Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bayerischer Imkertag heuer in Bad Aibling

Im Bann der Bienen: Großkarolinenfelderin verrät, was sie am Imkern so fasziniert

Hobbyimkerin Angela Sollinger bei der Kontrolle der Bienenstöcke.
+
Hobbyimkerin Angela Sollinger bei der Kontrolle der Bienenstöcke.

Schon als Kind hat das Imkern bei Angela Solinger aus Tattenhausen eine Faszination ausgelöst, die sie bis heute nicht losgelassen hat. Ihre summenden Schützlinge nennt sie „Familienmitglieder“ und gewährt Einblicke in ein Ökosystem, das unbedingt im Gleichgewicht gehalten werden muss.

Tuntenhausen/Großkarolinenfeld – „Wenn es im Frühling in den Obstbäumen summt und brummt, das ist das Allerschönste“, erzählt Angela Sollinger mit einem Strahlen in den Augen. Die Hobbyimkerin aus Tattenhausen bei Großkarolinenfeld hat schon seit ihrer Kindheit ein Faible für die Biene. Heute ist sie die Vorsitzende des Kreisverbandes der Imker Rosenheim und hat inzwischen ihre ganze Familie mit der Liebe zur Imkerei angesteckt.

Für nur Wenige die Haupterwerbsquelle

Laut Landesverband Bayerischer Imker (LVBI) gibt es derzeit rund 42.500 Imker in Bayern. Weniger als ein Prozent davon sind Erwerbsimker. „Jeder Imker leistet einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz“, betont LVBI-Präsident Stefan Spiegl. Denn etwa 80 Prozent aller Wild- und Nutzpflanzen seien auf die Bestäubung durch Wild- und Honigbienen angewiesen.

Eine Wissenschaft für sich

Das fleißige Treiben der Bienen hat Hobbyimkerin Sollinger von klein auf fasziniert. „Schon als Kind habe ich meinem Nachbarn immer bei den Bienen zugeschaut“, erinnert sie sich. Später hatte auch der Schwiegervater Bienen. 1997 zog der erste Bienenstock bei Angela Sollinger und ihrem Mann Andreas ein. „Damals war ich mit meinem vierten Kind schwanger und alle haben mir zur Vorsicht geraten – doch ich wurde nie gestochen“, betont sie.

Imkern ist eine Wissenschaft für sich. Eine fundierte Ausbildung ist essenziell. Für die Ausbildung zur Imkerin durchlief Sollinger die Kurse, die der Kreisverband jährlich anbietet. Es gibt zum Beispiel einen Anfängerkurs, Kurse über Honig, Bienenkrankheiten, Völkervermehrung sowie zahlreiche Fortbildungen. Bei der Aktion „Probeimker“ wird den Jungimkern außerdem über die ersten zwei Jahre ein erfahrener Imker zur Seite gestellt.

Einfach losimkern, davon rät auch Bienen-Sachverständiger und Fachwart Karl-Heinz Schäfer aus Tuntenhausen ab. „Imkern ist gerade hip“, berichtet er. Viele stellten sich einen Stock in den Garten, ohne Kenntnisse über die Bienenhaltung zu haben. „Das geht garantiert schief“, so Schäfer.

Kompliziertes kleines Ökosystem

Ein Bienenvolk ist ein kompliziertes kleines Ökosystem, dass gewissenhaft im Gleichgewicht gehalten werden muss. Das bestätigt auch LVBI-Präsident Spiegl: „Die Abläufe innerhalb eines Bienenvolkes sind hochkomplex, jeder Bienenhalter sollte hierüber im Sinne einer guten imkerlichen Praxis Bescheid wissen.“ Denn egal, ob Freizeit- oder Erwerbsimker: Wer Bienen halte, übernehme Verantwortung über seine Völker.

Das lernte auch Angela Sollinger bei ihrer Ausbildung. „Das erste eigene Volk zu haben, das war sehr aufregend“, erinnert sie sich. Nicht immer ging alles glatt. Sollinger erzählt vom Versuch, das Volk zu vermehren. Dazu hatte sie die Königin kurz aus dem Stock geholt – und die machte sich sofort aus dem Staub. „Wir haben schnell gelernt, auf Schwarmträgheit zu setzen“, erzählt sie.

Ehemann Andreas berichtet, dass man außerdem nur Bienen von den braven Völkern nachziehe, so dass Sollingers Bienen inzwischen durchweg handsam sind. „So macht das Imkern Spaß“, betont er. Angela Sollinger erzählt, dass sie meist ohne Schutzanzug zu den Bienen gehe. „Ich hatte in meiner Imker-Karriere erst zweimal den Schleier an“, sagt sie. Selbst wenn sie einmal gestochen werde, jucke sie das kaum.

Inzwischen hat die Hausfrau fünf Kinder – und alle brennen für die Imkerei. „Es ging mit dem Bub an, der hat sich zur Kommunion ein Bienenvolk gewünscht“, berichtet sie. Für das Ehepaar Sollinger war klar: der Junge soll es gerne ausprobieren, aber nur, wenn er die Ausbildung absolviert. Gesagt, getan. Heute sind alle Sollingers versierte Imker: die fünf imkernden Familienmitglieder haben ein Bienenhaus und insgesamt 50 Stöcke.

Die Bienen fühlen sich dort wohl. Im Garten stehen Obstbäume wie Äpfel, Zwetschgen oder Kirschen, Beerensträucher und Blumen. Reichlich Nahrung für die fleißigen Insekten, um Honig zu produzieren. Bereits zweimal konnten die Sollingers heuer bereits Honig schleudern – also den Überschuss aus den Waben mittels einer Art Zentrifuge herauslösen. Ende Juli kann erneut geerntet werden. Dann geht es darum, eine gesunde Brut für den Winter heranzuziehen. Während die Bienne im Sommer nach etwa sechs Wochen stirbt, muss die Winterbiene rund sechs Monate durchhalten, um das Überleben des Bienenvolkes zu sichern. „Ich habe viele Sträucher ums Haus, damit die Bienen auch im Herbst Nahrung finden“, so Sollinger. Außerdem füttern viele Imker für den Winter Zuckerwasser zu.

Milben-Kontrolle und Königinnen-Zucht

Rund eine bis zwei Stunden investiert Angela Sollinger pro Woche für ihre Bienen. „Ich bin der Handlanger für meinen Mann“, sagt sie lachend. Sie übernehme viele der Aufgaben wie Milben-Kontrolle oder die Zucht der Königinnen. Auch das Honig-Schleudern sei eine schöne Aufgabe – „auch wenn danach alles pappt“. Den Honig verkauft sie ab Hof sowie in einem kleinen Selbstbedienungsladen bei den Nachbarn.

Summende Familienmitglieder

Am glücklichsten machen Sollinger aber ihre zufriedenen Bienen. „Die sind für mich ein Familienmitglied“, erzählt sie. Die Völker werden mit einem „Hallo Mädels, wie geht’s euch“ begrüßt. Die fleißigen Tierchen versorgen die Familie nicht nur mit Honig, sondern sind auch manchmal Seelen-Tröster. „Wenn ich einmal Stress habe, gehe ich zu den Bienen und komme schnell wieder runter“, erzählt die Imkerin.

Hintergrund: Bayerischer Imkertag - Fachvorträge und Rahmenprogramm

Der Bayerische Imkertag des Landesverbands Bayerischer Imker mit Fachvorträgen für Imker sowie allgemeine Informationen für Interessierte findet am Sonntag, 11. September, in Bad Aibling statt. Regionale und überregionale Aussteller präsentieren ein buntes Angebot an Imkereiartikeln und Bienenprodukten. Die örtlichen Imkervereine bieten ein Rahmenprogramm, das viele Aktionen für die ganze Familie bereithält. Der Tag beginnt um 9 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Anschließend geht es ins Kurhaus Bad Aibling. Nach der Inthronisation der neuen Honighoheiten folgen diverse Vorträge rund ums Thema Imkern. Bereits am Samstag, 10. September, sind alle Interessierten ab 19 Uhr bei freiem Eintritt zu einem geselligen Abend mit Musik im Hotel St. Georg in Bad Aibling eingeladen. Das komplette Programm des Bayerischen Imkertags ist online unter der Adresse www.imkertag-rosenheim.de abrufbar.

Kommentare