1000 Euro für "Ente mit Ohren"

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Rosenheim/Mühldorf - Ein schwimmendes Reh im Chiemsee, ein "Bobby-Car-Kreisel" und ein Kröten-Schwertransport. All das haben die OVB-Leserreporter festgehalten.

Viele Leser nutzten vergangenes Jahr die Gunst der Stunde und unterstützten bei der Aktion "OVB-Leserreporter" die Redaktion. Für die Gewinner aus Prien, Raubling und Au am Inn zahlte sich das aus, ihre Bilder wurden mit insgesamt 2000 Euro honoriert.


"Größer, weiter, schneller" gilt ebenso wie das olympische Motto "Dabei sein ist alles" für die OVB-Aktion Leserreporter. Moderne Technik macht die Menschen mobil, Wege kürzer und lässt die Welt zusammenwachsen. Wo auch immer etwas passiert, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Leser unserer Zeitung in der Nähe oder selbst mittendrin ist, ist groß.

Darum hat das Oberbayerische Volksblatt und seine Regionalausgaben mit der Aktion "Leserreporter" einen heißen Draht zur Redaktion geschaffen. Diesen nutzten auch vergangenes Jahr unsere Leserinnen und Leser rege. Sie riefen an, schickten MMS oder E-Mails und hielten mit ihren unzähligen Beiträgen das Leben in all seinen Facetten fest.


Besonders ungewöhnlich war dabei der Siegerbeitrag von Leserreporter Klaus Dedial aus Prien, dem auf dem Chiemsee ein Reh vor die Linse schwamm.

Gewinn für Leserreporter: Gerard Eisenberger, Helmuth Brunner und Klaus Dedial (von links) bekamen von OVB-Redaktionsleiter Willi Börsch ihre Geldpreise und Blumen überreicht.

"Ich dachte aus der Ferne zunächst an eine Ente", sagte der Leserreporter bei der Siegerehrung. "Die Ohren passten aber nicht." Als sich Dedial, der mit seinem Kajak am frühen Morgen eine Runde um die Herreninsel drehte, dem Tier näherte, sei dieses nervös geworden.

"Also beobachtete ich die Sache abwartend aus der Entfernung." Da Rehe nicht nur schüchtern, sondern auch eher wasserscheu sind, war der Priener von der Schwimmleistung überrascht. "Von seinem vermutlichen Startplatz bei Prien-Harras bis zur Insel ist es dann doch ein guter Kilometer."

Dedial wartete in sicherer Entfernung, um das Tier nicht unnötig zu stressen und um sich zu vergewissern, dass es das rettende Ufer erreicht. Was das Tier zu seinem Badeausflug bewegte, konnte der Fotograf nicht in Erfahrung bringen. "Aber Hauptsache, es überlebte."

Rehe sieht er seither beim Paddeln am Südufer der Herreninsel immer mal wieder. Ob sein Langstreckenschwimmer dabei ist, kann der Leserreporter nicht sagen, er hofft es aber. Von seinen 1000 Euro Preisgeld will sich der Priener eine neue Kamera kaufen, um weiterhin Schnappschüsse mit Seltenheitswert einsenden zu können.

"Der Kleinste" ist der Superlativ, der den zweitplatzierten Beitrag von Helmuth Brunner treffend beschreibt. Dem Raublinger fiel während der OVB-Suche nach dem kleinsten Verkehrskreisel sein Urlaubsfoto wieder ein. Dieses entstand auf einer Italienreise zur Primiz von Magnus Förster, der lange in Raubling lebte, in Rom studierte und in Agnagni zum Priester geweiht wurde.

Dieser 20 000-Einwohner-Ort südlich von Rom hatte im Mittelalter eine wichtige Rolle als Residenz von Päpsten und als Ort von Konklaven. Heute hat er den wohl kleinsten Verkehrskreisel der Welt. Die Erinnerung Brunners an diese Kreuzung, die sich wohl leichter mit dem Bobby-Car als mit einem Mittelklassewagen passieren lässt, rechnete sich für den Fotografen mit 700 Euro Bildhonorar.

Naturfotografien waren bei den Einsendungen besonders häufig. Unter den Leserreporter-Gewinnern vertritt Gerard Eisenberger aus Au am Inn diese Kategorie. Er lag Gewehr, beziehungsweise Kamera bei Fuß auf der Lauer, um Kröten bei der Wanderung zu helfen.

"Da ist mir dieser 'Kröten-Schwertransport' aufgefallen", erinnert sich Eisenberger an das leicht gestresst wirkende Tier, das sich mit fünf "liebestollen" Männchen abmühen musste. Um den Stress etwas zu lindern, half der Tierfreund, nachdem er den Auslöser der Kamera betätigte, mit einer Kehrschaufel, die Wanderung zu verkürzen. Diese Hilfe zahlte sich doppelt aus. "Es gab jede Menge Kaulquappen im renaturierten Dorfweiher", beschreibt der Leserreporter den Zusatznutzen zu den 300 Euro Bildhonorar.

OVB-Redaktionsleiter Willi Börsch gratulierte den Siegern. Er hofft, dass die Leser auch weiter tatkräftig helfen, die Heimatzeitung mitzugestalten. "Tolle Schnappschüsse sind in der Redaktion immer gefragt", so Börsch. Auch nächstes Jahr rechnet sich der heiße Draht zum OVB für drei Leserreporter. Das Oberbayerische Volksblatt zahlt wieder 2000 Euro Preisgeld an die drei Teilnehmer mit den außergewöhnlichsten Geschichten und Fotos.

Oberbayerisches Volksblatt

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