Erschließung über Gemeindestraßen

Staatliches Straßenbauamt lehnt neue Straße und Kreisel für Tuntenhausen-Nord ab

Der Bergweg soll auf fünf Meter verbreitert werden, damit Tuntenhausen-Nord erschlossen werden kann.
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Der Bergweg soll auf fünf Meter verbreitert werden, damit Tuntenhausen-Nord erschlossen werden kann.

Noch sind die Pläne für die Gestaltung des Baugebietes in Tuntenhausen-Nord nicht zu Ende gedacht, schon stellt sich erneut die Grundsatzfrage: Wird dieses Baugebiet wirklich gebraucht? Die Meinungen driften im Ort genauso auseinander wie im Gemeinderat.

Tuntenhausen – Letztlich stimmte der aber mit 16:5 Stimmen dafür, die Planungen voranzutreiben. Und das, obwohl eine Anbindung an die Staatsstraße 2358 über eine eigene Straße mit Kreisel oder Abbiegespur nicht möglich ist.

Komplizierte Verkehrsanbindung

Schon seit 2018 ist die Gemeinde mit dem Staatlichen Bauamt Rosenheim (StBaRo) im Kontakt, um die Verkehrsproblematik zu klären. Im August ließ die Gemeinde ein Verkehrsgutachten erstellen. Das hat das (StBaRo) nun ausgewertet und kommt zu dem Schluss: „Die zusätzlichen Verkehrsbelastungen in Fuchsbergstraße und Bergweg sind so gering, dass sie erträglich erscheinen. Eine Anbindung an die Staatsstraße ist nicht gerechtfertigt.“ Zum Vergleich: In der Fuchsbergstraße werden circa 635 Fahrzeuge pro Tag erwartet, in der Hilpertinger Straße sind es derzeit 1150.

Bürgermeister Georg Weigl (CSU/FWG) fragte noch einmal nach, doch an der Entscheidung ist nichts zu rütteln: Für einen Kreisel gibt es aus Rosenheim kein grünes Licht. Das wirft die Tuntenhausener wieder zurück „auf Anfang“, denn eigentlich sollte Tuntenhausen-Nord nur dann erweitert werden, wenn es über einen Kreisel zu erschließen wäre.

Dem steht der grundsätzliche Wunsch der Gemeinde Tuntenhausen nach Bauland für Einheimische gegenüber: „Wir können in diesem Jahr kein Einheimischenmodell anbieten, weil wir kein erschlossenes Grundstück haben“, machte der Bürgermeister klar und betonte: „Im Rahmen der Aufstellung des Flächennutzungsplanes müssen wir darüber nachdenken, wie wir Bauland für Einheimische schaffen.“ Mittelfristig aber sehe er nur in Tuntenhausen-Nord die Chance auf Grundstücke im Einheimischenmodell.

Franz Reil (CSU/FWG) zeigte kein Verständnis für die Position des Staatlichen Bauamtes, lenkte aber ein: „Einheimischen-Grundstücke ja, das Baugebiet ohne Kreisel zu erschließen, hat aber einen faden Beigeschmack.“ Daher forderte er: „Der Bergweg muss ordentlich ausgebaut und mindestens um 2,5 Meter verbreitert werden.“

Seniorenwohnanlagen wichtig für den Ort

Andreas Gigglinger (CSU/FWG) fragte nach, ob die Straße gegenüber dem Autohaus als Anbindung dienen könne. Die ist eigentlich für einen Ausbau vorgesehen. „Die erforderlichen Grundstücksverhandlungen gestalteten sich aber äußerst schwierig“, begründete Weigl, dass hier keine kurzfristige Lösung möglich sei.

Maria Breuer (UWO) gestand ein, dass sie dem Baugebiet nur zustimmen wollte, wenn es einen Kreisel gebe. „Das fällt mir jetzt auf die Füße, denn ich möchte, dass sich die angedachten Seniorenwohnanlagen in diesem Gebiet umsetzen lassen.“

Weichen müssen zeitnah gestellt werden

Stefan Hofbauer (UWO) schlug vor, die Entscheidung zu vertagen und erst die Grundstücksfragen für den Ausbau des Bergweges zu klären. Der Bürgermeister bestand darauf, „jetzt eine Entscheidung zu treffen, ob und wie wir weitermachen“, betonte aber: „Wenn es mit dem Bergweg nicht geht, dann geht Tuntenhausen-Nord nicht“.

Das neue Wohngebiet Tuntenhausen-Nord soll sich direkt an die bestehende Bebauung anschließen. Entlang der Grundstücke am Berg- und Schwalbenweg bis fast hinunter zur Fuchsbergstraße könnten junge Familien bauen und vielleicht sogar eine Seniorenwohnanlage entstehen. Gerlach

„Wir brauchen Tuntenhausen-Nord nicht. Wir versiegeln unser Land immer mehr“, betonte Theresia Englhart (Frauenliste). In der gesamten Gemeinde könne gebaut werden. Im Ort Tuntenhausen gebe noch viel Freiraum zur Nachverdichtung. Innerorts zu verdichten, wäre auch Martin Lurz (WGH) „sympathischer“. Christian Birmoser (ULT) würde lieber kleiner bauenund ergänzte: „Ich weiß, dass es viele Grundstückeigentümer gibt, die verkaufen würden.“

Einheimischenmodell nicht im Innenbereich

Bürgermeister Weigl erläuterte, dass viele Bauflächen – so auch der Innenbereich – nicht für das Einheimischen-Modell infrage kämen. Zudem könne man Grundbesitzer nicht zum Verkauf ihrer freien Flächen zwingen. Letztlich stimmten die Räte mit 16:5 Stimmen der Erschließung des neuen Baugebietes Tuntenhausen-Nord über die Fuchsbergstraße und den Bergweg zu. Mit der Bedingung, dass der Bergweg dafür auf fünf Meter verbreitert wird.

Das Baugebiet Tuntenhausen-Nord

Im Dezember 2017 hat die Gemeinde den Aufstellungsbeschluss für das Baugebiet „Tuntenhausen Nord“ gefasst. Seitdem wurden verschiedene städtebauliche Entwürfe entwickelt.

Anfangs war eine Bebauung mit 33 Eigenheimen geplant. Im vergangenen Jahr passten die Planer das Konzept an das bayerische Flächenspargebot an, verringerten die Parzellengröße auf 600 Quadratmeter, planten Ein- und Mehrfamilienhäuser. Dadurch würden sich auf der gleichen Fläche 45 Parzellen realisieren lassen.

Inzwischen wurde auch die Idee geboren, Seniorenwohnanlagen ins neue Baugebiet zu integrieren.

Vom Gemeinderat nach der Zahl der Grundstücke für das Einheimischenmodell befragt, ging der Bürgermeister beispielhaft von 35 Eigenheimen aus. Abzüglich des Eigenbedarfs des Grundstückeigentümers erhielte die Gemeinde dann etwa 13 bis 14 Grundstücke.

Die genaue Zahl wird aber erst dann feststehen, wenn es einen Bebauungsplan für das Gebiet gibt. Bisher handelt es sich nur um vorbereitende Entwürfe und Diskussionen.

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