat aus der Wochenzeitung "Die Zeit" von 2003 fährt Bauer in ihrer Rede fort. Sie will damit veranschaulichen, dass Deutschland damals wirtschaftlich der kranke Mann Europas gewesen sei. "Heute ist unser Land wieder eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt. Dennoch scheint es als wären wir heute noch eine Gesellschaft der Missvergnügten, der Ängstlichen und der Schwarzmaler." Man lebe eine zunehmende Brutalisierung der Sprache und eine neue Form der Unduldsamkeit der gesellschaftlichen Auseinandersetzung." Für Bauer deute vieles darauf hin, dass man in einer Zeit lebe, in der man "stark in der Negation und schwach im Positiven" sei.

Digitalisierung unserer Welt

Welche Auswirkung habe die digitale Entwicklung auf unsere Arbeitswelt? Durch die Digitalisierung werden laut einer Studie im Jahr 2035 1,5 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen, aber genauso viele neue entstehen. Man stehe vor einer Revolution in der Arbeitswelt, traditionelle Industrien stehen vor schwierigen Umstrukturierungsmaßnahmen. Auf diese Prozesse müsse man heute schon reagieren. In Rosenheim habe man damit bereits begonnen. "Wenn die mit der Digitalisierung verbundenen Sorgen nicht ernst genommen werden, wenn nicht gegengesteuert wird, entsteht Unsicherheit. Es breitet sich das Gefühl aus, dass weder die Gesellschaft, noch die Politik und schon gar nicht der Einzelne darauf noch Einfluss hat."

Es gelte: Je komplexer eine Gesellschaft und je schneller der Wandel ihrer Rahmenbedingungen, umso schwieriger wird es, die Steuerungsfähigkeit über politische, über wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse zu bewahren. Das Urbedürfnis des Menschen sei Sicherheit und Selbstbestimmung des eigenen Lebensumfeldes. Solche vermeintlichen Schlagwörter haben laut Bauer in einer unübersichtlichen Zeit Konjunktur. "Und auch ein vermeintliches inzwischen so demokratisches Land wie Deutschland ist auf dem besten Wege in eine Schlagwortdemokratie. Vereinfacher bestimmen unsere Debatten. Wer sich um eine differenzierte Diskussion bemüht, dringt kaum noch durch." Diese Entwicklung sei zunehmend bei Fragen der Zuwanderung zu beobachten. 

Was ist zu tun? 

"Wir müssen wieder Mut fassen", sagt Bauer. "Mut uns auch auf unbequeme Debatten einzulassen, mit Mut und Schneid den Intoleranten wie den Angstmachern entgegenzutreten." Die Forderung von Klarnamen und Netiquette und die Zensur diskriminierender und beleidigender Äußerungen in den Foren der Social Media Redaktionen reiche dafür nicht aus. "Wir müssen der Angst vor dem Kontrollverlust eine konkrete und realistische, das menschliche Maß und den zwischenmenschlichen Respekt achtende Vorstellung von unseren Zielen in Rosenheim für unsere Heimat, für unser Land, ja ich sage sogar für Europa durchsetzen." Man müsse heute handeln. 

Im Hinblick auf ihr letztes Jahr als Oberbürgermeisterin teilte Bauer mit den Anwesenden noch eine Erfahrung: "Wenn wir die Zukunft unserer Stadt gestalten wollen, dann braucht es das, was ich versucht habe auszufüllen. Es braucht Mut, es braucht Beharrlichkeit und es braucht den langen Atem. Es braucht ihn auch, um einmal Verzögerungen oder gar Rückschläge auszuhalten. Wir alle sind aufgerufen unsere Ziele, unsere Visionen, unsere Ideen in den Wettstreit der besten Konzepte einzubringen, damit Mut und nicht Angst unsere Zukunft regiert.

Sie schließt mit einem Zitat von John F. Kennedy ab: "Wann wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?"

Quelle: rosenheim24.de

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