Straßenbaustellen: Kein Ende in Sicht

Rosenheim - Eine Einbahnstraße hier, komplett gesperrte Straßen da und zäher Verkehr vor allem zu Stoßzeiten. Das Fehlen der Westumgehung war noch nie so spürbar wie jetzt.

Straßenbaustellen an allen Ecken und kein Ende: Den Rosenheimern und Besuchern der Stadt geht allmählich die Geduld aus. So deutlich wie derzeit während der Sperrung der Hubertusstraße hat sich in der Innenstadt das Fehlen der Westumgehung noch nie bemerkbar gemacht.


Jetzt zögern die Stadträte, wenn es um weitere Projekte geht. 2005 und 2006 hatte der Haupt- und Finanzausschuss dem Ausbau des Ludwigsplatzes einschließlich Färber-, Wein-, Adlzreiter- und Kaiserstraße grundsätzlich zugestimmt. Das war noch vor der Landesgartenschau.

Mit Blick auf das Jahrhundertereignis war man bereit, viel in Kauf zu nehmen unter dem Motto „Unsere Stadt soll schöner werden“. Sie ist auch schöner geworden, nur ließen sich vorher nicht alle Maßnahmen abschließen.


So stehen am Salzstadel noch die Erneuerung der Fahrbahn zwischen Ruedorffer- und Kaiserstraße und die Deckschicht für das Rondell aus.

Für die Kaiserstraße hatte der Stadtrat damals das Pflastern der Gehwege, nicht aber der Fahrstreifen beschlossen, zudem das Beibehalten der Parkplätze am Fahrbahnrand.

Jetzt hatte das Tiefbauamt für die Kaiserstraße Planungskosten in Höhe von 50000 Euro beantragt, damit es die letzten Arbeiten am Salzstadel und in der Kaiserstraße im nächsten Jahr gleichzeitig durchführen kann. "Wir dürfen es den Leuten in diesem Quartier zumuten, noch zweimal mit Sperrungen und Lärm konfrontiert zu werden", argumentierte Tiefbauamtschef Hans-Joachim Stein.

Zudem sei es wirtschaftlicher, zwei Baustellen in räumlicher Nähe auf einmal abzuwickeln.

Doch die Ausschussmitglieder zögerten. SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Leicht konnte sich nicht vorstellen, wie der Verkehr geleitet werden sollte, wenn Salzstadel und Kaiserstraße gleichzeitig gesperrt sind. "Über die Frühlingstraße", steht für den Leiter des Tiefbauamtes fest. Immerhin habe der Verkehrsausschuss kürzlich ohnehin beschlossen, die Durchfahrt über den Ludwigsplatz möglichst unattraktiv zu gestalten.

Es ging aber nicht nur um Umfahrungsmöglichkeiten. CSU-Stadtrat Dr. Georg Bergmaier bezweifelte, ob es überhaupt notwendig ist, die Kaiserstraße im nächsten Jahr in Angriff zu nehmen. Aus seiner Sicht gibt es in der Stadt andere Straßen, in denen eine Erneuerung oder Reparatur dringlicher wäre. Stein wies auf gravierende Schäden in der Kaiserstraße vom letzten Winter hin. Die Schadensbehebung sei nur mit Blick auf die Gesamtmaßnahme zeitlich geschoben worden.

Unterführung Küpferling: Problem noch nicht gelöst

Es bestehe in der Kaiserstraße enormer Verbesserungsbedarf, was die Gestaltung angeht, meinte Grünensprecher Franz Lukas. Doch genau diese "Verbesserung der Aufenthaltsqualität" kann Dr. Beate Burkl, Freie Wähler/UP, nicht erkennen, wenn zwar die Fahrbahn erneuert und die Gehwege gepflastert werden, die Parkplätze auf beiden Seiten der Straße jedoch erhalten bleiben. "Wenigstens eine Seite von parkenden Autos freimachen", forderte Gabriele Leicht.

Auf eine solche Grundsatzdiskussion wollte sich Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer aber in der Sitzung nicht einlassen. Wie vom CSU-Fraktionsvorsitzenden Herbert Borrmann gefordert, will auch sie als Entscheidungshilfe eine Prioritätenliste sehen, in der alle anstehenden Baumaßnahmen für das nächste Jahr mit zeitlicher Abfolge aufgeführt sind. Diese Liste wird das Tiefbauamt entweder im Verkehrsausschuss am Donnerstag nächster Woche oder im Haupt- und Finanzausschuss am 15. November vorlegen.

So schnell wird es auf jeden Fall nicht vorbei sein mit den Baustellen in Rosenheim. Eine eher kleinere, aber für die Betroffenen doch ärgerliche Störung ist die einseitige Sperrung der Unterführung in der Küpferlingstraße, wo wegen der Gewährleistung umfangreiche gutachterliche Untersuchungen notwendig waren - und das Problem ist immer noch nur provisorisch gelöst. "Im nächsten Jahr muss wieder gesperrt werden", kündigte Stein an.

Ein großer Brocken steht bis 2016 an. Die Standfestigkeit der Bahnbrücke in der Kufsteiner Straße ist dann nicht länger gewährleistet. Der vierspurige Ausbau der Kufsteiner Straße bis kurz vor der Panorama-Kreuzung kommt auch noch. Doch niemand weiß, wann: Bisher fehlt die Zusage des Bundes für eine Beteiligung an den Kosten von 15,3 Millionen Euro.

Oberbayerisches Volksblatt

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