IN DER KIRCHE HEILIGE FAMILIE

„Mein Wort zum Sonntag“: Gottesdienstreihe startet am 20. Februar in Rosenheim

Der Altar ist mit dem Fastentuch verhüllt, die Kirche aber höchst lebendig: In Heilig Blut in der Kastenau finden an den sechs Fastensamstagen jeweils um 19 Uhr besondere Gottesdienste statt.
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Der Altar ist mit dem Fastentuch verhüllt, die Kirche aber höchst lebendig: In Heilig Blut in der Kastenau finden an den sechs Fastensamstagen jeweils um 19 Uhr besondere Gottesdienste statt.

Corona zum Trotz: In der Rosenheimer Kirche Heilige Familie startet am Samstag, 20. Februar, wieder die beliebte Gottesdienstreihe „Mein Wort zum Sonntag“. An sechs Fastensamstagen erzählen Menschen dort über ihren ganz persönlichen Glauben.

Rosenheim – „Es gibt eben so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt“, sagte Josef Ratzinger einmal in einem Interview, als er noch nicht Papst Benedikt XVI. war, sondern Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation. Und in der Kastenau wird dieser schöne und in seiner Weite fast überraschende Satz mit Leben erfüllt: An sechs Gottesdiensten während der Fastenzeit sprechen in der Kirche Heilige Familie ganz normale Menschen über ihren ganz persönlichen Glauben, ausgehend von einer selbst gewählten Bibelstelle.


Hannelore Maurer, Gemeindereferentin der Stadteilpfarrei und damit Mitglied des Seelsorgeteams, hat diese Gottesdienstreihe, die sich „Mein Wort zum Sonntag“ nennt, vor neun Jahren mit ins Leben gerufen. Sie war und ist der Überzeugung, dass Glauben nichts ist, was sozusagen allein „von oben“ verordnet und dann vom Kirchenvolk „nachgeglaubt“ werden kann, sondern dass Glauben aktiv von jedem einzelnen mitgestaltet wird: „Jeder Mensch hat bezüglich des Glaubens eine Kompetenz, die ernst zu nehmen ist“, sagt sie, „die Zukunft der Kirche wird von den vielen Einzelnen leben, die ihren Glauben mit Inhalt füllen“.

Bereicherung für die Zuschauer


Und die Gottesdienstreihe an sechs Samstagabenden vor Ostern zeigt, wie vielfältig dieser Glauben ist, aus wie vielen unterschiedlichen Lebenserfahrungen er sich speist und auch, welchen Anfechtungen er dann und wann ausgesetzt ist. Dazu kann durchaus auch das Unbehagen über manche Haltung der Amtskirche zählen.

„Baustellen hat die Kirche derzeit schließlich genug“ sagte Kabarettist Peter Kirmair, der im vergangenen Jahr die Gottesdienstreihe eröffnete, in einem Interview. Gerade diese Bandbreite der persönlichen Zeugnisse, die Licht ebenso miterfasst wie Schatten, macht sie authentisch, damit nachvollziehbar und deshalb zu einer Bereicherung für die Zuhörer.

Man erkennt, was sonst üblicherweise verborgen bleibt: Dass Glauben auch für andere eine Hilfe und ein Grund zur Lebensbejahung ist, dabei gleichzeitig aber immer etwas bleibt, um das in gewissem Maß auch gerungen werden muss. Ganz entscheidend dabei ist, dass dabei das Wort des Kardinals Josef Ratzinger ernst genommen wird und deshalb nicht nur Katholiken zu Wort kommen, sondern Gläubige der ganzen Ökumene und darüber hinaus: Auch ein Muslim war schon einmal zu Gast.

Dass die persönliche Glaubenserfahrung dabei zum Auftakt immer von einem bekannteren Menschen aus der Region stammt – am heutigen Abend ist es Bezirksrat Günther Wunsam – half am Anfang auf die Gottesdienstreihe aufmerksam zu machen. Mittlerweile, so sagt Hannelore Maurer, hat sich aber ein fester Zuhörerstamm herausgebildet, zu dem erfreulicherweise immer wieder neue stoßen.

Beginn um 19 Uhr, Platz für 37 Besucher

Allen aber die sich in den vergangenen Jahren und auch für dieses Jahr wieder als Vortragende haben gewinnen lassen, muss man hohen Respekt zollen. Schließlich ist es nicht einfach, den Glauben und damit sein Innerstes nach Außen zu tragen. Allerdings, so sagt Hannelore Maurer, hätten es fast alle ihrerseits im Nachhinein als eine große Bereicherung empfunden. „Die Mühe, das, was einen hält, aber manchmal auch umtreibt, für andere in Worte zu fassen, beschert einem selbst größere Klarheit“. Und gibt dabei allen Beteiligten Kraft, wie sie meint. Sich um das zu kümmern, was in der Amtskirche nicht optimal laufe, sei durchaus wichtig, man müsse es deutlich benennen und auf Änderung drängen.

Nicht weniger wichtig aber sei das konkrete und positive Tätigwerden vor Ort: Dem Nächsten durch Beispiel, durch Alltagshilfe und Unterstützung den „mitgehenden Gott“ erfahrbar zu machen, sei etwas was nicht nur die Kirchengemeinde, sondern auch die Gesellschaft am Leben erhalte.

Wie viel Spielraum, welche Möglichkeiten der einzelne dabei hat, das wird in der Gottesdienstreihe in Heilige Familie an den sechs Fastensamstagen jeweils um 19 Uhr noch einmal ganz besonders erlebbar, 37 Besucher können jeweils einen „coronaverträglichen“ Platz finden.

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