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Elektromobilität

In Rosenheimer Mehrfamilienhäusern: Nicht jeder bekommt seine Ladesäule

Wer sein Elektrofahrzeug in Rosenheim zu Hause statt an öffentlichen Punkten laden will, muss einige Hindernisse überwinden.
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Wer sein Elektrofahrzeug in Rosenheim zu Hause statt an öffentlichen Punkten laden will, muss einige Hindernisse überwinden.

Auch wer in einem Mehrparteienhaus wohnt, hat Anspruch auf einen Ladeanschluss für sein Elektrofahrzeug. Doch selbst wenn die rechtlichen Hürden für die Installation inzwischen recht niedrig liegen, ist es in Rosenheim dennoch nicht allzu einfach, sich den Wunsch nach einer heimischen Stromtankstelle zu erfüllen.

Rosenheim – Die Wahrscheinlichkeit, in Rosenheim auf ein Auto zu treffen, dessen Kennzeichen auf den Buchstaben E endet, nimmt zu. Waren im Januar 2017 noch gerade mal 25 Elektrofahrzeuge in der Stadt Rosenheim gemeldet, waren es im Januar 2021 bereits 250. Tendenz steigend, wie seitens der Verwaltung zu hören ist.

Dass mit dieser Entwicklung auch der Bedarf an Lademöglichkeiten steigt, haben Rosenheims Stadträte bereits erkannt. Sie gaben im November grünes Licht in Richtung Verwaltung, Standorte für neue öffentliche Ladesäulen auszumachen und Fördertöpfe, um diese zu finanzieren.

Doch wer in Rosenheim mit dem Gedanken liebäugelt, eine eigene Ladestation – eine sogenannte Wallbox – an seinem Stellplatz zu installieren, stößt auf Probleme. Zumindest, wenn er kein Haus sein Eigen nennt und in einer Wohnanlage lebt.

Kein Veto mehr möglich

In einer solchen wohnt der Rosenheimer Thomas Müller. Er gehört dem Eigentümerbeirat an und kümmert sich um die Tiefgarage. Dort steht inzwischen das erste Elektromobil, verbunden mit dem Wunsch, nach einer eigenen Wallbox. Diesem Wunsch nach einer oder sogar mehrerer Lademöglichkeiten in der Tiefgarage der Happinger Siedlung entspricht auch ein allgemeiner Beschluss der Wohnungseigentümer.

Rechtlich ist dies seit 2020 nicht mehr das Problem. Seitdem könne die Eigentümerversammlung einer Wohnanlage den Wunsch eines Bewohners nach einer eigenen Wallbox nicht länger abschlagen, wie Norbert Endres berichtet. Der Energieberater bei der Verbraucherzentrale Bayern verweist darauf, dass sich auch Vermieter inzwischen dem Wunsch ihres Mieters nach einer Wallbox nicht länger verweigern dürften. Grundlage hierfür ist das Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz.

Niedrige Hürden bei geringen Ladeleistungen

Auch gegenüber dem heimischen Stromversorger seien die Hürden, zumindest für kleinere Wallboxen bis zwölf Kilowatt Ladeleistung, niedrig. Diese müssten lediglich angemeldet werden.

Erst, wenn die Wallbox diesen Wert überschreite, müsse auch der örtliche Netzbetreiber sein Einverständnis geben, wie Endres schildert. Ab rund 700 Euro starten die Preise für Wallboxen, die bei Tests des ADAC nicht einmal schlecht abschneiden. Hinzu kommt die Installation durch einen Elektrofachmann.

Auf intelligentes Lademanagement achten

Doch praktisch ergeben sich mitunter Probleme. Zumindest dann, wenn jeder Hausbewohner mit Stellplatz einen Ladepunkt für seinen Stromer haben möchte, kann das hiesige Stromnetz schnell an seine Grenzen kommen.

Das wollen auch die Eigentümer besagten Wohnkomplexes in Happing von den Rosenheimer Stadtwerken (SWRO) erfahren haben. Diese hätten dem Eigentümerbeirat signalisiert, dass nach zwei Ladeboxen für Elektrofahrzeuge Schluss sei. Zumindest so lange, bis ein weiterer Trafo in der Umgebung installiert würde.

Lesen Sie auch: Haager E-Mobilitätsexperte Hans Urban: Warum sich der Umstieg auf einen „Stromer“ gerade jetzt lohnt

„Beim Ausbau der E-Mobilität wird moderne Digitaltechnik zur Steuerung des Lastgangs (Lastenmanagement) installiert“, antworten die Rosenheimer Stadtwerke auf Anfrage nach der Netzbelastung durch private Wallboxen.

Diese Technik verhindere eine Überlastung der vorhandenen Infrastruktur. Die Stadtwerke böten zusätzlich einen separaten Tarif mit abschaltbaren Ladeeinheiten, die ebenfalls eine Überlastung verhindern. „Die SWRO überwachen das Stromnetz ständig und erweitern dessen Kapazität bei Bedarf.“

Wer dennoch mit der Installation einer solchen Lademöglichkeit liebäugelt, sollte auf Wallboxen mit intelligentem Lademanagement achten, empfiehlt Energieberater Endres. Bei diesen könne unter anderem der Netzbetreiber die Ladebox steuern und bestimmen, wann Strom fließt. Endres empfiehlt dies mit Blick auf mögliche neue Stromtarife, bei denen die Kilowattstunde günstiger ausfällt, wenn weniger Verbraucher am Netz hängen.

Haushaltssteckdosen nur im Notfall nutzen

Inzwischen legen viele Elektrofahrzeughersteller ihren Autos auch Adapter bei, mit denen der Wagen an eine Haushaltssteckdose angeschlossen werden kann. Alle, die mit dem Gedanken schwanger gehen, mit diesem Adapter auf eine Wallbox verzichten zu können, warnt Endres ausdrücklich davor, diese Option für regelmäßiges Laden zu nutzen.

Hier handle es sich lediglich um eine Notlösung. Denn die klassischen Schuko-Steckdosen seien nicht für dauerhafte Leistungsspitzen ausgelegt, wie sie beim Laden von Elektrofahrzeugen notwendig sind. Nicht umsonst würden Elektroherde ihren Strom gerade nicht über eine Haushaltssteckdose ziehen, sondern über einen Starkstromanschluss. Denn bei Dauerbelastung drohe, dass die Steckdose heißlaufe, kokele und schlimmstenfalls in Brand gerate.