Radler müssen weiter schieben

Rosenheim - Radfahrer müssen auch in Zukunft ihre Räder schieben, wenn sie in Rosenheim die Fußgängerzone durchqueren.

Den Vorschlag, ihnen zumindest nachts das Durchfahren zu gestatten und zu Zeiten, wenn Autos zum Liefern einfahren, lehnte der Verkehrsausschuss jetzt ab.


Die Stadt will an die Zeiten des Modellprojekts "Fahrradfreundliche Stadt" anknüpfen und den Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr wieder steigern. Der Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr stieg damals, in den 80er-Jarhen, von 11 auf 25 Prozent. Inzwischen ist er wieder gesunken, auf 20 Prozent. Zur Diskussion stand deshalb unter anderem, das Radfahren in der Fußgängerzone zu erlauben, und zwar nachts und während der Lieferzeiten, wenn auch Autos zugelassen sind.

Die Verkehrsbehörde der Stadt legte den Stadträten jedoch nahe, keine Ausnahmen zuzulassen. Während der Sommermonate herrsche in den Fußgängerbereichen, bedingt durch die Öffnungszeiten des Einzelhandels, der Gastwirtschaften und insbesondere der Außengastronomieflächen, ein reger Fußgängerverkehr. Vor allem ältere Bürger und Eltern mit kleinen Kindern fühlten sich durch Radfahrer in der Fußgängerzone gefährdet, zumal der Bewegungsraum durch die Gastronomieflächen ohnehin schon eingeschränkt sei.


Der Seniorenbeirat der Stadt sprach sich ebenfalls dagegen aus und befürchtete, jede zeitliche Aufweichung des generellen Fahrverbots würde die Radfahrer dazu verleiten, das zu anderen Zeiten geltende Durchfahrtverbot dann auch zu missachten.

Nicht durchsetzen konnte sich der Fahrradbeauftragte der Stadtverwaltung, Jürgen Stintzing, mit seiner gegenteiligen Meinung. Er hätte die Lockerung begrüßt. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer hatte sich bei einer ersten Diskussion im Juli noch offen für den Wunsch des Arbeitskreises Fahrradverkehr gezeigt, die Fußgängerzone während der ruhigeren Zeiten für das Radfahren freizugeben. Jetzt aber bezog sie sich auf die Stellungnahme des Seniorenbeirats. "Das ist für mich ausschlaggebend. Ich möchte nicht an diesen Gremien vorbei entscheiden", sagte sie.

Als Mitglied des Arbeitskreises Fahrrad und für die SPD-Fraktion regte Elisabeth Jordan an, zumindest eine Probephase zuzulassen, was aber nicht weiter verfolgt wurde. Zum Schluss stimmten nur sie und ihr Fraktionskollege Andreas Lakowski sowie Peter Rutz von den Grünen für die zeitweise Öffnung. Bei sieben Gegenstimmen hatten sie keine Chance.

Oberbayerisches Volksblatt

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