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Auszeichnung für Sepp Hirle

Er sichtet Talente für Rosenheim: „Michael Mittermeier musste auf der Couch schlafen“

Bezirkstagspräsident Josef Mederer (links) verleiht die Bezirksmedaille an Sepp Hirle.
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Bezirkstagspräsident Josef Mederer (links) verleiht die Bezirksmedaille an Sepp Hirle.

Jahrelang hat Sepp Hirle sich für junge Menschen in Rosenheim stark und um Kunst und Kultur verdient gemacht. Dafür ist er nun vom Bezirk Oberbayern ausgezeichnet worden.

Rosenheim - „Da waren vielleicht sechs, sieben Leute, aber ich fand ihn gut“, erzählt Sepp Hirle. Und so hat Hirle ihn für die Rosenheimer Kleinkunsttage engagiert. Das Talent hatte Hirle ganz richtig erkannt, der junge Mann auf der Bühne sollte dann nur ein paar Jahr später vor deutlich mehr Menschen auftreten. „Bei den Rosenheimer Kleinkunsttagen waren es dann immerhin das Doppelte“, sagt Hirle.

Aber weil man als Kabarettist bei einem so kleinen Publikum nicht mit großen Gagen rechnen kann und eine Übernachtung teuer ist, schlief das junge Talent namens Michael Mittermeier dann bei Hirle. Für das große Engagement für Kultur und Jugendförderung hat Josef Hirle die Bezirksmedaille von Oberbayern bekommen.

Dem 74-Jährigen liegen junge Leute am Herzen

Dass dem heute 74-Jährigen die Förderung junger Talente am Herzen lag, kommt nicht von ungefähr. Vor heuer 40 Jahren begann sein ehrenamtliches Engagement beim SV Pang. „Ich habe zu meiner Frau gesagt, wir können ja nicht immer nur die Kinder beim SV Pang abliefern“, erzählt er. Und statt beim nächsten Zeltlager wieder nach Hause zu fahren, blieb er da. Betreute, organisierte und schlug sich mit allem rum, was die jungen Menschen bewegte. Das sei nicht immer nur einfach gewesen, sagt er: „Das sind ja nicht nur die lieben, braven Kinderchen, sondern auch die pubertierenden Jugendlichen.“

Aber die Geschichten, die Hirle dann erzählt, bringen zwar Betreuern Sorgenfalten auf die Stirn, sind aber definitiv harmloser Natur. Bei einem Zeltlager wurde das Gepäck - wenn es nicht zu schwer war - den Jugendlichen vom Auto aus zugeworfen. Ein Rucksack fällt runter, „man hört es klirren und der junge Mann, vielleicht 14, 15, sagt: „Spinnt‘s ihr, da war der ganze Schnaps drin“.

Bis heute begrüßen ihn Menschen, die er vor zig Jahren als Jugendliche betreute

Bis heute kämen manchmal Menschen auf ihn zu - bei Dorffesten oder in der Stadt. „Die sagen dann ganz verhalten, Kennst mich noch?“, erzählt Hirle. „Ich brauche dann meist etwas, die sind ja dann keine Jugendlichen mehr, sondern 30 Jahre älter,“

Aber meist fällt es ihm wieder ein. Einmal stieß er bei einem Fest mit jemandem zusammen, es drohte eine Rauferei, da bemerkte er zwei Hände auf seinen Schultern: „Sepp, wenn was ist, dann helfen wir Dir“, sagten zwei junge Männer. Die beiden waren mal in seiner Obhut gewesen und gaben ihm nun Rückhalt. „Mich freut das immer, dass man doch einen Eindruck hinterlassen hat, der so gut war, dass die Menschen mich dann immer noch ansprechen“, erzählt er. Zu einer Rauferei kam es übrigens nicht, Hirle konnte sein Gegenüber beschwichtigen.

Er schaufelt viel Zeit für den SV Pang frei

Weil Sepp Hirle selbstständig ist, kann er viel Zeit für den SV Pang freischaufeln. Schon kurz nach dem ersten Zeltlager, wird er in den Vorstand gewählt. Von dort kommt er zum Stadtjugendring: „Der damalige Vorstand hat gedacht, ich würde zu denen passen“, erzählt er lakonisch. Als wäre das einfach so passiert, als hätte er sich nicht hervorgetan. Und so fallen ihm die Kleinkunsttage quasi in den Schoß, die er ab 1995 organisiert.

„Auch mal jemanden buchen, der einem nicht gefällt“

Hirle tourt durch die Region, um Talente zu sichten. So hatte er den jungen Michael Mittermeier entdeckt, der damals noch ganz klassisches Kabarett gemacht habe, wie sich Hirle erinnert. Aber auch andere inzwischen große Namen wie Martina Schwarzmann sind dabei.

Bei seinen Sichtungen gibt sich Hirle nicht zu erkennen, wie ein Restaurantkritiker ist er anonym unterwegs. „Ich hatte immer ein Auge auf der Bühne und eines beim Publikum“, sagt er. Denn zwar vertraut Hirle seinem Geschmack, aber das Publikum findet eventuell andere Dinge lustig. „Da muss man manchmal über seinen eigenen Schatten springen“, erklärt er, „und auch mal jemanden buchen, der einem selbst vielleicht nicht gefällt.“

„Es war ja nichts los in Rosenheim“

Bei der Verleihung der Bezirksmedaille des Bezirks Oberbayern erklärte Bezirkstagspräsident Josef Mederer: „Sie haben durch Ihr langjähriges Engagement im kulturellen Bereich die Rosenheimer Kulturszene maßgeblich mitgestaltet.“ Und belebt: „Es war ja nichts los in Rosenheim“, erzählt Hirle, der sich über die Medaille freut und auch nichts bereut: „Andere gehen Golfspielen, wir haben uns halt engagiert.“

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