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Bei Niederaudorf

Studie zum Brenner-Nordzulauf: Geht noch was mit Tunnel im Wildbarren? 

Hier könnte die Verknüpfungsstelle entstehen.
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Hier könnte die Verknüpfungsstelle entstehen.

Die Bahn mit ihrer Verknüpfungsstelle soll in den Berg. Das fordern die Menschen im Inntal von den Planern des Brenner-Nordzulaufs. Geht nicht, sagt die Bahn. Nun äußert sich ein Gutachten skeptisch zum Tunnel im Wildbarren. Doch macht es Bürgermeistern im Inntal auch Mut.

Rosenheim – Ist damit das Projekt einer unterirdischen Verknüpfungsstelle für den Brenner-Nordzulauf im Wildbarren bei Niederaudorf damit vom Tisch, oder drohen der Bahn erneut Hausaufgaben mit einer genauen Prüfung dieser Lösung? Das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) sieht die unterirdische Variante der Trasse Violett skeptisch, hält sie aber nicht für unmachbar.

Die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellte Studie des Zentrums kommt zu dem Schluss, dass die Genehmigungsfähigkeit eines solchen komplexen Tunnelbauwerks fraglich erscheine. Deutschland betrete zudem mit einer unterirdischen Verknüpfungsstelle „eindeutig Neuland bei der Gestaltung von Eisenbahntunneln“.

Die Prüfung, ob ein so komplexes Bauwerk funktionieren könne, sei aufwendig und teuer. Es sei abzuwägen, ob der Nutzen den Aufwand rechtfertige.

Bundestagsabgeordnete Ludwig bedauert Schlussfolgerungen der Studie

Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber sagte in einer ersten Reaktion: „Ich hätte mir eine andere Nachricht gewünscht.“ Nun müsse man weiter auf eine konstruktive Lösung drängen.  

„Sehr bedauerlich“ nennt Landrat Otto Lederer (CSU) die Schlussfolgerungen der Studie. Das räumlich beengte Inntal werde bereits von zahlreichen Verkehrsachsen durchzogen. „Eine oberirdische Verknüpfungsstelle würde diese Situation nochmals verschärfen.“ Die Verlegung der Verknüpfungsstelle in das Bergmassiv hätte eine gute Lösung dargestellt.

Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt zeigte sich nach eingehender Lektüre des Gutachtens gelassen. Die Bahn habe die Machbarkeit einer solchen Tunnellösung im Wildbarren immer verneint. Anders die Autoren vom Zentrum für Schienenverkehrsforschung. „Von daher ist das Ergebnis positiv“, sagte Bernhardt. „Die Studie widerspricht der Annahme nicht, dass es funktionieren könnte.“  

Das findet auch Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher. „Das ist der wichtige Punkt: Die Studie sagt nicht, dass es nicht geht.“ Ansonsten sei nicht recht viel Neues dabei herausgekommen. „Dass es Geld kostet wussten wir, dass es Zeit kostet, wussten wir, dass das sowas in Deutschland noch nicht gemacht worden ist, wussten wir auch.“

lnntal-Bürgermeister fordern Schutz von Menschen und Landschaft ein

Es sei immer sinnvoll, den Nutzen gegenüber dem Aufwand abzuwägen, sagte Bernhardt auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Sicherlich sei mit Mehrkosten zu rechnen. Allerdings rechtfertigten die Folgen einer Brenner-Nordzulauftrasse im engen Inntal für viele Generationen aus der Sicht der Anrainer auch hohe Investitionen.

Unterstützung dürfen die Menschen aus der Region von Bayerns Verkehrsministerium Kerstin Schreyer (CSU) erwarten. Auch sie sieht darin, dass die Studie die grundsätzliche Möglichkeit einer solchen Lösung nicht bestreite, einen Vorteil. „Der Ball liegt jetzt beim Bund“, sagt sie.

Aufwand sei kein Argument dafür, sich allein auf den oberirdischen Verlauf zu konzentrieren. Nachdem die unterirdische Variante nicht per se ausgeschlossen werde, „erwarte ich vom Bund schon, dass er sich noch intensiver damit auseinandersetzt und dies dort konkret durch die DB Netz untersuchen lässt“. 

Die Studie geht auf Anregungen der Inntalgemeinden und der Interessengemeinschaft „Inntal 2040“ zurück. Sie hatten den Bund aufgefordert, für eine Verknüpfungsstelle im Wildbarren eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. 

Der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner (CSU) hatte der Forderung nach einem Gutachten vergangenes Jahr mit einem Dringlichkeitsantrag Nachdruck verliehen. Er sagt: „Die Bahn muss das Ganze nun vertieft technisch prüfen, und dann gehört ein Preisschild dran. Und erst dann kann man entscheiden.“

Auch die Regierung von Oberbayern hatte in ihrem Raumordnungs-Gutachten die Prüfung dieser Lösung verlangt.

Die Bahn hatte von Anfang an Bedenken geltend gemacht. So sei eine Verknüpfung von Gleisen in einem Tunnelbauwerk wegen der europäischen Norm des Begegnungsverbots nicht zulässig. Der Konzern sieht sich nunmehr durch die Studie bestärkt.

Bahn: Tunnel im Widerspruch zu wesentlichen Bestimmungen

Unterirdische Verknüpfungsstellen stehen im Widerspruch zu wesentlichen Sicherheitsbestimmungen. Zu diesem Ergebnis sei nun eben auch das DZSF gekommen, sagte ein Sprecher auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Die Forschungseinrichtung des Bundes bestätige damit das Ergebnis einer Untersuchung des DB-Projektteams aus dem Herbst 2020. 

Die vom DZSF aufgezeigte Möglichkeit, dass die Bahn nochmals prüfe, ob Sicherheitsstandards eingehalten werden könnten, sei zeitaufwendig, kostenintensiv und berge ein hohes Risiko, heißt es weiter seitens der Bahn. „Zu Recht habe daher das DZSF die Frage aufgeworfen, ob ein solcher Aufwand den zu erwartenden Nutzen rechtfertigt.“

Rosenheimer Bundestagsabgeordnete im Streit mit der Bundesregierung

Dem folgt, wie am Wochenende (19./20. Februar) bekannt wurde, auch das Bundesverkehrsministerium. Die Deutsche Bahn werde nun Möglichkeiten einer „Optimierung“ der Lage der oberirdischen Verknüpfungsstelle „vertieft prüfen“. Das hatte auch die Bahn selbst bereits angekündigt. Von der Absicht, die Möglichkeit einer unterirdischen Lösung konsequent zu überprüfen, ist seitens Bahn und Ministerium nicht mehr die Rede.

Damit aber will sich die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig nicht abfinden. Ministerium und Bahn könnten das Projekt nicht einfach beerdigen. „Das kann geht so nicht“, sagte Ludwig. „Vielmehr müssen das Ministerium und die Deutsche Bahn die heiklen Punkte noch einmal intensiv prüfen und nach Lösungen suchen.“

Am Wildbarren könnte es für die Planer mehr als nur dicke Bretter zu bohren geben. Daniela Ludwig kündigt der Bahn jedenfalls harte Verhandlungen an: „Eine oberirdische Verknüpfungsstelle im Inntal ist ein erheblicher Eingriff, den wir nicht so einfach hinnehmen können.“  

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