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Tuntenhausen die Ausnahme

Viele Schulen im Mangfalltal verzichten auf Luftreiniger: Werden sie bald Pflicht?

Fenster auf! Doris Roelen, stellvertretende Schulleiterin des Bad Aiblinger Gymnasiums, öffnet die Fenster.
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Fenster auf! Doris Roelen, stellvertretende Schulleiterin des Bad Aiblinger Gymnasiums, öffnet die Fenster.

Ab 1. Juli entfällt die Maskenpflicht im Unterricht für alle Schüler. Um die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus in den Klassenzimmern zu minimieren, setzt die bayerische Staatsregierung ab September auf Luftreinigungsgeräte in jedem Klassenzimmer, wie Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag betonte. Doch nicht alle Schulen wurden von ihren Trägern mit diesen Geräten ausgestattet.

Mangfalltal – Im Bad Aiblinger Gymnasium beispielsweise gibt es keine. Und das hat nicht die Schule selbst entschieden, sondern der Aufwandsträger, der Landkreis. Anstelle dessen ist regelmäßiges Lüften angesagt. „Bei den derzeitigen Temperaturen stehen den ganzen Tag die Fenster offen“, erklärt Schulleiter Michael Beer.

Anschaffungskosten sind sehr hoch

Er verweist auch auf die hohen Anschaffungs- sowie Wartungskosten der Luftreiniger. Schließlich sei es nicht mit ein, zwei Anlagen getan. Im Bad Aiblinger Gymnasium müssten bis zu 45 Räume ausgestattet werden. Einige Eltern hätten vorgeschlagen, für diese Lüftungsgeräte zu sammeln. Aber davon hat Beer Abstand genommen und verwies eben auf die Wartungskosten. Wie es im Winter wird, wird sich zeigen. Bei eisigen Temperaturen könne man schließlich nicht den ganzen Vormittag alle Fenster aufreißen, so der Schulleiter auf Anfrage des Mangfall-Boten.

Für eisige Temperaturen hat die Adolf-Rasp-Schule in Kolbermoor, die ebenfalls nicht mit Lüftungsanlagen ausgestattet ist, eine Lösung: Lüftungsjacken. „Jeder unserer 304 Schüler hat so eine Jacke, die er in der Schule lässt und im letzten Winter angezogen hat, wenn wir gelüftet haben“, erklärt Rektorin Carola Vodermaier. Die Lüftungsjacken sind jetzt im Sommer zu Hause – dafür sind immer die Fenster auf. In einigen Räumen, es sind rund 20 Unterrichts- und Fachräume, werde es extrem heiß – „fast wie in einer Sauna“, so Vodermaier.

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Mit einem Mehrheitsbeschluss des Marktgemeinderates und in Abstimmung mit den Rektoren hatte sich der Markt Bruckmühl im Frühjahr gegen die Anschaffung von Luftfilteranlagen für seine Grund- und Mittelschulen entschieden. Die Gründe: Nach Aussage von Experten biete das „Querlüften“ den wirksamsten Schutz. Alle Klassenzimmer lassen sich ausreichend „querlüften“. Die Mittelschule ist mit einer Frischluftanlage ausgestattet, die zweimal pro Stunde die Luft austauscht.

Zwei Förderprogramme hatte der Freistaat für die Geräte aufgelegt. Erst wurden nur Anlagen für Zimmer gefördert, die nicht ausreichend zu belüften waren, dann gab es Zuschüsse für alle Räume. „Trotzdem haben wir von Luftreinigern abgesehen, weil es keinen Nachweis gibt, dass sie wirklich einen Schutz garantieren, und weil sie keine Erleichterungen für die Kinder bringen“, erklärt Bürgermeister Richard Richter.

Werden Luftreiniger zur Pflicht erhoben?

Doch was, wenn die Staatsregierung Luftreiniger zur Pflicht macht? „Weder wir Bürgermeister, noch der Städte- oder Gemeindetag haben bislang konkrete Informationen“, kritisiert Richter. Müsste die Marktgemeinde nun alle Zimmer in Schulen und Kindertagesstätten mit Luftreinigern ausstatten, würden weit mehr als 100 Geräte gebraucht. Bei Kosten von etwa 4000 Euro pro Stück wären das insgesamt also mindestens 400 000 Euro.

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Bei einer 50-prozentigen Förderung müsste die Marktgemeinde circa 200 000 Euro aufbringen. „Wenn der Freistaat uns zwingt, die Luftreiniger anzuschaffen, gilt das Konnexitätsprinzip“, erklärt der Bürgermeister. „Und das besagt: Wer anschafft, zahlt. Der Freistaat müsste die Geräte also selbst bezahlen.“

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Gegen Luftreiniger hat sich auch die Gemeinde Feldkirchen-Westerham in Abstimmung mit den Rektoren entschieden. „Wenn die Geräte jetzt verpflichtend werden, müssen wir sie anschaffen“, vermutet Andreas Hanrieder, in der Gemeindeverwaltung für Schulen und Kindertageseinrichtungen zuständig. Etwa 40 Geräte wären dann erforderlich. Die Kommune rechnet mit einem Eigenanteil von 70 000 Euro.

Gemeinden warten auf klare Regeln

Noch gibt es zu den Forderungen von Markus Söder keine Ausführungsbestimmungen. „Wir warten auf das Ministerialblatt, dann sehen wir weiter“, so Hanrieder. Die Gemeinde Tuntenhausen hat in der ersten Förderrunde 14 Luftreiniger angeschafft und damit alle Zimmer der Fritz-Schäffer-Grund- und Mittelschule Ostermünchen ausgestattet, die nicht ausreichend belüftet werden können oder über eine Lüftungsanlage verfügen.

Zudem sind alle Schulen und Kindertagesstätten mit CO2-Sensoren ausgerüstet. Bis September für alle Zimmer Luftfilter nachzurüsten, ist nach den Erfahrungen von Bürgermeister Georg Weigl gar nicht möglich: „Erst brauchen wir die Ausführungsbestimmungen, dann einen Beschluss des Gemeinderates. Dann können wir mit den gesetzlichen Fristen ausschreiben und bestellen. Ehe die Geräte geliefert werden, ist der nächste Winter vorbei.“

In der Fritz-Schäffer-Grund- und Mittelschule Ostermünchen sind Luftfilter im Einsatz

Seit Januar ist die Fritz-Schäffer-Grund- und Mittelschule Ostermünchen mit 14 Luftreinigungsgeräten ausgestattet. „Sie laufen täglich von 7 bis 16 Uhr. Parallel dazu wird kräftig gelüftet“, informiert Rektorin Margaret Careddu-Bayr. Kombiniert sind die Luftfilter mit CO2-Sensoren. „Ein Ampelsystem zeigt uns, wann es Zeit wird, wieder ordentlich querzulüften“, erklärt Konrektorin Birgit Decker.

Vorurteile, die Geräte wären zu laut, können sie mit der Erfahrung von fünf Monaten aus dem Weg räumen. „Man gewöhnt sich an das Geräusch so wie an das eines Ventilators oder Deckenbeamers“, beschreibt Decker. Auch regelmäßige Nachfragen bei den Schülern hätten ergeben, dass auch sie sich nicht gestört fühlten.

„Die Luftreiniger geben uns Sicherheit“, sagt Decker. „Die Luft wird gereinigt, die Viren werden abgetötet. Gerade jetzt, da ab heute alle Schüler wieder ohne Maske am Platz sitzen dürfen, ist das ein zusätzlicher Schutz.“ Auch nach überstandener Corona-Pandemie werden die Luftreiniger an der Ostermünchener Schule weiter ihren Dienst tun. „Sie wirken auch gegen andere Viren, sodass wir sie perspektivisch auch vor und während Erkältungszeiten, im Herbst und Winter prophylaktisch einsetzen können“, ist Carredu-Bayr dankbar, dass sich die Gemeinde Tuntenhausen für die Luftreiniger entscheiden hat.

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