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Mitra-Clip soll mehr Lebensqualität bringen

Neue OP-Methode am Rosenheimer Romed-Klinikum: Hoffnung für Patienten mit defekter Herzklappe

Kontrolle über den Monitor: Professor Dr. Christian Thilo sammelte viel Erfahrung mit dem Mitra-Clip-Verfahren.
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Kontrolle über den Monitor: Professor Dr. Christian Thilo sammelte viel Erfahrung mit dem Mitra-Clip-Verfahren.

Rund 35.000 Menschen werden in Deutschland jährlich an der Herzklappe operiert. Für Patienten, die von einer defekten Herzklappe betroffen sind, gibt es jetzt am Rosenheimer Romed-Klinikum eine schonende Operationsmethode. Mitra-Clip heißt die Innovation, die Patienten wieder frei atmen lassen soll.

Rosenheim – Nach einer langen Leidenszeit wieder frei durchatmen: Das Leben hat sich für eine 75-jährige Frau aus Rosenheim deutlich zum Besseren gewendet. Ihren Namen möchte sie nicht nennen, aber sie will von ihrer Erleichterung erzählen. Ein Mehr an Lebensqualität, das sie einer neuen Operationsmethode am Romed-Klinikum verdankt, minimal belastend, aber mit viel Nutzen für den Patienten. Professor Dr. Christian Thilo, neuer Chefarzt der Kardiologie am Romed-Klinikum, zeichnet dafür verantwortlich. „Manche Patienten können schon am nächsten Tag wieder über den Gang gehen“, sagt er.

Wieder mehr Lebensqualität

Patienten wie die 75-Jährige sind ihm dankbar. Sie kann endlich wieder frei durchatmen. „Ich hätte nie gedacht, wie sehr diese Atemnot meine Lebensqualität beeinflusst“, erzählt sie. Seit Monaten hatte sie an einer undichten Herzklappe gelitten. „Schon bei der kleinsten körperlichen Anstrengung musste ich stehen bleiben, um nach Luft zu schnappen.“ So beschreibt sie ihren Zustand. Bis ihr geholfen wurde – mit der cleveren Version einer Klammer, dem Mitral-Clip.

Professor Dr. Christian Thilo, Chefarzt der Kardiologie.

Ein kleiner Helfer mit Potenzial. Denn so wie die Rosenheimerin fühlen sich viele Betroffene kraftlos und ohne Energie. Und sie leiden an Kurzatmigkeit. Ein häufiges Leiden, weiß Christian Thilo. .„Dass die Klappen des Herzens nicht mehr richtig funktionieren, ist gar nicht so selten. Rund 35 000 Menschen werden in Deutschland jährlich an einer Herzklappe operiert“, sagt er.

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Die Ursachen für eine geschädigte Herzklappe sind vielfältig. Bei Mitralklappen ist in der Regel eine Undichtigkeit, die Mitralklappeninsuffizienz, das Problem. Ursachen sind zum Beispiel kleine Ausrisse der Sehnenfäden der Klappe. Aber auch ein vergrößerter Herzmuskel infolge einer Herzschwäche kann bewirken, dass sich die Segel auseinanderziehen. Geschieht das, kann das Einlassventil des linken Herzens nicht mehr richtig schließen. Zudem können bakterielle Infekte Klappen so schädigen, dass sie undicht werden.

Die Folgen sind gravierend. Ist die Mitralklappe in der linken Herzkammer betroffen, so fließt ein Teil des Blutes zurück in die Lunge. Dann erhöht sich der Druck in den Gefäßen des Atmungsorgans. Wenn der Druck zu stark ansteigt, füllen sich die Lungen mit Wasser, und der Patient leidet unter Luftnot.

Herzkammern können Schaden nehmen

Wird dieser Herzfehler nicht behandelt, können auch der rechte Vorhof und die rechte Herzkammer Schaden nehmen und zur Trikuspidalklappeninsuffizienz führen. Folgen sind Wassereinlagerungen in den Beinen sowie im Spalt zwischen Brustwand und Lunge. Bei einer Insuffizienz der Mitralklappen fließt auch zu wenig Blut in den Körperkreislauf. Die typischen Anzeichen der Betroffenen sind Müdigkeit, Schwäche und Probleme bei der Konzentration.

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Die Idee dagegen wurde beim Medizinhersteller Abbott Medical GmbH entwickelt. An ausgewählten Kliniken und Zentren in Deutschland ist es zugelassen – darunter am Romed-Klinikum Rosenheim.

Lange hätten diese Formen der beschädigten Herzklappen als schwer behandelbar gegolten, sagt Thilo. „Sie konnten mittels herkömmlicher Verfahren nur unter Brustkorböffnung und Herzstilllegung operiert werden.“.

Erfahrungen an der Uniklinik

Doch dann kam das Mitral-Clipping, mit dem Thilo vor seinem Wechsel nach Rosenheim im November vergangenen Jahres an der Uniklinik Augsburg viel Erfahrung sammeln konnte. Das alternative und weniger riskante Verfahren mit guten Langzeitwerten eignet sich besonders für ältere Herzpatienten mit Begleiterkrankungen. Dass es nun in Rosenheim angeboten wird, verdankt die Region auch der Landschaft: Christian Thilo ist gebürtiger Oberammergauer, liebt Berge und Skifahren. Die malerischen Gipfel im Süden Rosenheims seien schon verlockend gewesen, sagt er den OVB-Heimatzeitungen.

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Der Eingriff dauert im Schnitt eineinhalb Stunden. Mittels Kathetertechnik werden die Herzklappensegel mit einer Klammer so verbunden, dass kaum mehr Blut zurückfließen kann.

Der Implanteur findet seinen Weg über Ultraschall mittels einer Sonde in der Speiseröhre – daher ist zunächst eine milde Narkose nötig. Durch einen kleinen Schnitt führt der Kardiologie dann einen feinen Schlauch durch die Leiste des Patienten und überprüft am Monitor die Position.

Metall und Polyesterfasern

Nun passiert der Schlauch die Vorhofscheidewand und gelangt zum Bereich der undichten Segel. Dort platziert der Herzspezialist den Mitra-Clip, eine Klammer aus aus Metall und Polyesterfasern. nicht größer als ein Cent-Stück. Und mit dem Clip verschließt er so weit wie möglich die defekte Herzklappe. „Man kann die Insuffizienz manchmal nicht gänzlich beheben“, sagt Thilo, „aber die Atembeschwerden lassen trotzdem nach und die Herzfunktion kann sich erholen.“

Der Patientin steht ihre Freude noch immer ins Gesicht geschrieben. „Ich wusste gar nicht mehr, wie das ist – frei atmen“, sagt sie.

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