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In der Region immer auf Trab

Rosenheimer Reiterstaffel: „Ein bisserl Polizei zum Anfassen“

Reiterstaffel Rosenheim
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Unterwegs auf Naturschutzstreife: Polizeihauptkommissar Robert Staber, Leiter der Reitergruppe Rosenheim, auf Schimmel Eskadron und seine Kollegin Polizeihauptmeisterin Bernadette Bamberger auf Champion.

Sie heißen Champion, Cappuccino, Eskadron, Lancelot und Quicksilver: Die fünf Wallache sind Polizeipferde. Polizeihauptkommissar und Leiter der Rosenheimer Reitergruppe Robert Staber erzählt uns, wie Ross und Reiter bei der berittenen Polizei arbeiten und welche Herausforderungen täglich auf sie warten.

Sindlhausen (Tuntenhausen) - Der Arbeitstag der berittenen Beamten - sechs an der Zahl - startet klassisch in Rosenheim. Organisatorisch ist die Reiterstaffel der Dienststelle Zentrale Einsatzdienste (ZED) angegliedert. Im Büro wird der Tagesablauf besprochen: Was fällt diensttechnisch an diesem Tag an, steht ein Einsatz oder nur eine Streife bevor?

Dienstantritt von Ross und Reiter ab 7.30 Uhr:

Während die Beamten in Rosenheim schon ihr Reitgewand anlegen und sich bereit machen, ruhen die Pferde noch in ihren Stallungen in der „Grand River Ranche“. Mit dem Zugfahrzeug machen sich die Polizisten in Richtung Sindlhausen bei Tuntenhausen auf. Hier hat die Polizei fünf Boxen inklusive Paddocks, Büro und Sattelkammer angemietet.

Die Polizeipferde stehen in bester Gesellschaft zu anderen Privatpferden - auch auf den Koppeln, wo jedes Polizeipferd bis zu vier Stunden täglich verbringt. Eines hat außerdem immer dienstfrei, damit die Tiere nicht überfordert werden.

Der erste Blick am Stall geht zu den Rössern: Sind sie einsatzbereit, haben sie gefressen, lahmt einer? Sind diese Fragen geklärt, wird gestriegelt, gesattelt und aufgezäumt. Mit dem Hänger werden die Pferde in das Gebiet gefahren, das auf dem Dienstplan an diesem Tag vorgesehen ist.

Unwegsames Gelände ist für die berittene Polizei prädestiniert

Erst dann geht der eigentliche Reiterdienst los: In der Regel fangen die Beamten um 7.30 Uhr an und hören um 16 Uhr auf. Je nach Einsatzlage aber variieren diese Zeiten: Es gibt frühmorgendliche oder Nachmittags-Streifen sowie abends Einsätze bei Fußball-, oder Eishockey-Spielen sowie Demonstrationen.

Pro Woche versuchen die Polizeireiter im Präsidiumsbereich Süd Mitte - der vergrößerte Bereich von Rosenheim - jede Inspektion mit einer Streife zu unterstützen. Hier wird präventiv vorgegangen. „Wenn wir wissen, dass eine größere Einbruchserie geschah oder vermehrt Motorradfahrer auf gesperrten Flächen gesehen wurden, wird dies priorisiert. Wir arbeiten auch mit der Naturschutzbehörde des Landratsamts zusammen, die sehr sensible Bereiche betreut und die von uns verstärkt bestreift werden“, erklärt Staber.

Unterwegs bei Wind und Wetter: Die berittene Polizei ist auch bei Schneesturm im Einsatz.

Bei spontanen Einsätzen wie Vermisstensuche wird die ursprünglich geplante Streife verworfen und der Einsatz auf das akute Gebiet verlegt. Unwegsames Gelände ist für die berittene Polizei prädestiniert, durch die erhöhte Sitzposition erhalten die Beamten einen speziellen Blickwinkel auf das Geschehen um sie herum.

Eingesetzt werden die Pferde darüber hinaus bei „High Risk“-Sportveranstaltungen: Das sind Spiele, von denen ausgegangen wird, dass unterhalb der Fangruppen Probleme auftreten könnten - wie in der Hooligan-Szene. Hier betreuen Staber und drei seiner seiner Kollegen das Spiel als „Raumschutz“. Bei Auseinandersetzungen reiten die Beamten in die Menge und versuchen die Kontrahenten zu trennen. „Die Pferde arbeiten hierbei routiniert, durch jahrelanges und regelmäßiges Training.“

An vorderster Stelle steht der Tierschutz, Staber legt Wert auf einen tiergerechten Umgang. „Im Einsatz ist das Pferd freilich ein Einsatzmittel - ich muss in eine Konfliktsituation reinreiten und Ordnung schaffen. Brenzlig wird es fast bei jedem Einsatz, in den wir reinreiten - die Pferde schieben die streitende Masse letztlich auseinander“, erklärt der Staffelführer. Bisher seien alle Einsätze unfallfrei verlaufen - für Pferd, Reiter und Zivilisten.

Was macht ein Pferd zum Polizeipferd?

„Im Idealfall sind die Pferde gerade erst angeritten mit vier bis sechs Jahren“, erläutert Staber zum Kauf der Pferde. „Die gesamte Polizei hat sich auf Warmblutpferde spezialisiert. Den zentralen Einkauf der Tiere - ob Bayerisches Warmblut oder Hannoveraner - übernehmen die Kollegen der Münchner Reiterstaffel in ganz Deutschland. Vor Ausbildungsstart werden sie 14 Tage lang testgeritten - erst dann zeigt sich, ob sie charakterlich geeignet sind.“

Dann muss viel Zeit und Geduld investiert werden, um aus dem angerittenen, aber noch nicht polizeierfahrenen Pferd ein Einsatzpferd zu machen: „Zunächst geht der Neuling gar keine oder nur kleinere Einsätze mit. Das junge Pferd läuft in der Regel mit einem erfahrenen mit, damit es sich auf der Streife von dem älteren Kollegen etwas abschauen kann.“

Viel läuft über Gewohnheit und Übungen, betont Staber: „Essentiell ist ein Vertrauensaufbau zwischen Ross und Reiter - wir arbeiten permanent im Sattel. Im Normalfall ist jedem Reiter ein Pferd fest zugewiesen, ein Kollege fungiert als Springer.“

Die berittene Polizei Rosenheim auf Streife.

Jeden Montag ist Reitausbildungstag, bei dem ein Reitlehrer eine dressurähnliche spezifische Ausbildung für Pferd und Reiter abhält: „Das Training geht einher mit Optik und Akustik: So laufen die Pferde über Dosen, es werden Fahnen geschwenkt oder Bälle geworfen. Ein leichtes Springtraining rundet die Übungen ab. Die Tiere müssen abgehärtet werden gegen Lärm, Unruhe oder Menschenmengen.“

Ein Polizeipferd kann - wenn es gesund und fit ist - bis es gute 20 Jahre alt ist, Einsätze mitgehen, weiß Staber: „Sie gehen dann aber auf ihre alten Tagen nicht mehr jeden Einsatz mit. Hier ein Fußballspiel, da eine Streife - ansonsten haben sie frei. „Die alten erfahrenen Hasen brauchen keine konkreten Übungen mehr, die sind fit und wissen, was zu tun ist. Und gerade das macht sie so wertvoll - auch als ‚Lehrer‘ für jüngere Pferde, die sich als Herdentiere im Stressfall beruhigen und an die älteren anlehnen können.“

Wie kommt ein Polizist zur Reiterstaffel?

Über allem steht die Ausbildung zum Polizisten sowie drei bis vier Jahre Einzeldiensterfahrung. Für die Reiterstaffel müssen sich Anwärter bewerben, erklärt Staber: „Reitkenntnisse sind nicht zwingend notwendig, aber natürlich von Vorteil. So kann die Halbjahres-Grundausbildung auf drei Monate verkürzt werden. Die Anwärter sind mindestens noch ein Jahr lang in verschiedenen Einsätzen dabei, um Einsatzerfahrung zu sammeln. Nach etwa einem Jahr gilt man als Polizeireiter, die Erfahrung kommt über die Jahre mit der Praxis.

Staffelführer Robert Staber mit Kollegin Bamberger im Gelände.

„Ein Polizeipferd lässt sich nicht lenken“, erklärt Staber den Unterschied zu einem gewöhnlichen Privatpferd. „Wer nur über die Maultätigkeit reitet, kommt irgendwann an seine Grenzen. Der Reiter muss sich auf die Situation einstellen, die ein Einsatz verlangt.“

Ein Polizeireiter habe sicherlich ein höheres Anforderungspotential an seine Reitweise als ein Freizeitreiter. „Er muss kein exzellenter Spring- oder Dressurreiter sein, er muss eine Einheit bilden können. Der Reiter muss wissen, wie weit er mit seinem Pferd gehen kann und die Grenzen kennen. Besteht die Gefahr, dass das Pferd möglicherweise einmal steigt, so muss das früh genug erkannt und reiterlich dagegen gearbeitet werden. Meine eigene Erfahrung zeigt: Wenn ich als Reiter mein Pferd aufgebaut und im Griff habe, dann ist es im Einsatz voll und ganz bei mir.“

„Wir stehen gerne für das positive Image der Polizei“

Staber ist seit der Gründung der Reiterstaffel im Jahr 1987 dabei, hat sich damals als blutjunger Polizist gemeldet. Nun sei er das letzte Gründungsmitglied, wie er grinsend erzählt. Als Reiter lernt man nie aus: „Wenn du das letzte Mal absteigst, hast zum letzten Mal was gelernt. Jedes Pferd ist eine neue Herausforderung.

„Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist die sichtbare Präsenz - ein bisserl Polizei zum Anfassen“, untermalt Staber und schwelgt abschließend ein wenig in Nostalgie: „Jeden Tag woanders reiten, in der Natur sein oder in Bürgerkontakt stehen: Als berittene Polizei sind wir ein bisserl wie die alte Gendarmerie, die früher nach dem Weg gefragt wurde. Wir kommen dermaßen schnell ins Gespräch mit den Leuten und erhalten viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Wir stehen gerne für das positive Image der Polizei - mitsamt der Liebe und der Leidenschaft zum Tier.“

Unterwegs in der Innenstadt: Die berittene Polizei in Rosenheim.

mb