"Menschen sind keine Maschinen"

Weihe mit Seltenheitswert: Pfarrer Taddäus Josef Jakubowski weihte bei der Spedition ATO in Rosenheim zehn Lastwagen.
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Weihe mit Seltenheitswert: Pfarrer Taddäus Josef Jakubowski weihte bei der Spedition ATO in Rosenheim zehn Lastwagen.

Rosenheim - Ein Ereignis der besonders spirituellen Art erlebten nun Lkw-Fahrer: Pfarrer Thaddäus Josef Jakubowski segnete zehn Trucks in Rosenheim.

„Lkw-Fahrer ist ein gefährlicher Job“, meint Pfarrer Thaddäus Josef Jakubowski. Der Einsatzort des katholischen Geistlichen ist eigentlich das Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg, doch jetzt segnete er zehn Trucks in Rosenheim. Die Fahrer freuten sich über diese außergewöhnliche kirchliche Veranstaltung: „Den Schutz von oben können wir gut brauchen. Unser Leben ist alles andere als leicht.“


Der 30-jährige Kai Gleditcsch liebt seinen Beruf. "Lastwagenfahren ist mein Leben", erzählt der Oberaudorfer. Zehntausende von Kilometern legt er im Jahr auf den Straßen in ganz Europa zurück. Brenzlige Situationen gehören zu seinem beruflichen Alltag ebenso wie Mitmenschen, für die Brummi-Fahrer ein Dorn im Auge sind.

"Die Leute wollen zwar nicht auf Lebensmittel verzichten, die von weit her kommen, aber sie ärgern sich, wenn sie uns auf der Autobahn sehen und wir ihnen mal wieder zu langsam sind." Dieses Verhalten kann Gleditcsch nicht nachvollziehen: "Ich würde mir wünschen, dass die Menschen unsere Arbeit mehr würdigen."


Das Gefühl "Angst" verdrängt er bei seinen Fahrten so gut es geht. "Wenn ich dieses Gefühl hätte, dürfte ich erst gar nicht mehr in meinen Truck einsteigen", meint der langjährige Trucker. Allerdings kennt auch er, wie viele andere seiner Kollegen, Situationen, in denen es ihm "mulmig" wird.

"Immer dann, wenn ich an einem Laster vorbeikomme, der im Graben liegt", gibt der 30-Jährige zu. Derartige Bilder stimmen ihn nachdenklich: "Nach so einem Vorfall fahre ich tatsächlich in den nächsten Wochen immer besonders vorsichtig."

Sein Kollege Harald Liebhaber hat den größten Respekt vor Fahrten in den Innenstädten. Im alltäglichen Verkehrschaos sei die Unfallgefahr am höchsten. "Es gibt eben den toten Winkel. Doch auch wenn man weiß, dass man so einen Unfall eigentlich nicht verhindern kann, fühlt man sich schuldig", sagt er.

Das "absolute Alptraumszenario" eines jeden Lastwagenfahrers ist nach seinen Worten aber ein Stauende. "Da reicht es schon, wenn mein Hintermann nicht frühzeitig bremst und meinen Lastwagen auf die vorderen Fahrzeuge schiebt. Was dabei passieren kann, will ich mir gar nicht vorstellen", sagt der 39-Jährige, der seit zwei Jahren als "Brummi-Fahrer" tätig ist.

Von seiner Lebensgefährtin Angela Ingenlath kam die Idee, Lastwagen segnen zu lassen: "Ich habe im Fernsehen Bilder von einem Lastwagenunfall gesehen. In solchen Augenblicken macht man sich um seinen Partner schreckliche Sorgen."

Markus Grüner von der Spedition ATO griff Ingenlaths Vorschlag auf und suchte nach einem Geistlichen, der diese Aufgabe übernehmen wollte.

Pfarrer Taddäus Josef Jakubowski erklärte sich dafür sofort bereit, auch wenn es die erste Lastwagen-Weihe in seinem Leben war. "Fahrzeugweihen an sich finden schön häufig statt. Aber Lastwagen-Weihen sind tatsächlich bei uns in Deutschland eine Seltenheit", so der Geistliche.

Er selbst ließ sich für seinen Einsatz in Rosenheim in einem Lastwagen transportieren. "Das war eine sehr interessante Erfahrung", erklärte der Pfarrer danach. So ein riesiges Fahrzeug wirke robust und überaus bequem. Doch man dürfe eben nie vergessen: "Der Mensch, der es steuert, ist eben keine Maschine. Es gibt keinen hundertprozentigen Profi. Fehler werden immer passieren."

Oberbayerisches Volksblatt

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