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Gedenken an zwölf Tote und über 80 Verletzte

„Schwärzester Tag“ - Zugunglück von Bad Aibling jährt sich zum sechsten Mal

Ein Bild vom Unglücksort bei Bad Aibling nach dem Zusammenprall zweier Züge.
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Ein Bild vom Unglücksort bei Bad Aibling nach dem Zusammenprall zweier Züge.

Der 9. Februar 2016 bleibt als schwärzester Tag in der jüngeren Geschichte Bad Aiblings in Erinnerung. Zwei Züge rasen frontal ineinander. Die Katastrophe vor den Toren der Stadt ist auch sechs Jahre danach noch präsent.

Ein Überblick in Kürze:

Bad Aibling – 9. Februar 2022 – der sechste Jahrestag des Zugunglücks von Bad Aibling. Wo am Faschingsdienstag 2016 nach und nach das entsetzliche Ausmaß des Zusammenstoßes zweier Regionalzüge auf der eingleisigen Strecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor deutlich wurde, Rettungshubschrauber kreisten und unzählige Einsatzkräfte bis zur Erschöpfung arbeiteten, herrscht am 6. Jahrestag der Katastrophe überwiegend Schweigen.

Was war am Morgen des 9. Februar passiert?

Als die beiden Züge an besagtem Dienstagmorgen auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal ineinander krachten, wurden 18 Menschen schwer und 63 Reisende leicht verletzt. Zwölf Menschen kamen ums Leben.

Der Zusammenprall traf die Fahrgäste völlig unvermittelt, als in einer Kurve die beiden Pendler-Züge ineinander prallten. Zu dieser Zeit waren Faschingsferien - und die Schüler deshalb zuhause statt im Zug.

„Das sind Bilder, die einen natürlich auch sehr stark emotional belasten, weil man sich nicht vorstellen kann, dass solche Unglücke auch bei uns vorkommen können.“

Alexander Dobrindt (CSU), damaliger Bundesverkehrsminister

Als sich die Triebwagen gegen 6.45 Uhr ineinander verkeilten, entgleiste einer der Züge und mehrere Waggons kippten zur Seite. „Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen“, berichtete Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Bad Aibling betroffen. „Das sind Bilder, die einen natürlich auch sehr stark emotional belasten, weil man sich nicht vorstellen kann, dass solche Unglücke auch bei uns vorkommen können.“

Nach Zugunglück blickt ganz Deutschland auf Bad Aibling

Welche Tragweite das Zugunglück erreichte, machte sich bundesweit im medialen Interesse bemerkbar. Kamerateams aus dem Bundesgebiet waren vor Ort, etwa die Tagesschau oder das ZDF-Heute-Journal berichteten live von der Unglücksstelle bei Bad Aibling.

Politiker aus ganz Deutschland äußerten sich zudem betroffen über das Unglück in der Kurstadt. „Ich bin bestürzt und traurig über das schwere Zugunglück bei Bad Aibling. Mein Mitgefühl gilt vor allem den Familien der Menschen, die dabei ihr Leben verloren haben“, sagte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Homepage der Bundesregierung.

Wie konnte es zu dem Zugunglück in Bad Aibling kommen?

Die auch Mangfalltalbahn genannte Strecke wurde mit Hilfe des „Punktförmigen Zugbeeinflussungssystems“ kontrolliert - „ein System, das automatisch dafür sorgen soll, dass das Aufeinandertreffen von Zügen nicht stattfindet, indem Züge zwangsgebremst werden, wenn sie unberechtigt auf einer Strecke sind, Signale überfahren oder Ähnliches“, sagte Dobrindt nach dem Unglück. Auf der Unfallstrecke war das System erst in der Woche zuvor kontrolliert worden.

Zugunglück in Bad Aibling: Die ersten Bilder vom Unfallort

 © Josef Reisner
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 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
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 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
 © Josef Reisner
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Eine Woche nach dem Zugunglück von Bad Aibling führten die Ermittler die Ursache auf menschliches Versagen beim Fahrdienstleiter zurück. Gegen den damals 39-Jährigen, der zwei Züge auf eingleisiger Strecke hatte passieren lassen, sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in Bad Aibling. Nachdem er sich zunächst auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen hatte, äußerte er sich den Ermittlern zufolge doch noch ausführlich.

„Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen.“

Wolfgang Giese, damals Leitender Oberstaatsanwalt

„Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen“, sagte Giese. Unmittelbar nach dem Unglück wurde bereits gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. Der Fahrdienstleiter habe, als er seinen Fehler bemerkt habe, noch einen Notruf abgesetzt, der jedoch ins Leere ging. Laut den Ermittlungen wurde damals bekannt, dass der Mann kurz vor dem Unglück an seinem Handy gespielt haben soll.

Trauer um die Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling.

Was ist seit dem Unglück von Bad Aibling geschehen?

Nach einem Beinahe-Frontalzusammenstoß zweier S-Bahnen bei Icking im vergangenen Jahr kam die Frage auf, was sich inzwischen bei der Sicherheit eingleisiger Bahnstrecken in Bayern getan hat. Diese sollte nach dem Zugunglück von Bad Aibling verbessert werden.

„Die Staatsregierung hat den Bund nicht erst seit dem Eisenbahnunfall von Bad Aibling wiederholt aufgefordert, die Investitionsmittel und die Anreize für die Modernisierung des bestehenden DB-Streckennetzes – insbesondere auch der SPNV-Strecken – zu erhöhen, damit unter anderem auch eine schnellere Modernisierung der Streckensicherungstechnik erfolgen kann.“, führte das Bayerische Verkehrsministerium auf Nachfrage der Grünen aus.

„Die Zugkollision von Bad Aibling ereignete sich auf einer Strecke mit Streckenblock und Zugbeeinflussung. Unfallursache war nicht fehlende Sicherungstechnik, sondern ein menschlicher Fehler bei der Bedienung des Stellwerks. Die Eisenbahninfrastrukturunternehmen sind daher von der Staatsregierung aufgefordert worden, die Maßnahmen zur Aus- und Fortbildung sowie zur innerbetrieblichen Kontrolle der Fahrdienstleiter kritisch zu überprüfen und zu verbessern“, so das Ministerium weiter. „Hinsichtlich technischer Maßnahmen hat die Staatsregierung die DB Netz AG aufgefordert, bestehende Nachrüstpotenziale im Stellwerksbestand zu heben, sofern kein zeitnaher Ersatz durch neue elektronische oder digitale Stellwerke möglich ist.

Mit Informationen der dpa

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