Finsterwalderstraße: Stellplatzschlüssel reduziert

Das alte Bild: Im oberen Parkdeck an der Westerndorfer Straße herrscht gähnende Leere. So etwas will die GRWS in der Finsterwalderstraße vermeiden.
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Das alte Bild: Im oberen Parkdeck an der Westerndorfer Straße herrscht gähnende Leere. So etwas will die GRWS in der Finsterwalderstraße vermeiden.

Rosenheim - Für 100 Wohnungen will die städtische Rosenheimer Wohnbaugesellschaft (GRWS) in der Finsterwalderstraße 100 Parkplätze schaffen.

Wäre die Wohnbaugesellschaft ein privater Bauträger, müssten es rund 170 sein. Solche Sonderbehandlung erbost manche Bürger. Sie befürchten, dass ein zu eng bebautes Quartier entsteht, in dem die Parkplatzsuche zum Problem wird. Auf Wunsch der GRWS hat der Stadtrat die Stellplatzverordnung verändert.


Normalerweise gilt, dass für Anlagen wie die in der Finsterwalderstraße pro Wohnung durchschnittlich 1,63 Parkplätze bereitzustellen sind, für größere Wohnungen sogar zwei. Die GRWS hat jedoch angegeben, die Mieterstruktur im öffentlich geförderten Wohnungsbau sei eine andere. Deshalb sei es nicht notwendig, den üblichen Stellplatzschlüssel anzuwenden.

Was Stellplätze angeht, ist die GRWS ein gebranntes Kind. In der Westerndorfer Straße hat sie eine Parkgarage gebaut, in der sich die Mieter nur für die untere Ebene interessiert haben. Die obere steht seit Jahren leer, gut einsehbar von der Westerndorfer Straße. Inzwischen ist es nach Angaben der GRWS, zwar gelungen, die Hälfte dieser 70 Parkplätze fremd zu vermieten, also nicht an die Mieter der Lessingstraße.


Zumindest tagsüber bietet sich aber immer noch das gewohnte Bild: Es überrascht geradezu, wenn dort einmal ein oder zwei Fahrzeuge abgestellt sind. Vielen Mietern der Lessingstraße ist ein Platz in der Garage keine 30 Euro pro Monat wert. Die 16 kostenfreien Besucherparkplätze sind hingegen ständig gut belegt.

Für Joachim Seethaler, den technischen Leiter der GRWS, ist gerade diese Situation der beste Beweis dafür, dass es nicht angebracht ist, in Gebieten mit sozialem Wohnungsbau den sonst gültigen Stellplatzschlüssel der Stadt anzuwenden. "In der Lessingstraße bieten wir 167 Stellplätze an. Das ist nur die Hälfte von dem, was die Stellplatzverordnung heutzutage verlangt. Und trotzdem konnten wir ein komplettes Parkdeck nicht vermieten."

Deshalb kam aus Sicht der GRWS für die Finsterwalderstraße keine Tiefgarage in Frage. "Wir haben unsere Lektion gelernt. Unsere Mieter wollen offenbar keine Tiefgaragen", sagt Seethaler. Ein solcher Platz koste in der Herstellung 18000 Euro. Wenn diesem Aufwand null Euro an Einnahmen gegenüberstehen, sei das kein vernünftiges Verhältnis.

Entlang der Straße auch Platz

Um die Argumente für einen verringerten Schlüssel zu belegen, hat die Gesellschaft Zahlen über die vermieteten GRWS-Stellplätze in der Lessingstraße, in der Marienberger Straße und der Leitzach-/Alzstraße vorgelegt. In diesen Wohnanlagen sind pro Wohnung zwischen 0,7 und 1,1 Autos zugelassen. Die Bewohner mieten im Mittel aber nur einen halben Stellplatz.

Zwar stimmte der Stadtrat einem reduzierten Schlüssel zu. Ganz so weit wie es sich die GRWS gewünscht hatte, ging er aber nicht. Die GRWS hätte 0,85 Stellplatz pro Wohnung für ausreichend gehalten, beschlossen wurde eine Reduzierung von 1,63 auf einen.

Kritikern hält Joachim Seethaler nicht nur die Zahlen der anderen Wohnanlagen entgegen. Er verweist zudem auf den Wegfall der alten Garagen vor den Wohnblöcken in der Finsterwalderstraße. Diese Zufahrten nehmen breiten Raum ein und fallen nach der Verlagerung der Parkplätze zur Äußeren Münchener Straße weg. Deshalb könnten in Zukunft in der Finsterwalderstraße auf einer Länge von 120 Metern etwa 20 Autos parken.

Wenn nach 25 Jahren die öffentliche Förderung wegfällt und die Mieten steigen, ändert sich möglicherweise auch die Mieterstruktur - mit einem dann auch höheren Stellplatzbedarf. Der Stadtrat stimmte aber dennoch zu und orientierte sich damit nicht zuletzt an der Landeshauptstadt München.

Oberbayerisches Volksblatt

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