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Auf der Suche nach Nachtlichtern

Bürger in Rosenheim können ab sofort Lichtverschmutzung ganz einfach mit dem Handy messen

Ein junges Mädchen gibt die Lichtquellen an, die sie in ihrem Straßenabschnitt sehen kann.
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Ein junges Mädchen gibt die Lichtquellen an, die sie in ihrem Straßenabschnitt sehen kann.

Laternen, Gebäudebeleuchtung und Werbetafeln: Die Nächte werden immer heller. Das zeigen Satelliten- und Luftaufnahmen der Erde bei Nacht. Das Projekt „Nachtlicht-BüHNe“ soll jetzt helfen zu ermitteln, wie viele künstliche Lichtquellen es in den Städten gibt. Das Besondere: Alle Bürger können mithelfen.

Rosenheim – Es ist dunkel, nur die Straßenlaternen und einige beleuchtete Fenster spenden Licht. Direkt unter einer Laterne steht ein junges Mädchen. Sie hält ein Handy in der rechten Hand, tippt auf ihrem Bildschirm. Sie gibt alle Lichtquellen an, die sie in ihrem Straßenabschnitt sehen kann. Sie kann auswählen zwischen Ampeln, Laternen, Fenstern oder beleuchteten Klingelschildern.

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Anschließend gibt sie an, welche Farbe und Größe die Lichter haben und wie hell sie leuchten. Dann klickt sie auf Senden und macht sich auf den Weg zum nächsten Straßenabschnitt, um auch dort alle Lichter zu erfassen.

Zählaktion geht bis Ende Oktober

Die junge Frau ist eine von zahlreichen Freiwilligen, die sich noch bis Ende Oktober an der Zählaktion beteiligen können. Nach der Kampagne werten Forscher am Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam die anonymen Daten aus und veröffentlichen sie. „Damit wollen wir zu mehr Bewusstsein für die nachhaltige Beleuchtung beitragen“, sagt die Wissenschaftlerin Dr. Nona Schulte-Römer, die gemeinsam mit Dr. Christopher Kyba das Projekt begleitet. Kyba ist Physiker und erforscht Lichtemissionen mittels Satellitendaten.

Keine verlässlichen Daten zu den Ursachen

Bereits vor Jahren sei ihm aufgefallen, dass die Lichtverschmutzung zwar immer mehr zunehme, es aber keine verlässlichen Daten zu den Ursachen gebe. Bis jetzt.

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Denn die Hoffnung des Teams aus Forschern und Bürgerwissenschaftlern ist, dass es mit dem Projekt „NachtlichtbüHNe“ gelingt, wenigstens eine ungefähre Idee davon zu bekommen, wie viele künstliche Lichtquellen es in den jeweiligen Städten gibt und wie hoch die Lichtverschmutzung tatsächlich ist.

Sternwarte begrüßt Mitmach-Kampagne

Das Projekt hat zudem interessante Nebeneffekte: „Schon bei der Entwicklung der App haben wir festgestellt, dass das Nachtlichter-Zählen eine bewusstseinserweiternde Wirkung auf uns hat. Viele von uns waren erstaunt, wie viele verschiedene Lichter dort draußen in unterschiedlichen Farben und Formen strahlen“, sagt Nona Schulte-Römer.

Lokale Kampagnen in Bochum, Dresden und anderen Städten

Schon jetzt gebe es laut der Wissenschaftlerin eine gute Resonanz. So würde es nicht nur die lokalen Kampagnen in Bochum, Dresden Erlangen, Fulda, Potsdam, Würzburg sowie den Gemeinden Westensee und Preußisch-Oldendorf geben, sondern auch etliche engagierte Bürger, die mitmachen wollen. „Diese Woche hat sich ein Niederländer gemeldet, der auf den Philippinen an dem Projekt teilnehmen will“, sagt Schulte-Römer.

Licht ist schlecht für Flora, Fauna und Menschen

Und auch in Rosenheim wollen sich einige Bürger auf die Suche nach Nachtlichtern machen. Neben dem Rosenheimer Christian Schäfer hat sich auch der Leiter der Sternwarte Elmar Junker mit der Thematik auseinandergesetzt. Junker weiß, wie schlecht Licht für Flora, Fauna und die Menschen sein kann, hat selbst etliche beleuchtete Hausnummern und Briefkästen in seiner Straße.

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Umso mehr freut er sich über die Mitmach-Kampagne. „Durch das Projekt kann man unheimlich viel über Licht lernen und schafft ein Bewusstsein zum Thema Lichtverschmutzung“, sagt er. Schon allein deshalb würde es sich seiner Meinung nach auch für Schulklassen und sogar Studierende anbieten.

Lichtemissionen besser verstehen

Das Geoforschungszentrum in Potsdam jedenfalls würde das freuen. Denn je mehr Bürger an der Kampagne teilnehmen, um so mehr Daten können gesammelt werden um Lichtemissionen zu verstehen und letztendlich nachhaltiger zu beleuchten.

Wer mitforschen möchte, ist laut den Organisatoren jederzeit willkommen, muss aber eine kurzes online App-Training absolvieren, um die Datenqualität zu gewährleisten. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.nachtlicht-buehne.de.

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