Prozesswagerl steht wieder in Kolbermoor

Schon wieder: fristlose Kündigung bei Frischpack

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Der Anhänger mit der Prozessankündigung steht seit einiger Zeit wieder an der Staatsstraße in Kolbermoor
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Tuntenhausen/Kolbermoor - Da steht er wieder, der Anhänger an der Kolbermoorer Staatsstraße. Wie schon vor etwa einem Jahr macht eine Mitarbeiterin von Frischpack so auf einen Prozess aufmerksam. Ihr wurde nämlich wieder fristlos gekündigt.

An der Staatsstraße in Kolbermoor steht wieder der Anhänger von Monika Anzill und ihrem Partner Lothar Steinert. Darauf angebracht ein Plakat, das auf einen Prozess wegen fristloser Kündigung hinweist. Im Gespräch mit rosenheim24.de teilte uns Monika Anzill, die seit 26 Jahren bei der Firma Frischpack GmbH aus Mailling in der Gemeinde Tuntenhausen als Maschinenführerin beschäftigt ist, dass ihr am 12. Februar völlig überraschend fristlos gekündigt wurde. Der einzige Grund der von Seiten Frischpacks genannt wurde war "verhaltensbedingt".

Anzill verstand die Welt nicht mehr, denn es habe nach ihrer Aussage weder Abmahnungen, noch sonst irgendwelche Beschwerden gegeben. Sie und ihr Lebensgefährte Lothar Steinert haben jedoch einen Verdacht:

"Der wahre Grund der erneuten Kündigung ist die Tatsache, dass Frau Anzill als damaliges Mitglied des Betriebsrates und stellvertretende Vorsitzende auch diesmal wieder den Einsatz der Leiharbeit, zweijährige Befristungsverträge bei Neueinstellungen, immer mehr Vergabe von Werkverträgen, die zunehmende Arbeitshetze, steigende Leistungsanforderungen bei drastischer Reduzierung der Anzahl der Produktionsarbeiter und nicht zuletzt die verpflichtende Samstagsarbeit an 18 Wochenenden im Jahr kritisiert hat", so Steinert. Hinzu kommt eine Klage auf Bezahlung der Umziehzeiten, die von der Geschäftsleitung sogar zugesagt worden seien. "Man will hier jemand los werden, der mit kritischen Augen auf die Firma blickt", sagt Steinert. "Durch die Kündigung will die Geschäftsleitung Druck ausüben. Wer den Mund auf macht, der fliegt. So sollen die Leute ruhig gestellt werden."

Frischpack teilte uns nach mehrmaliger unbeantworteter Nachfrage nun mit, dass man sich zu der Sache nicht äußern wolle.

Gegen die Kündigung hat Monika Anzill eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Der Termin für die Verhandlung wurde vom 28. Februar auf 21. März verschoben. Ob es dann eine gütliche Einigung geben wird ist fraglich.

Anzill klagte bereits vergangenes Jahr gegen Frischpack

Frischpack kündigte Monika Anzill bereits im vergangenen Jahr fristlos und schloss sie aus dem Betriebsrat aus, weil sie Flugblätter vor dem Firmengelände verteilte, in denen die Frau für bessere Arbeitsbedingungen eintrat. "Inhalt des Flugblatts ist die Kritik an der NGG und vor allem an Werkverträgen, zweijährigen Befristungen, Leiharbeit und der ständig zunehmenden Samstagsarbeit", so die Mitarbeiterin damals.

Sie wollte die Kündigung nicht hinnehmen und zog vor Gericht. Es kam zum Prozess vor dem Landgericht München wegen des Ausschlusses aus dem Betriebsrat, den sie gewann und zum P rozess gegen Frischpack wegen der fristlosen Kündigung vor dem Rosenheimer Arbeitsgericht

Richter sieht keinen Kündigungsgrund

"Der Inhalt dieser Flugblätter ist nicht diffamierend. Es ist ein politisch motivierter Vortrag, aber darin wird nicht konkret Kritik an Firmenvertretern geäußert", sagte Vorsitzender Richter Alexander Winklmann während der Verhandlung im April in Rosenheim. Die Meinungsfreiheit sei nicht auf betriebsinterne Sitzungen und gewisse Plattformen beschränkt. Das Urteil: Die Kündigung wurde zurückgewiesen.

Frischpack öfter vor Gericht

Die Firma Frischpack aus Mailling bei Tuntenhausen steht immer wieder in der Öffentlichkeit. Bereits im April 2015 berichtete das Oberbayerische Volksblatt davon, dass es gewaltig zwischen der Firmenspitze und dem Betriebsrat krachte. Damals wurde ein neuer Betriebsrat gewählt, den die Firmenleitung aber nicht anerkannte. Es soll sich um Wahlbetrug gehandelt haben. Strafanzeigen wurden gestellt, der Fall kam vors Arbeitsgericht. Sogar die Polizei musste zur Betriebsratswahl anrücken.

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