Erstes seiner Art in der Region

Tuntenhausen: Erstes Haus aus Strohballen

Gepresste Strohballen zwischen den Holzträgern in der Außenwand sind Isolierung und Putzträger. Baumann/re
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Gepresste Strohballen zwischen den Holzträgern in der Außenwand sind Isolierung und Putzträger. Baumann/re

Nachhaltiges Bauen mit regionalen, nachwachsenden und energieeffizienten Baustoffen: Mit diesem Thema hat sich Max Gröschel aus Dettendorf in der Gemeinde Tuntenhausen intensiv beschäftigt.

Tuntenhausen – Der gelernte Zimmermeister, Bautechniker, Energieberater und Baubiologe Max Gröschel baut sich jetzt ein Strohballen-Haus. Und das nicht etwa in Norddeutschland, wo Fachwerk und Reetdächer aus Schilf zur Kultur gehören. Nein, Gröschl baut hier in Oberbayern das erste Strohballenhaus der Region – mit einem Rohstoff, der auf den Feldern wächst.

Material wird mit Kalk versehen

Für den Anbau an sein bestehendes Einfamilienhaus hat er sich für ein „Strohballenhaus“ entschieden. Das Außenmaß des neuen, in Holzständerbauweise errichteten Baukörpers beträgt etwa sechs mal acht Meter bei einer Firsthöhe von 6,5 Metern. Erd- und Obergeschoss ergeben zusammen etwa 85 Quadratmeter Wohnfläche.

Die Besonderheit eines „Strohballenhauses“ besteht darin, dass bei den Außenwänden zwischen der Holzkonstruktion eingebaute, gepresste Strohballen als Bau- und Isolierstoff dienen. Diese werden außen mit einem Kalkputz und innen mit einem Lehmputz versehen und dann – wie bei anderen Baumethoden auch – mit Farbe gestrichen.

Ursprung geht ins 19. Jahrhundert zurück

Die erstmalige Anwendung von Strohballen lässt sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Damals haben Siedler im holzarmen US-Bundesstaat Nebraska Strohballen als überdimensionale Mauerziegel eingesetzt und direkt mit Lehm oder Zement verputzt. Holzmangel ist freilich nicht das Motiv von Max Gröschel.

Die Innenseite der Außenwand wird mit Lehmputz versehen, zeigt Baubiologe Max Gröschel.

Bei seinem Projekt geht es um ressourcenschonendes Bauen und um Energieeinsparung. „Wenn wir so weiterbauen wie jetzt, werden wir niemals die gesteckten Klimaziele erreichen“, argumentiert er und ergänzt: „Und mit Stroh als einem Nebenprodukt der Landwirtschaft kann man wunderbar Häuser bauen.“

Die von Max Gröschel verarbeiteten 36,5 Zentimeter dicken Strohballen sind CE-zertifiziert. „Für manche vielleicht kaum zu glauben, aber auch ein Strohballenhaus erfüllt die Brandschutzvorgaben“, greift er eventuellen Vorurteilen vor. Zur weiteren baulichen Ausgestaltung werden die Innenwände mit Lehmbauplatten verkleidet und dazwischen mit Hanf gedämmt sind.

Gesundes Wohnklima mit der Natur

Über dem Erdgeschoss wurde eine 16 Zentimeter starke „Brettstapeldecke“ mit aussteifender Wirkung verlegt. Für den Bodenaufbau darüber wird eine schalldämmende Splittschüttung aufgebracht, und auf der nachfolgenden Lattung schließlich ein Holzboden verlegt.

Die Dämmung des ansonsten herkömmlichen Dachstuhls erfolgt aus Platzgründen mit eingeblasenen Holzfasern anstelle von Strohballen. Beim Bau des Strohballenhauses spielen finanzielle Aspekte absolut keine Rolle. Ganz im Gegenteil, betont der Baubiologe und Bauherr: „Mir geht es um Ressourcen“.

„Gepresstes Stroh hat ausgezeichnete Werte bei Wärmespeicherung und Schallschutz“, heißt es in einer Veröffentlichung des „Norddeutschen Zentrums für nachhaltiges Bauen“. Dort wird auch auf die Vorteile des „Stroh-Baustoffes“ hingewiesen: Es wird verhältnismäßig wenig Energie zur Herstellung des Baustoffes Strohballen benötigt.

Der Rohstoff kann regional bezogen werden, dadurch entfallen lange und unnötige Transportwege. Das Stroh lässt sich nahezu beliebig verarbeiten. Dadurch sind unterschiedlichste Dämmstärken für die unterschiedlichen Anforderungen möglich.

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