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Vorkommnisse in Rosenheim schlagen weiter hohe Wellen

Kritik nach Hoagascht-Skandal wird immer lauter – greift jetzt die Polizei ein?

Themenbild: Der antisemitische und rassistische Witz im Kuko schlägt weiter Wellen
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Themenbild: Die Vorkommnisse beim Hoagarten des GTEV Rosenheim im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum (Kuko) Anfang April sorgen weiter für Diskussionen. Kritik kommt nun auch von offiziellen Stellen.

Der antisemitische und rassistische Witz, der beim Hoagarten des GTEV Rosenheim im Kultur- und Kongresszentrum (Kuko) Anfang April fiel, schlägt weiter hohe Wellen. Während sich der Trachtenverein GTEV Rosenheim I Stamm entschuldigt, hagelt es von offiziellen Stellen Kritik. Wegen des Teilnehmers mit einem Hakenkreuz am Hut schaltet sich nun die Polizei ein.

Rosenheim - Nach wie vor für Aufsehen sorgt ein antisemitischer und rassistischer Witz, der Anfang April im Kuko fiel. Der Trachtenverein hat sich in einer Pressemitteilung nochmal öffentlich entschuldigt. „Wir entschuldigen uns für den auch für uns untragbaren Witz”, heißt es in der Erklärung des Vorsitzenden Franz Grießl. Allerdings seien die Beiträge des Sprechers Karl Heinz Fürst nicht genau abgesprochen gewesen, deshalb hätte man im Vorfeld kein “Nein” aussprechen können. Nochmals distanzierte sich der Verein „von jeder Form des Rassismus und Antisemitismus”.

Der Trachtenverein geht auf Distanz zu Sprecher Karl Heinz Fürst.

Harsche Kritik gab es derweil von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS) des  Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Leiterin Dr. Annette Seidel-Arpaci erklärte: „Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, dass der allerorten vorgebrachte Satz ‚Rassismus und Antisemitismus haben natürlich keinen Platz in (...)‚ eine Floskel ist. Hier geht sie einher mit der fragwürdigen Einsicht, dass das offene Aussprechen der Ressentiments eben ‚nicht mehr salonfähig‘ sei.” Auch der Verweis auf jüdische Freunde, die den Witz lustig gefunden hätten, zeige, „dass nicht verstanden werden will, wie der ‚Witz‘ an das antisemitische Klischee vom verkaufstüchtigen Juden, dem Geld über alles geht, anknüpft.”

Ein Symbol für Alltagsrassismus und Antisemitismus

In Oberbayern ist die Zahl der antisemitischen Vorfälle laut RIAS im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Dabei handelte es sich allerdings zumeist um Vorgänge im Zusammenhang mit sogenannten Querdenkern und anderen Verschwörungstheoretikern. Dort wie hier werden antisemitische Klischees reproduziert. 

Auch der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Landesregierung, Ludwig Spaenle (CSU), zeigte sich betroffen: „Der Witz muss klar als Symbol für Alltagsrassismus und Alltagsantisemitismus erkannt werden.” Spaenle forderte zudem mehr Sensibilität im Umgang mit solchen Witzen: „Es ist wichtig und notwendig, dass wir sie (diese Witze) nicht dulden.”

Den Verweis von Karl Heinz Fürst auf den Ursprung des Witzes sieht der Politiker besonders problematisch: „Gerade der Hinweis auf den Ursprung des Witzes aus dem Jahr 1929 weist auf ein höchst problematisches Faktum hin: Gerade in der Weimarer Zeit sind Rassismus und Antisemitismus weit verbreitet.” Das sei aber alles andere als eine Legitimation: „Formen des Alltagsrassismus und Alltagsantisemitismus können den Boden für wachsenden Rassismus und Antisemitismus bereiten und haben das historisch mitbereitet. Toleranz ist hier fehl am Platz.”

Die Polizei prüft den Vorfall

Bezüglich der Beobachtungen einer Teilnehmerin, ein Mann hätte einen Hutanstecker mit einem Hakenkreuz getragen, distanzierte sich der Rosenheimer Trachtenverein Stamm I nochmals ausdrücklich. Es sei aber unglücklich, dass sie erst fünf Wochen nach dem Abend davon erfahren hätten. Am gleichen Abend hätte man noch sofort rechtliche Schritte einleiten können. Dass nun Trachtenvereine und die Trachtensache an sich mit Rassismus und Antisemitismus in Verbindung gebracht werden, bedauere der Verein sehr.

Wegen des Vorwurfs prüft das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim, ob es ein Ermittlungsverfahren einleitet, wie ein Sprecher auf OVB-Anfrage erklärte. Das Tragen von verfassungsfeindlichen Symbolen ist ein Offizialdelikt und wird daher auch ohne Anzeige verfolgt.