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Wissenschaftliches Projekt

Abwasser aus der Kläranlage: Wie Rosenheim bei der Entwicklung eines Frühwarnsystems für Corona hilft

Auch mittels des Rosenheimer Abwassers versuchen Forscher in Leipzig, ein Frühwarnsystem für Infektionen zu schaffen.
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Auch mittels des Rosenheimer Abwassers versuchen Forscher in Leipzig, ein Frühwarnsystem für Infektionen zu schaffen.

Abwasser aus der Rosenheimer Kläranlage wird regelmäßig zum Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung nach Leipzig geschickt. Dort wird ein Frühwarnsystem gegen Corona entwickelt.

Rosenheim – Es ist eine trübe und nicht gerade wohlriechende Brühe, die von Rosenheim nach Leipzig geschickt wird. Seit September 2020 geht ein kleiner Teil des Rosenheimer Abwassers zum dortigen Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Dort ist René Kallies einer der Forscher, die sich für den flüssigen Unrat aus Rosenheim interessieren. Genauer gesagt für Reste von Coronaviren, welche die Forscher selbst in Kleinstmengen noch im Abwasser nachweisen können.

Es geht um ein Forschungsprojekt, an dem Kallies mitarbeitet. Er und seine Kollegen möchten mit ihrer Arbeit im besten Fall eine Art Frühwarnsystem entwickeln. Nicht nur für Coronaviren, sondern auch für andere Erreger, die sich in der unappetitlichen Abwasserbrühe finden lassen.

Früher gegensteuern

Ein Frühwarnsystem, mit dem sich zeitig ablesen lässt, an welchem Ort künftig Ausbrüche stattfinden könnten. Dann wären Behörden vor Ort bereits vorher in der Lage, entsprechend gegenzusteuern, noch bevor unzählige Nasen- und Rachenabstriche belegen, was die Forscher aus Leipzig anhand ihrer Daten vorhergesagt haben.

„Die 24-Stunden-Mischprobe aus der Kläranlage muss ohnehin von Gesetzes wegen genommen werden“, schildert der promovierte Biologe Kallies. Einen Teil des gezogenen Wassers zwackt die Kläranlage dann für die Forscher in Leipzig ab und schickt sie postalisch auf die Reise. Der Umstand, dass Rosenheim zum Kreis jener 20 Kommunen gehört, der seinen flüssigen Unrat an die Forscher versendet, kommt nicht von ungefähr, sondern von Rosenheims früher unrühmlicher Rolle als Infektionshotspot in Sachen Corona.

Für den Leiter der Rosenheimer Stadtentwässerung, Werner Willeitner, ist die Teilnahme an diesem Forschungsprojekt selbstverständlich. Er freut sich, dass er die Wissenschaft auf diese Art und Weise unterstützen kann. Und das bei doch recht überschaubarem Aufwand.

Proben chemisch aufbereiten

„Im Grund machen wir einen PCR-Test wie in der normalen Diagnostik auch“, schildert René Kallies. Zuvor müssten die Proben noch entsprechend aufgearbeitet werden, damit sich die Viruspartikel auch finden lassen. Hierfür sorgt eine Chemikalie: Polyethylenglykol, welche das Viruspartikel und darunter auch Nukleinsäuren bindet.

Eine Zentrifuge trennt die flüssigen und festen Bestandteile der Probe. Übrig bleibt ein festes Pellet mit den gebundenen Virenpartikeln. Dieses lösen die Forscher wieder in einer Flüssigkeit, dann jedoch in einem wesentlich kleineren Volumen.

Dunkelziffer entgegenwirken

„Wir sind etwas früher am Infektionsgeschehen als bei einer individuellen Patiententestung“, sagt der Biologe Kallies über die Ziele seiner Forschung. Denn wahrscheinlich schieden Patienten schon vor dem Auftreten erster Symptome bereits Viruspartikel aus. Damit könnte man jener Dunkelziffer entgegenwirken, die sich dadurch ergebe, dass Patienten erst beim Auftreten von Beschwerden zum Arzt gingen oder gänzlich symptomfrei blieben.

Erreicht die Untersuchung bei der Testung einen gewissen Grenzwert, könnten Kallies und seine Kollegen zumindest ein Signal an die beprobten Kommunen geben, dass sich möglicherweise ein Infektionsgeschehen abzeichne. „Ich kann im Abwasser zumindest bestimmte Trends ablesen“, sagt der Biologe, auch wenn er davor warnt, aus einem solchen Trend schon konkrete Zahlen prognostizieren zu wollen.

Viele Unschärfen

Selbst wenn sich die einzelnen Partikel des Virus-Erbgutes in die Zahl der Viruspartikel umrechnen ließen. „Dort sind sehr viele Unschärfen drin und viele Parameter, die wir nicht kennen“, mahnt er. Dies auf infizierte Personen hochzurechnen, hält er für „schwierig“.

Dennoch: Kallies und seine Kollegen hoffen, mit ihrer Arbeit der Politik ein Instrument an die Hand geben zu können. Damit diese bei künftigen Ausbrüchen irgendeiner Krankheit schneller gegensteuern kann, um das Infektionsgeschehen einzudämmen.

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